Filme

Sonntag, 13. August 2017

Im Kino – Die göttliche Ordnung und andere Filme

Petra Volpe's Film Die göttliche Ordnung spielt in der Schweiz im Jahr 1971, als das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Ein Bergdorf steht im Mittelpunkt. Aus der Perspektive einer dort ansässigen Ehefrau und Mutter (Marie Leuenberger) wird geschildert, wie und warum sich diese Frau plötzlich aktiv für das Frauenwahlrecht einsetzt und welche Widerstände in den verbohrten Köpfen der Männer zu überwinden sind. Nebenbei geht es auch noch um die sexuelle Revolution.

Das ist ein toller Film, auch weil er zeigt, wie schwierig es ist und wieviel Mut es braucht, Traditionen zu brechen, die oft von den Frauen auch selbst gelebt werden und welche Mechanismen dazu führen, dass Traditionen in festgefügten Gemeinschaften immer weiter fortgeschrieben werden.

Die Geschichte bietet beste Unterhaltung, überzeugend besetzt bis hinein in die Nebenrollen und sehr gekonnt erzählt“, meint die nzz. Das sehe ich auch so.

Cédric Klapisch's Film Der Wein und der Wind spielt in der Weinanbau-Gegend Burgunds. Der Film handelt vom Wein, vom Wein kosten, aber auch von Rivalitäten zwischen Weinbauern und familiären Problemen und Wein-Ritualen. Drei Geschwister. Der Tod des Vaters naht, einer der Brüder kommt nach 10 Jahren rechtzeitig aus Australien zurück. Der Vater stirbt. Der Hof soll weiterlaufen, aber die Erbschaftssteuer ist hoch.

Uns es gibt noch ein Problem, denn der Mann aus Australien hat selbst Probleme, und das Erbe geht zu je einem Drittel an die Söhne und die Tochter. Der Mann hängt nicht mehr an dem Land, würde also gerne ausgezahlt werden, hängt aber an seiner Schwester.

Nun, sie raufen sich zusammen. So ist es doch ein weitgehend harmonisch-natürlicher Film. Hübsch anzusehen.

Entschleunigtes wie geerdetes Familiendrama“, meint kino-zeit.

João Pedro Rodrigues' Film Der Ornithologe spielt im Norden Portugals, wo ein Ornithologe in einem Nationalpark mit seinem Kajak einem Fluss folgt. An Stromschnellen kentert er, wird später bewußtlos von zwei chinesischen TouristInnen gefunden. Er erweist sich als Ungläubiger, dem die Frauen einen Schlaftrunk verpassen. Gefesselt an einen Baum wacht er auf, kann sich nachts jedoch befreien und davon machen. Aber die Pillen, die er nehmen muss, hat er verlegt. Später hat er noch andere sonderbare Begegnungen mit um ein Feuer tanzenden Gestalten oder mit berittenen barbusigen Amazonen.

Ich dachte mir schon, dass der Film etwas zäh werden könnte, aber Filme über sonderbare Reisen in die Wildnis interessieren mich prinzipiell schon – ich renne ja manchmal selbst in der Wildnis rum. Und dieser Film war dann doch kurzweiliger als erwartet, mit sonderbarem Sound, vielen Tieren wie Eulen und Adlern, zunehmend surrealen Zügen im Verlauf der Reise, verschrobenen sexuell-tabuisierten Kontexten. Die katholische Symbolik habe ich wahrscheinlich nicht verstanden, weil ich mich in dem Sektor nicht auskenne, macht aber auch nichts.

"Dieser Film ist Arthousekino, das die Sinne belebt und die Fantasie auf Reisen schickt", meint kritiken.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Die göttliche Ordnung: ja, wahrscheinlich.
Der Wein und der Wind: ja, vielleicht.
Der Ornithologe: tendenziell eher nicht.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Im Kino – Die Erfindung der Wahrheit und andere Filme

John Madden's Film Die Erfindung der Wahrheit erzählt von einer Profi-Lobbyistin (Jessica Chastain), die mit ihrem Team, das sie wie Schachfiguren leitet, für die Waffenindustrie arbeiten soll, aber kündigt, gleichzeitig den Großteil des Teams mit abwirbt und zur Gegenseite wechselt. Nach den ersten lobbyistischen Siegen der Frau, fängt die Waffenindustrie an, schmutzige Wäsche zu waschen und zerrt sie vor einen Untersuchungsausschuss.

Aber die Frau und ihr Team sind gut vorbereitet und verursachen einen pressewirksamen Skandal um die Waffenindustrie.

Super Rolle für Frau Chastain, sie kann beeindrucken. „Der Kontrast zwischen der zynischen Kälte ihrer Figur und der feinnervigen Sensibilität der Schauspielerin gibt diesem Film ein Charisma, das er eigentlich nicht verdient hat“, sagt die zeit. Mannomann, so gut texten, müsste man mal selbst hier können.

Der Film Meine glückliche Familie von Nana Ekvtimishvili & Simon Groß spielt in Georgiens Hauptstadt Tiflis/Tbilisi und handelt von einer Frau, die in beengten Verhältnissen zusammen mit ihren Eltern, ihren Kindern und dem Ehemann dort in einer Wohnung lebt. Im Laufe der Jahre hat sie davon dann allerdings die Nase voll, verkündet ausziehen zu wollen und setzt das um, um alleine in einem anderen Viertel in einem Plattenbau zu leben.

Unter georgischen Verhältnissen ist das ein Affront, aber die Kontakte mit ihrer Familie, die nix verstehen will und Angst hat, das Gesicht gegenüber den Nachbarn und Bekannten zu verlieren, reißen nicht ab. Man kommt sich wieder näher, aber die Frau beharrt standhaft darauf, auch zukünftig in jedem Fall alleine wohnen zu wollen.

Der Film gibt einen guten Einblick in georgische Familienverhältnisse und zeigt nebenbei auch schöne Bilder aus dieser interessanten, etwas marode wirkenden Stadt. Insgesamt ein guter Film, der etwas mit seinem abrupten Ende schwächelt.

Mit einer geradezu pädagogischen Geduld zeigt My Happy Family auf, wie bestimmte Rollenbilder vermittelt, aufgenommen, verinnerlicht, reproduziert oder gebrochen werden“, meint critic.

Sönke Wortmann's Film Sommerfest nach einem Roman von Frank Goosen erzählt von einem Theater-Schauspieler, der seit über 10 Jahren in München arbeitet und anlässlich des Todes seines Vaters zur Beerdigung nach Bochum zurück kehrt. Er trifft dort alte Bekannte und Liebschaften wieder. Der Film wirkte auf mich überwiegend nach Fernsehsoap, und die einzige tiefere Wahrheit, die ich mitzunehmen vermochte, ist wahrscheinlich der Sachverhalt, dass ein Fortzug zu Entfremdung von der Heimat führt.

Plausibel rüberbringen konnte der Film allerdings auch nicht, weshalb jemand zwecks Arbeitssuche nach München zieht und sich anscheinend niemals mehr in der Heimatstadt blicken liess.

Sommerloch für Cineasten“, titelt der filmaffe.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Meine glückliche Familie: ja, vielleicht.
Die Erfindung der Wahrheit: ja, vielleicht.
Sommerfest: tendenziell eher nicht.

Samstag, 8. Juli 2017

Im Kino – Innen Leben und andere Filme

Philippe Van Leeuw's Film Innen Leben spielt in Damaskus, in einer Wohnung bzw. im Hof unten. In Syrien herrscht bekanntlich Krieg, und die Stadt ist unsicher geworden. In der Wohnung hat sich eine Familie mit Bekannten verschanzt. Raus gehen ist gefährlich. Sie beobachten versteckt, was draußen vor sich geht. Es gibt Scharfschützen, es gibt Banditen, manchmal Detonationen.

Eine Person aus der Wohnung liegt verletzt oder tot im Hof, und jemand Anderes will rein in die befestigte Wohnung, notfalls mit Gewalt.

Dramaturgisch stellt dieser Film die beiden folgend beschriebenen Filme weit in den Schatten. Gedreht wurde er im Libanon. Auf der Berlinale 2017 gewann der Film den Publikumspreis.

Der Film „zeigt nur wenig konkrete Gewalt und keinen einzigen Toten. Der Film vergegenwärtigt vielmehr, wie der Krieg Menschen zerstört, auch ohne sie zu töten“, stellt choices fest.

Sofia Coppola's Film Die Verführten erzählt eine Geschichte aus einem Mädchenpensionat zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert. Das Pensionat liegt sehr abgelegen in einem Wald. Eines Tages schleppt sich ein verletzter Soldat der gegnerischen Truppen in den Park und wird zwecks Pflege von den Frauen und Mädchen aufgenommen. Doch mit zunehmender Genesung beginnt sich der Soldat für die Mädchen zu interessieren und ist dabei nicht wählerisch.

Es kommt zu Verwicklungen, die für den Soldaten ein gestaffelt böses Ende nehmen.

Filme von Frau Coppola sind nicht so mein Ding, ich habe aber auch schon lange keinen Film mehr von ihr gesehen. Auch dieser neue Film wollte mich nicht so recht überzeugen, obgleich Nicole Kidman als resolute Chefin des Pensionats den Film doch retten kann und der Schauplatz des Geschehens auch Pluspunkte sammeln kann.

Mit „ein Film voller dunkler Sehnsüchte in einer schon fast verwunschenen Welt“, beschreibt kino-zeit die Atmosphäre und den Ort. Das sollte mir zusagen, aber vermutlich war mir die Story zu handlungsarm.

Robert Budreau's Film Born To Be Blue erzählt aus dem Leben des 1988 gestorbenen Jazz-Trompeters Chet Baker (überzeugend gespielt von Ethan Hawke), der bereits um ca. 1955 von Heroin abhängig wurde. Der Jazz, die Drogensucht, seine Zahnprobleme sowie sein in wikipedia nicht thematisierte Verhältnis zu den Frauen bilden den Schwerpunkt des Films, der ca. zwischen 1955 und 1978 spielt. Baker hatte demnach immer schöne Frauen um sich (sofern er nicht im Gefängnis saß), die ihn allerdings wegen seiner Drogensucht auch immer verließen.

Der Film wirkt authentisch und kann als Biographie mit guten SchauspielerInnen überzeugen, ohne stilistisch besonders aufregend zu sein.

Über die Kunst als solche ... erfahren wir übrigens nichts“, meint die zeit zum Thema „Jazz“ im Film. Und die Geschichte mit den Frauen ist vielleicht auch nicht ganz realistisch.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Innen Leben: ja, vielleicht.
Die Verführten: tendenziell eher nicht.
Born To Be Blue: tendenziell eher nicht.

Montag, 19. Juni 2017

Im Kino – Alien: Covenant und andere Filme

Ridley Scott's Film Alien: Covenant schreibt natürlich die Alien-Saga fort. Die Alien-Filme habe ich alle im Kino gesehen, was – soweit ich mich erinnere - bei keiner andere Serie der Fall ist, die es auf mehr als drei Kino-Teile gebracht hat. Die beiden „Alien vs. Predator“-Filme habe ich allerdings nicht dazu gezählt, die kenne ich auch gar nicht, weil sie relativ schlechte Kritiken bekamen. Es ist die düstere Weltraum-Szenerie, die mich anzieht und die letztlich bereits im 1. Teil (1979) den Ruhm von „Alien“ begründete; denn das war damals neu in dieser Form.

Auch im neuen Alien-Film ist die düstere Weltraum-Szenerie das Nonplusultra für mich gewesen, insbesondere die Szenen der riesigen Ruinenstadt auf dem fremden Planeten und das Alien-Raumschiff selbst. Ansonsten finde ich durchaus, dass die meisten Teile der Alien-Saga zwar gut sein mögen, aber durchaus nicht unbedingt einen Spitzenplatz im jeweiligen Kinojahr bei mir belegt haben. Auch bei dem neuen Film gibt es Mängel, schwächere SchauspielerInnen, Nachlässigkeiten im Drehbuch, Fragen nach der Sinnhaftigkeit der ganzen Alien-Geschichte im Allgemeinen, zu deren Erhellung die einzelnen Teile eben nicht viel beitragen.

Dass Menschen ohne einen ausreichend dichten Schutzanzug, d.h. mit blanker Haut, einen fremden Planeten betreten, halte ich beispielsweise in der gezeigten Art und Weise nicht mehr für passend in einem modernen SF-Film. Da hätte man dann viel umfassender auf vorangegangene Besuche oder Mikroben-Untersuchungen etc. eingehen müssen, um dies plausibel zu machen.

Von den gelesenen Kritiken gefiel mir noch am besten diejenige des faz-Autors. U.a. ist hier zu lesen: „Böse ist ein Geschöpf, das denken und phantasieren kann, also selbst schöpferisch, ja: künstlerisch begabt ist, sich aber weigert, eine andere Wertskala anzuerkennen als die der Effizienz beim Töten und Überleben.

Simon Aboud's Film Der wunderbare Garten der Bella Brown entführt uns wieder mal in die romantisch-schrullige Welt einer „Amelie“. Als Angestellte einer kleinen Bücherei und Möchtegern-Schriftstellerin führt Bella ein zurückgezogenes Leben. Sie wohnt zur Miete, hat ein zugehöriges Innenhof-Gartengrundstück, doch kein besonderes Interesse an Gärtnerei und Angst vor den Pflanzen – mit dem Ergebnis, dass der Garten völlig verwildert ist.

Das wiederum empört ihren Vermieter, der einen städtischen Angestellten auf sie ansetzt und eine Monatsfrist zum Aufräumen des Gartens erwirkt. Wegen häufigen Zuspätkommens bekommt sie zusätzlich Stress in der Bücherei und ihre zarte Beziehung zu einem Kunden dort droht in Liebeskummer umzukippen, als das erste Date platzt. Doch der Koch, den sie dem grantigen alten Vermieter abgeworben hat, steht ihr zur Seite.

Alles wird gut. Lieblich-süsslich wird diese Geschichte erzählt. Dennoch kein schlechter Film, vielmehr ein gelungenes Stadt-Märchen.

Kino-zeit textet: „Die Zweifel beiseitegeschoben, kann man genießen, was wunderbar ist am Film: Das Märchenhafte und der Fokus auf das Schöne in der Welt. Und wenn es nur die Blumen in Großaufnahme und die Geschichte um das Gärtnern sein mögen.

Matti Geschonneck's Film In Zeiten des abnehmenden Lichts erzählt vom 90. Geburtstag eines hochdekorierten und etwas alzheimergeschädigten Alt-Stalinisten (gespielt von Bruno Ganz) in Ost-Berlin 1989. Anläßlich dieses Ereignisses kommen natürlich die näheren Verwandten, aber auch Funktionäre der Partei, Delegationen von Kombinaten oder sein Hausarzt zu der altehrwürdigen Villa, wo der Mann mit seiner Frau und der Haushälterin wohnt.

Das Fest wird zum Desaster, noch bevor das Bankett eröffnet wird, weil die heile Welt im Familienclan gestört ist und der Nazi-Bankett-Tisch mit den ganzen Speisen drauf vorher zusammenbricht.

Als Westler, der allerdings die damals herrschenden Verhältnisse in der DDR und in den privilegierten Haushalten nicht persönlich erlebt hat, empfand ich das gezeigte Milieu ganz gut getroffen. Auch überzeugen die SchauspielerInnen in ihren Rollen.

Soweit kritisiert wurde, dass die Romanvorlage (2011) von Eugen Ruge viel umfassender ist und sich weder räumlich noch zeitlich so eingegrenzt mit fast nur einem Geburtstags-Tag beschäftigt, mag das stimmen, ist aber nicht Gegenstand dieser Filmkritik, da ich das Buch nicht kenne.

In der zeit hat der Autor die Entscheidung, nur einen Tag zu verfilmen, für durchaus klug gehalten: „So wurde das Buch zum dankbaren Material, nicht zur knechtischen Vorlage. Es gibt nicht so viele Filme, die den Osten mit seiner Steifheit, Verträumtheit, seinen Hoffnungen, seiner Sauffreude und leisem Humor glaubwürdig abgebildet haben. Dieser gehört definitiv dazu“. Dieser Sichtweise kann ich mich durchaus anschließen, aber Menschen, die vorher das Buch gelesen haben, können wohl durchaus enttäuscht werden.


Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Alien: Covenant: ja, vielleicht.
Der wunderbare Garten der Bella Brown: ja, vielleicht.
In Zeiten des abnehmenden Lichts: ja, vielleicht.

Montag, 5. Juni 2017

Im Kino – Jahrhundertfrauen und andere Filme

Hmm, für den Film „Jahrhundertfrauen“ musste ich zweimal die Kinosäle aufsuchen – innerhalb von 5 Tagen, eine echte Meisterleistung! Ich analysierte den ersten Besuch, las noch mal zwei Filmkritiken und kam zu dem Ergebnis, den Film nicht gesehen zu haben. Nachwirkungen der Fingeroperation, es war sehr heiß im Kinosaal (Weisshaus), der Film hatte deutsche Untertitel, und es wird sehr viel gesprochen – alles Faktoren, die zusammen kamen. Beim zweiten Besuch kam mir in der Tat nicht viel bekannt vor – so drei Minuten vielleicht. Niemand hat sich beschwert, allzu laut schnarchte ich wohl nicht im Kinosaal.

Mike Mills' Film Jahrhundertfrauen erzählt jedenfalls von einem Teenager, dem im kalifornischen Santa Barbara im Jahr 1979 beigebracht werden soll, ein gut erzogener Mann zu werden. Seine alleinerziehende Mutter guckt dafür die beiden Mitbewohner im Haus (alt-Hippie und Punk-Lady) und das von kleinauf ihm bekannte Mädchen aus gemeinsamen Kindertagen aus. So wird viel philosophiert über Erziehung, geredet über Sex und Rockmusik, Clubs werden besucht, Erfahrungen gemacht.

Insgesamt ein atmosphärisch sehr gelungener Film mit einer sehr überzeugenden Annette Bening als Mutter. Vergleichsweise muss ich sagen, waren meine Eltern noch mehr überfordert und verbal eher sprachlos.

Ein vollgestopfter Film, der vor Ideen nur so sprudelt, der aber geerdet wird von seinem durchweg tollen Cast und sich seine Pointen fast alle verdient“, meint critic.

In J.A. Bayona's Film Sieben Minuten nach Mitternacht nach einem Roman des amerikanischen Schriftstellers Patrick Ness geht es – ungewöhnlich für einen Fantasy-Film - überwiegend um Verlustängste und Trauerarbeit. Einem Jungen erscheint in mehreren Nächten sieben Minuten nach Mitternacht ein Baummonster, um ihn auf den nicht mehr fernen Tod seiner krebskranken, meist bettlägerigen Mutter vorzubereiten und mehrere Geschichten erzählt.

Die Kirche stürzt ein, der Friedhof bricht in den Untergrund, die alte Eibe zersplittert und gebiert das hausgroße Monster, das auf das Haus des Jungen zuschreitet – eine visuell toll umgesetzte Traumsequenz. Die Filmstory selbst ist dann aus meiner Sicht aber reichlich konventionell ohne weitere erzählerische und filmische Höhepunkte (wahrscheinlich habe ich mir mehr Phantastik erhofft).

Dennoch hat der Film ganz überwiegend positive Kritiken bekommen. „Psychologisch wunderbar aufgebaut, großartig gespielt, visuell überwältigend, bewegend, wenn nicht erschütternd, er regt zum Nachdenken an und verarbeitet das Thema Trauer und Schmerz auf eindrückliche Weise“, resümiert z.B. kultumea.

Lars Montag's Film Einsamkeit und Sex und Mitleid nach einem Roman von Helmut Krausser bezeichne ich mal als „bizarr“. Der Film springt in der Handlung – nur locker verknüpft - zwischen verschiedenen protagonistischen Gruppen hin und her, und ob es hier überhaupt „normale“ Szenen bzw. Handlungsabläufe oder Problemlösungsstrategien gibt, kann hinterfragt werden. Tendenziell wirken alle ProtagonistInnen ziemlich gestört.

Visuell wird man dadurch ganz gut unterhalten. An Seele und Story weist der Film jedoch Mängel auf.

Die faz beschreibt es so: Der Film „schiebt seine Figuren wie Schaufensterpuppen hin und her und wundert sich darüber, dass sie nicht von selbst weiterlaufen“.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Jahrhundertfrauen: ja, vielleicht.
Sieben Minuten nach Mitternacht: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Einsamkeit und Sex und Mitleid: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Sonntag, 21. Mai 2017

Im Kino – Verleugnung und andere Filme

Mick Jackson's Film Verleugnung erzählt von einem Gerichtsprozess, in dem es darum ging, ob es den Holocaust und speziell die gezielte Vergasung von Menschen in Ausschwitz gegeben hat und welche Beweise es wirklich dafür gibt. Ein britischer Holocaust-Leugner (gespielt von Timothy Spall), selbst Autor diverser Werke, verklagt eine amerikanische Buchautorin (Rachel Weisz) wegen Verleumdung, weil sie ersteren als Lügner bezeichnet hat. Der Prozess findet in England statt, weil dort die Beklagte die Beweise vorbringen muss und nicht der Kläger.

Dieser Film interessierte mich schon deshalb, weil Polen mein Urlaubsziel war. [Allerdings scheiterte der Ausschwitz-Besuch, weil es keine Eintrittskarten mehr gab, als ich am Lager ankam].

Gerichtsprozesse sind manchmal sowieso schon interessant, weil die Denkweise von Juristen oft aus meiner Sicht gänzlich anders ist als die von nicht juristisch geschulten Normalbürgern. Und es ist deshalb auch interessant, dass die Anwälte der Lady keinesfalls Zeitzeugen hinzuziehen wollten.

Schauspielerisch fand ich den Film ziemlich überzeugend.

Der Irving-Lipstadt-Prozess verteidigte die Meinungsfreiheit gegen ihren Missbrauch durch Hetze und Faktenfälschung – und entlarvte einen Neonazi, der sich, wie so viele Lügner, als Querdenker missverstand,“ konstatiert mehrfilm.

Olivier Jahan's Film Die Schlösser aus Sand erzählt von einem Ex-Pärchen. Als der Vater der Frau stirbt, bittet sie ihren Ex-Freund mit in die Bretagne zu kommen, um dort den Hausstand aufzulösen und das Haus am Meer zu verkaufen. Sie engagiert zu diesem Zweck eine Immobilien-Maklerin. Während sie das Haus räumen und fit machen, verarbeitet die Frau (in Rückblenden) den Tod ihres Vaters und beiden versuchen, auch ihre gescheiterte Beziehung zu verarbeiten. Dabei kommen sie sich wieder näher.

Angenehm entspannter Film, aber auch nicht mehr. Mich störten die Analysen aus dem OFF. Quotenmeter konstatiert: „Dieses auf den ersten Blick so unscheinbare, französische Meisterwerk erzählt unter Zuhilfenahme wahrhaftiger Charaktere von den herzzerreißenden Stationen einer bitteren Liebe“.

Amma Asante's Historiendrama A United Kingdom beginnt in London, wo sich kurz nach Ende des 2. Weltkrieges eine Büroangestellte (Ruth Williams Khama) und ein Schwarzer kennen und lieben lernen. Doch ein Heirat zwischen weiss und schwarz wird nicht gern gesehen – auch nicht in Afrika, wo der Mann König seines Landes werden soll, das unter dem „Schutz“ der Briten steht. Sie heiraten trotzdem – und dann fliegen sie nach Betschuanaland, wo die Probleme erst anfangen, da die „Stammesregierung“ von der weissen Königin überzeugt werden muss und die Briten ihre kolonialistischen Intrigen planen.

Kinozeit meint, dass „das Ergebnis ein stilvoller, couragierter, eindringlich gespielter Film“ ist, aber ich selbst empfand den Film als eher konventionell inszeniertes Geschichtsdrama. Immerhin kann man sich ungefähr vorstellen, welche Verhältnisse die Frau in Betschuanaland angetroffen hat (viel zivilisiert-städtisches Leben gab es da damals nicht).

Das wirklich Besondere ist aber weniger der Film, sondern sind mehr die realen Fakten wie der Umstand, dass die beiden damals wirklich geheiratet haben, ihre Ehe gegen alle Widerstände und - bis auf eine mehrjährige intrigenbedingte Verbannung – bis zu ihrem Lebensende im heutigen Botswana durchgezogen haben.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Die Schlösser aus Sand: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Verleugnung: tendenziell eher unwahrscheinlich.
United Kingdom: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Mittwoch, 12. April 2017

Im Kino – Ghost in the Shell und andere Filme

Rupert Sanders' Film Ghost in the Shell ist stilistisch ein typischer Cyber-Punk-Streifen. Das verwundert auch weiter nicht, stammt doch das Original-Manga aus dem Jahr 1989.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine junge Frau (Scarlett Johansson), genauer gesagt ein Cyborg, ein menschliches Gehirn in mechanisch konstruiertem sehr leistungsfähigen Frauenkörper. Sie wird gegen Cyber-Kriminelle eingesetzt, die ihrer Firma zusetzen.

Doch nach und nach wird ihr klar, dass ihre Erinnerungen gefälscht sind und die Gegner möglicherweise ihre Freunde sind, während die Firma eine falsche Spiel inszeniert hat.

Der Film kommt in hervorragendem Look daher, vielleicht etwas zu bombastisch. Die Szenerien sind exquisit, zumal sie zum Teil im nebulösen Cyberspace spielen. Gewalttätige Auseinandersetzungen sind zahlreich.

Wenn der Film dennoch keine sehr guten Kritiken einsammeln konnte, liegt es vor allem daran, dass dem Original-Manga deutlich mehr Tiefgang attestiert wird, während dieser „Film, der wunderbare Schauwerte hat und viel Action mitbringt, ... letztendlich doch nur auf Thriller und Actionelemente reduziert wird“, so kino-zeit.

Daniél Espinosa's Film Life ist hingegen ein typischen Raumschiff-Science-Fiction. Innen 6 Leute Besatzung, die einen Satelliten bergen kann, der mit Bodenproben vom Mars zurück kommt. Sie finden Leben in der Probe. Das Wesen wächst, entwickelt langsam eine tintenfisch-ähnliche Gestalt.Und dann kann es entkommen und macht fortan Jagd auf die Besatzung.

Der atmosphärisch ziemlich düster-bedrohliche Film kann „Alien“ nicht verleugnen, kommt aber gänzlich ohne gigersche Requisiten und Artefakte aus. Das macht ihn deshalb vielleicht aber auch visuell weniger spektakulär, zumal das „Raumschiff“ ISS auch nicht so spannend ist – nur eine realistische Raumschiff-Gegenwart eben.

Auch bei diesem Film war die Kritik etwas verhalten. Es gibt eben nicht viel Neues. Dass draußen Ungeheuer lauern, wissen wir doch schon längst.

Das Blut spritzt, die Knochen brechen, es wird am laufenden Band geflucht. Alles in allem stimmt die Mischung“, meint warp.robots-and-dragons.

Christian Zübert's Film Lommbock als Fortsetzung des mir nicht bekannten Films „Lammbock“ (2001) handelt von zwei alten Freunden (Lucas Gregorowicz, Moritz Bleibtreu), die sich mal in Würzburg wieder sehen und vorzugsweise ihre freie Zeit mit guten Joints und Herumquatschen verbringen wollen. Der eine Typ arbeitet in Dubai und steht kurz vor der Heirat, der andere in Würzburg steht eher kurz vor der Scheidung, und dessen Sohn macht auch noch Ärger, weil er ebenfalls mit Haschisch dealt und keinen Bock auf Praktikum und Abitur hat.

Das ist kurzweilig anzusehen, aber typisch deutsch ohne glaubwürdige Story und Tiefgang inszeniert; dennoch sind mir die beiden Hautdarsteller schon durchaus sympathisch. Die schwaebische bemerkt zurecht wohlwollend, dass „die malerische Universitätsstadt am Main als Filmkulisse weniger bekanntes Terrain“ sei.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Ghost in the Shell: ja, vielleicht.
Life: ist nicht gänzlich auszuschließen.
Lommbock: tendenziell eher nicht.

Sonntag, 2. April 2017

Im Kino – Wilde Maus und andere Filme

Österreich hat als Filmland einen ähnlich schräg-kauzigen Ruf wie Island oder Finnland. Josef Hader's Film Wilde Maus ist so eine Sorte Film.

Erzählt wird von einem Musikredakteur (Josef Hader) in Wien, der nach über 20 Jahren seinen Job bei der Zeitung verliert („Ihre Leser sind längst tot“, meint der Geschäftsführer). Gleichzeitig setzt ihn seit geraume Zeit auch seine Frau (Pia Hierzegger) im Bett unter Druck, zumal sie ein Kind will.

Der Musikkritiker dreht mental durch, verheimlicht seiner Frau die Kündigung, geht weiter angeblich zur Arbeit und kommt auch spät abends erst heim, da er spontan mit finanzieller Beteiligung ins Achterbahngeschäft auf der Kirmes eingestiegen ist. Gleichzeitig verfolgt seine subversiven Rachephantasien gegenüber seinem Ex-Chef, demoliert das Auto, nimmt Schußwaffenunterricht, verfolgt ihn bis in den Urlaub.

Der Film ist recht amüsant, mit kauzig-anarchistischen Szenen und ironisch gefärbten üblen Wahrheiten.

Dem Genre der Tragikomödie verpflichtet, das so gut wie kein anderes zum österreichischen Humor passt, glänzt „Wilde Maus“ dort, wo der Sprachartist Hader das politische korrekte Geschwätz und die hohlen Rituale der homo- und metrosexuellen Großstädter aufspießt“, meint die faz.

Aki Kaurismäki's Filme gehören bekanntlich ebenfalls zu der verschrobenen Sorte. In Die andere Seite der Hoffnung erzählt er von einem syrischen Flüchtling, der es bis nach Finnland schafft, jedoch in den bürokratischen Mühlen scheitert und als Flüchtling kein Bleiberecht erhält. Er türmt kurz vor der Abschiebung und wird später von einem älteren Herrn an den Müllbehältern seines Restaurants gefunden, das er kurz zuvor spontan gekauft hat, nachdem er seine Frau verlassen hat und seinen Hemden-Vertreterjob an den Nagel hängte.

Der Syrer wird kurzerhand eingestellt und komplettiert so das verschroben wirkende Personal des Restaurants, in dem schon mal als Fischgericht eine akkurat geöffnete Ölsardinendose mit zwei Kartoffeln und einem Salatblatt serviert wird. Natürlich beschwert sich der Kunde nicht, alles normal in Finnland. Da das Restaurant dennoch nicht so richtig laufen will, wird mehrmals Ausrichtung und Name geändert, während der Syrer nebenbei seine verschollene Schwester sucht und Probleme mit deppischen Rechten bekommt.

Insgesamt ein gemütlich-netter Film, aber wahrscheinlich nicht sein bester.

Wider alle Wahrscheinlichkeit helfen sich die Menschen in Kaurismäkis Welt, ohne auf den eigenen Vorteil zu achten“, konstatiert choices.

Marie-Castille Mention-Schaar's Film Der Himmel wird warten erzählt von jungen Mädchen in Frankreich, die vom IS angeworben wurden und – in Rückblenden - von der Kontaktanbahnung, den psychischen Auswirkungen sowie der Aufarbeitung der Geschehnisse unter Mitwirkung der Eltern und psychologisch geschulten Personals.

Es erinnerte mich an Fälle aus den 1970er Jahren, in denen Eltern versuchten, ihre Kinder aus den Fängen irgendwelcher religiöser Sekten zu befreien.

Der Unterschied ist, dass die Kontaktaufnahme und die Gehirnwäsche heute anscheinend zunächst per Handy, Chat und Videos erfolgen und dies mitunter ganz gut zu funktionieren scheint (obwohl man es selbst kaum zu glauben vermag). Allerdings nehme ich ganz stark an, dass es vor allem Kinder mit Migrations- und islamischen Hintergrund sind, die anfällig wurden.

Das ist zum Glück ein französischer Film, wodurch aus meiner Sicht mehr Authenzität und Einfühlungsvermögen garantiert wurden. Es ist interessant, sich die Geschichte mal anzusehen, aber nochmals muss das wohl nicht sein.

Glaubwürdig gespielt und empathisch inszeniert, will [der Film] vor allem Verständnis und Verstehen vermitteln“, konstatiert kino-zeit. Letzteres hat mich auch ins Kino gelockt, aber wie soll man schon verstehen, wenn Leute in der heutigen Zeit an den Himmel, Gott und ähnlichem Unfug glauben und auch noch bereit sind, sich und andere in die Luft zu sprengen?

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Wilde Maus: ja, vielleicht.
Die andere Seite der Hoffnung: ist nicht gänzlich auszuschliessen.
Der Himmel wird warten: ist nicht gänzlich auszuschliessen.

Dienstag, 21. März 2017

Im Kino – T2 Trainspotting und andere Filme

Die folgenden, hier präsentierten Filmwelten führen uns in ganz unterschiedliche Gegenden, die von England bis nach Frankreich, Deutschland und Chile reichen. Auch spielen sie zu ganz unterschiedlichen Zeiten.

Bedauerlicherweise ist es schon wieder 10 Jahre her, dass ich zuletzt "Trainspotting" (1996) gesehen habe, und ich schaffte es nicht, mir den Film noch einmal vor der Fortsetzung anzusehen.

Danny Boyle's Fortsetzung T2 Trainspotting spielt – logisch – etwa 20 Jahre später. Die Protagonisten von Teil 1 haben sich zum Teil gezwungenermaßen auseinander gelebt, aber nun treffen sie sich wieder und führen Verschiedenes im Schilde, u.a. die Kollegen umzulegen oder mit EU-Geldern ein altes Gebäude zu restaurieren und als Bordell zu betreiben.

Gelernt haben sie nicht viel inzwischen, vielmehr sind sie offensichtlich dieselben schräg-chaotischen Typen mit einem gewissen Hang zu Drogenexzessen und Gewalttätigkeiten. Außerdem erzählen sie sich mitunter Geschichten von früher (aus Teil 1).

Es gibt etliche boshaft-witzige Szenen im Film. „Eine würdige Fortsetzung des Klassikers von 1996“, meint der spiegel, eine Einschätzung, die ich durchaus teilen kann.

Raoul Peck's Film Der junge Karl Marx ist durchaus eindrucksvoll in Szene gesetzt, zeigt er doch anschaulich Bilder aus der industriellen Revolution mit Fabriken voller Menschen und Armut auf den Straßen drum herum. Er erzählt von der Bekanntschaft von Karl Marx mit Friedrich Engels und von ihren beiden starken Frauen an ihrer Seite, von Zwängen des Einen (Engels als Fabrikantensohn), Geldnot des Anderen (Marx) und vielen heftigen politischen Debatten im Klima der Unterdrückung.

Wahrscheinlich ist der Film etwas zu pittoresk in Szene gesetzt, gleichwohl wichtig, sind wir doch schon lange wieder auf dem Weg ins Lumpenproletariat, wo massenhaft Leute Zeit ihres Lebens keine Chance mehr haben, aus dem Elend heraus zu kommen.

Das Historiendrama erzählt ... aufgeweckt und pointiert von Europa am Beginn der Industriellen Revolution, als Arbeit ausgebeutet, Protest bestraft, Kritik zensiert und Politik mit unverbindlicher Rhetorik und fernab der Lebensrealität bestritten wurde“, meint choices. Die meisten großen Zeitschriften hierzulande waren allerdings gar nicht begeistert vom Film, einen Film über berühmte böse Kommunisten müssen sie wohl einfach zerreissen.

Pablo Larraín, nach „Jackie“ bereits mit seinem zweitem Film in diesem Jahr im Kino, erzählt in Neruda von dem im Jahr 1948/49 in Chile wegen kommunistischer Aktivitäten in Ungnade gefallenen, sich zunächst bei Freunden versteckenden und dann über die Anden nach Argentinien fliehenden Ex-Senator und Dichter Pablo Neruda. Der Film, zum Teil erzählt aus Sicht eines ihn verfolgenden Polizisten, der vielleicht nur eine erfundene Romanfigur ist, plätschert so einigermaßen gefällig dahin.

Punkten kann der Film gegen Ende mit tollen Bildern von Araukarien im Schnee des andinen Hochgebirges – kurz bevor ich nahe dran war, im Kino einzuschlafen. Aber immerhin, man hat mal was von Neruda gehört.

Vielmehr reizt er [der Regisseur] die gezeigten Wider­sprüche des privi­le­gierten Kommu­nisten, der für die einfachen Leute eintritt und sogar im Unter­grund, anders als die einfachen Partei­mit­glieder, den Luxus, Pomp und Glamour des großbür­ger­liche Milieus genießen kann, für ein schil­lerndes Vexier­spiel der Kontraste aus“, meint artechock.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

T2 Trainspotting: ja, das ist wohl anzunehmen.
Der junge Karl Marx: ja, vielleicht.
Neruda: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Dienstag, 7. März 2017

Im Kino – The Salesman und andere Filme

 photo BB0636-Salesman_zpsirmltamv.jpg

Asghar Farhadi's Film The Salesman spielt in Teheran und erzählt von Ehrgefühlen und Rache. Ein junges Paar zieht in eine neue Wohnung ein, die ihr von einem Bekannten kurzfristig vermittelt wurde. Kurz darauf wird die Frau in der Wohnung überfallen, als sie unter der Dusche steht. Ihre Schreierei zwingt den Eindringling zu einer überstürzten Flucht. Er vergißt dabei die Autoschlüssel in der Wohnung. Bald stellt sich heraus, dass die Vormieterin eine Prostituierte war und wahrscheinlich ein Freier in die Wohnung kam.

Während die Frau nun Angst hat, alleine in der Wohnung zu sein, findet der Ehemann das Fahrzeug, einen kleinen Lieferwagen und kann über Beziehungen den Fahrzeughalter ermitteln. Dies ist ein verheirateter älterer Mann. Der Ehemann überführt ihn als Täter, weil dieser sich eine Verletzung zugezogen hatte. Sein Ziel ist es nun, die Familie des Täters mit den Taten des Mannes zu konfrontieren. Die Situation eskaliert.

Farhadi hat in den letzten Jahren schon einige Filme abgeliefert, die hierzulande ins Kino kamen, darunter das emotional ähnlich intensive Scheidungsdrama „Nader und Simin“ (2011). Die Filme sind schauspielerisch überzeugend und vermitteln insoweit auch einen guten Eindruck aus dem Alltagsleben im Iran. Allerdings ist auch „The Salesman“ wieder weitgehend ein Kammerspiel mit relativ wenigen Außenaufnahmen.

Ständig ist man involviert im Konflikt, sowohl zwischen Rana und Emat (den Eheleuten), als auch in den, der in ihnen tobt und ständig nach dem richtigen Weg zwischen Vergeltung, Hass, Vergessen und Vergeben sucht“, meint filmexe.

 photo BB0635-Lion_zps1hfqszic.jpg

Garth Davis' Film Lion - Der lange Weg nach Hause nach einer literarischen Vorlage von Saroo Brierley erzählt von einem indischen Jungen, der 1986 in einem Zug verloren geht, Tage später in Calcutta ankommt, sich dort zunächst mühsam durchschlägt, in ein Waisenhaus kommt und – da er seinen Heimatort nicht benennen kann und jede Suche ergebnislos bleibt - dort zur Adoption freigegeben wird. Er kommt zunächst nach Tasmanien, wächst dort bei liebenden neuen Eltern weiter auf und geht dann zum Studieren nach Melbourne, lernt auch ein schönes Mädchen dort kennen.

Seine Vergangenheit lässt ihn jedoch nicht los, und später recherchiert er jahrelang mittels Google Earth nach dem Bahnhof und seinem Herkunftsort. Schließlich findet er ihn, besucht ihn auch und kann zumindest seine Mutter noch finden.

Es gibt eine ganze Reihe beachtlicher Indien-Eindrücke insbesondere im ersten Drittel des Films, vor allem auch aus Calcutta. Die Geschichte selbst ist aber insbesondere in der zweiten Hälfte des Films zu sehr amerikanisch und zu melodramatisch in Szene gesetzt. Darunter leidet dann auch die Authenzität.

Der Film „besitzt viele Elemente eines typischen Oscar-Filmes, doch fühlt sich das Endergebnis weit weniger manipulativ an, als man annehmen könnte“, meint outnow.

 photo BB0637-Silence_zps6iffj1wa.jpg

Martin Scorsese' Film Silence nach einem 1966 erschienenen Roman von Shûsaku Endô beleuchtet ein zumindest mir bisher gänzlich unbekanntes Kapitel der Geschichte, nämlich die Christenverfolgung in Japan im 17. Jahrhundert. Die oft von Jesuiten bekehrten Christen wurden damals brutal verfolgt und zumeist durch Kreuzigung, Köpfen oder Verbrennen hingerichtet, wenn sie nicht öffentlich ihrem Glauben abschworen und christliche Symbole schändeten.

Der Regisseur findet ansprechende Bilder, um die damaligen Verhältnisse und die oft nebelverhangene Landschaft auf Japans südlicher Insel Kyūshū (gedreht wurde aber meist in Taiwan) zu zeigen. Nur leider ist es aus meiner Sicht auch nicht das erste Mal, dass er vergißt, den Figuren und der Handlung mehr Leben einzuhauchen. Bei einem über drei Stunden langen Film wiegt der Vorwurf schwer.

Aber vielleicht nerven mich auch generell religiöse Fanatiker jeder Schattierung und Glaubensrichtung.

Ziemlich harter Tobak, der an der ein oder anderen Stelle ruhig etwas zackiger voran gehen könnte“, meint filmverliebt.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

The Salesman: ja, vielleicht.
Lion: ist nicht ganz auszuschliessen.
Silence: tendenziell wahrscheinlich eher nicht.

Gefangen in Köln 2.0

Ein Blog. Wenig über Knast Sex und Autos mehr über Köln Film Musik Bücher Net und Wanderungen

Kommunikation

Biergarten
Ja, das war nicht so ernst gemeint. Es handelt sich...
Treibgut - Di, 15. Aug, 21:12
Wanderung
Hallo Dieter, du bist östlich meiner Route entlang...
Treibgut - Di, 15. Aug, 20:59
schöne Wanderung
Schöne Wanderung. War noch nie so richtig in dieser...
Dieter.Wimmers - Di, 15. Aug, 15:47
mit der bezeichnung biergarten...
mit der bezeichnung biergarten wird viel schindluder...
bonanzaMARGOT - Di, 15. Aug, 05:49
Zeltplatz
... so was fällt mir nie auf; aber es gibt eine...
Treibgut - Do, 3. Aug, 22:55
ah, ein zeltplatz in...
ah, ein zeltplatz in der nähe... sowas fällt...
bonanzaMARGOT - Do, 3. Aug, 05:50
Drucker
... kommt drauf an, was man will. Wenn man Farbfotos...
Treibgut - So, 30. Jul, 11:43
habe mich auch mit einem...
habe mich auch mit einem schwarzweiß laserdrucker...
bonanzaMARGOT - So, 30. Jul, 10:25

DATENSCHUTZ

CONTACT

Der Verfasser dieses Blogs ist über folgende E-Mail-Adresse zu erreichen:

treibgut_2005[ät]gmx.de

[ät] wurde als Spam-Schutz eingesetzt und ist durch das entsprechende, eine E-Mail-Adresse kennzeichnende Tastaturzeichen @ zu ersetzen.

Translate ...

FILME


Der Stern von Indien


Dunkirk


Der Ornithologe


Der Wein und der Wind


Die göttliche Ordnung


Choices (Kulturzeitschrift)


Meine glueckliche Familie


Die Erfindung der Wahrheit


Sommerfest


Innen Leben


Die Verführten


Born To Be Blue

Lesestoff


Zülfü Livaneli
Schwarze Liebe, Schwarzes Meer


Sylvain Neuvel
Giants - Sie sind erwacht


GPM-Thema: Europa


WWFM-Titel: Kein schöner Land


Vikas Swarup
Rupien! Rupien!


Sahar Delijani
Kinder des Jacarandabaums


Adriaan Van Dis
Nathan Sid


Banana Yoshimoto
Ihre Nacht


Mohammed Hanif
Eine Kiste explodierender Mangos

Music


Faust
Fresh Air


Guru Guru


Paolo Fresu, Richard Galliano & Jan Lundgren
Mare Nostrum II


Frank Woeste
Pocket Rhapsody


Pixel
Reminder


Nenia C'Alladhan

Suche im Weblog

 

Status

Online seit 4273 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Mi, 23. Aug, 10:47


Counter eingerichtet am 21.12.2005:

Ob man wohl rausgehen kann?

Archiv

August 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 9 
12
15
16
17
18
20
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB


About
At Home
Bücher
Cologne (In the City)
Digital World
Filme
Lamentation Column
Memories of ...
Other Places
Pflanzen und Tiere
Reisen
Sounds
Talk of the Day
Wanderungen
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren