Freitag, 5. Januar 2018

Bücherwelten: Fabio Geda „Im Meer schwimmen Krokodile“


So traurig das ist, die wirklich spannenden Reisen sind heutzutage wahrscheinlich keine Urlaubsreisen, sondern Flüchtlingsgeschichten. Und sie werden meist nicht in einem Blog erzählt. 

Fabio Geda's italienischer Roman „Im Meer schwimmen Krokodile“, der im Original bereits in 2010 erschien, erzählt so eine Flüchtlingsgeschichte, die in Afghanistan beginnt und über Pakistan, Iran, der Türkei und Griechenland nach Italien führt. Geradezu ein klassisch-typischer Fall, meint man heute, aber damals wurde das Buch noch ein in viele Sprachen übersetzter Bestseller. 

In einfachen, aber prägnanten Sätzen wird aus Sicht eines anfangs etwa 10-jähriger Jungen erzählt, wie es kommt, dass er von seiner afghanischen Mutter in einem pakistanischen Gästehaus der Stadt Quetta geplant, aber ohne Vorwarnung über Nacht zurückgelassen wird und sich fortan ohne nennenswerte Geldmittel selbst durchschlagen muss. Deshalb dauert seine Reise auch 4 – 5 Jahre, denn ohne Geldmittel kommt man mancherorts nicht weiter und muss daher zunächst arbeiten, um das Geld zu ersparen. 

Sehr eindringlich und nachvollziehbar wird auch erzählt, an welchen „widrigen Umständen“ es liegt, dass die Flüchtlinge nach Europa wollen und nicht etwa in Pakistan, dem Iran oder der Türkei bleiben wollen, wo sie als Illegale zwar eventuell Schwarzarbeit bekommen, aber hemmungslos ausgebeutet werden und/oder wenig erträglichen oder gefährlichen Tätigkeiten nachgehen müssen; im vorliegenden Buch z.B. in einem Steinsägewerk im Iran. 


Die Motive für die Flucht bzw. Reise sind also nachvollziehbar dargelegt. Das von Christiane Burkhardt fabelhaft übersetzte Buch kann gefallen. 

Die Reise endet in 2005. Heute schreiben wir das Jahr 2018. Hat sich seither etwas an der Sicherheitslage bzw. an der Situation der Flüchtlinge verbessert? Ich bezweifle das. Die eventuell aufkommenden Frage, weshalb die örtlich/regional involvierten Verantwortlichen vielerorts nicht Willens oder in der Lage sind, Konflikte nachhaltig zu lösen bzw. mit ein paar Tausend Terroristen und Separatisten fertig zu werden, kann ich an dieser Stelle leider auch nicht wirklich schlüssig beantworten.


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bonanzaMARGOT - Samstag, 6. Januar 2018, 11:13

solange die welt durch medien und internet immer stärker (gefühlt) zusammenwächst, die kluft zwischen arm und reich jedoch inter- wie intraregional größer wird, werden menschen (neben den kriegsflüchtlingen) für sich bessere lebensbedingungen durch migration suchen. dies ist meines erachtens legitim und nachvollziehbar. wir haben eben glück gehabt, dass wir hier relativ wohlhabend in einer friedlichen zeit aufwachsen durften. unsere arroganz und feindseligkeit gegenüber flüchtlingen (migranten) wird sich irgendwann rächen.

Treibgut - Samstag, 6. Januar 2018, 14:06

Migranten

Das Problem ist leider sehr komplex und hat 1.000 Facetten. Die emotionale Schwelle, das eigene Land oder gar den eigenen Kulturraum zu verlassen, ist jedoch recht hoch. Die meisten Leute tun das erst, wenn sie ihr Leben infolge von kriegerischen Konflikten als bedroht ansehen. Die Arbeitsmigration qualifizierter Personen nehme ich mal davon aus, das ist ein ganz anderes Thema.

Es gibt aus meiner Sicht nicht nur "unsere Feindseligkeit", sondern sie beginnt meist direkt mit "dem Erwerb" des illegalen Status nach Überschreiten der ersten Grenze. Die Regierung und/oder ein Teil der lokalen Bevölkerung sieht ihre Ressourcen als bedroht an, und die Feindseligkeit steigt dann exponentiell mit der Zahl der mittellosen Zuzügler. Deshalb muss dem Grunde nach das Herkunftsland der Zuzügler befriedet werden.
bonanzaMARGOT - Samstag, 6. Januar 2018, 14:25

was die kriegsflüchtlinge angeht, gebe ich dir recht.
das betrifft auch menschen, die aufgrund von politischer verfolgung fliehen, denen wegen einer anderen politischen meinung im eigenen land gefängnis und folter... drohen.
solcherlei bedrohten menschen bieten wir verfassungsgemäß asyl an.
allerdings gibt es (gab es schon immer) eine migrationsbewegung der armen bzw. ärmsten menschen hin zu den reicheren ländern der welt, was ich ebenso legitim finde. ein mensch sollte sich auf unserer erde den platz aussuchen können, wo er glaubt, glücklich zu werden.
all diese menschen werden auf der suche nach schutz oder einem besseren leben von menschenhändlern ausgenutzt und von vielerlei anderen gefahren bedroht. ich will gar nicht in die details gehen. demgegenüber höre ich manche sprüche unserer politiker, denen es scheinbar nur um zahlen geht.
natürlich kommen auch schwierige und kriminelle subjekte auf diesem wege zu uns..., die glauben, dass sie hier schnell zu geld kommen können. diese menschen bedeuten wie auch die kriminellen in der einheimischen bevölkerung eine bedrohung. auch das ist ganz normal - keineswegs komplex. ich sehe hier nur kräfte, die aufgrund politischer und kapitalistischer interessen die armen menschen (überall auf der welt) ausbeuten und als stimmungsmache für ihre zwecke instrumentalisieren. die drecksäcke dieser welt finden wir nicht unter den bedrohten und armen menschen, sondern unter denen, die uns beherrschen... im legalen wie auch im kriminellen bereich.
komplex ist allerdings die menschliche psyche, wie sie dies alles aufnimmt und verarbeitet - mitsamt der ganzen einhergehenden heuchelei.
Treibgut - Samstag, 6. Januar 2018, 19:42

Arbeitsmigranten

... individuelle Wünsche von Arbeitsmigranten sind natürlich legitim, aber ich denke, dass es auch legitim ist, der freien Migration einen Riegel vorzuschieben, weil unsere Sozialsysteme zusammenbrechen würden und unsere sowieso schon geschädigte Ökologie durch stetes wanderungsbedingtes Bevölkerungswachstum noch mehr unter Druck gerät.

Letztendlich können wir nur Arbeitsmigranten gebrauchen, die auch ihrer Qualifikation entsprechende Arbeit finden. Was sollen wir mit einer Million Landarbeitern aus Schwarzafrika oder Pakistan anfangen, die denken, dass sie auf den Feldern der EU ihren Lebenstandard verdoppeln können und nach Ankunft realisieren müssen, dass dort Maschinen herumfahren, die in der gleichen Zeit genauso viel leisten wie 100 von ihnen?

Deine Aussage "ein mensch sollte sich auf unserer erde den platz aussuchen können, wo er glaubt, glücklich zu werden" ist nur ein Traum, der nie und nimmer für die Masse Mensch funktionieren wird. Innerhalb der EU kann man das aber durchaus versuchen zu erreichen.

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