Filme

Samstag, 11. November 2017

Im Kino – Sommerhäuser und andere Filme

Sonja Maria Kröner's Film Sommerhäuser erzählt von einer Familie, die Mitte der 1970er Jahre anläßlich des Todes einer Oma in einem großen Garten zusammenkommt.

Viele Enkelkinder sind auch dabei. Der Garten mit seinen uralten Bäumen, Baumhäusern und Wildnis-Gebieten hat seine Geheimnisse und birgt Gefahren.

Der Film nimmt mal die Persektive der Kinder, mal die der Erwachsenen ein.

Auch wenn die Zusammenkünfte im Garten Konflikte offenbaren, zumal zu entscheiden ist, was nun weiter mit dem Haus und dem Garten geschehen soll, ist es Verdienst der Regisseurin, aus dem Film keine Soap gemacht zu haben. Das natürliche Spiel der DarstellerInnen erinnert vielmehr an einen französischen Film.

Ein stimmiges Familienporträt, eine Choreografie des Kleinkriegs zwischen Geschwistern, Tanten und Schwägerinnen, den ein finaler Schlag abrupt beendet“, meint epd-film.

Tomas Alfredson's Film Schneemann nach einem Roman von Jo Nesbø spielt an diversen norwegischen Orten, die Schauplätze eines Serienmörders sind, der Schneemänner vor/nach der Tat dort gebaut hat. Der Film kommt relativ nüchtern inszeniert daher, wie in Watte gebauscht, und die Psyche des Serienkillers ist doch wohl etwas eindimensional.

Als hätte jemand versucht, die vermeintliche Erfolgsformel skandinavischer Thriller – Winter plus gewaltvolle Morde plus viele Handlungsstränge plus kaputte Hauptfigur – abzuspulen, dabei aber übersehen, dass sich ein guter Film nicht berechnen lässt“, meint kino-zeit. Ja, das ist ganz treffend geurteilt.

Aisling Walsh's Film Maudie erzählt vom Leben der Folk-Art-Künstlerin Maud Lewis, von einer Frau mit rheumatischen Arthritis-Problemen, der in einem kanadischen Küstenort der 1930er Jahre spielt. Von der Bevormundung ihrer Verwandten hat sie bald die Nase voll, zieht aus und als erstbesten Job nimmt sie den einer Haushaltshilfe bei einem mürrischen, analphabetischen und egozentrischen Trödler, Krämer und Fischhändler (Ethan Hawke) an, dessen Haus etwas abgelegen liegt.

Der Mann ist zunächst keineswegs begeistert von ihr und ihrem „malerischen Tun“, weil sie doch im Haus arbeiten soll und achtet zunächst seine Hunde und Hühner mehr.

Aber die Frau (Sally Hawkins) setzt sich durch, und später sieht er ein, dass die naive Malerei, mit der sie gelegentlich auch das Haus „verschandelt“, zusätzliches oder gar mehr Geld einbringt, als seine Arbeit. Sie raufen sich zusammen.

Ein einfühlsamer Film, der vor allem von seinen Hauptdarstellerin lebt. Critic stellt fest: „Eigentlich leben sie einen ziemlich gegenwärtigen Traum vom unabhängigen Mini-Unternehmen, das aus wenig viel macht“.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Sommerhäuser: ja, vielleicht.
Schneemann: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Maudie: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Im Kino – What Happened To Monday? und andere Filme

57 Jahre nach der Einführung der Antibabypille und nachdem diese Erfindung im Weltmaßstab völlig unzureichend erfolgreich war (die Bevölkerung stieg von 3,0 auf 7,8 Md. Menschen seither), schaffte es der norwegische Regisseur Tommy Wirkola mit seinem in naher Zukunft angesiedelten und z.T. in Bukarest gedrehten SF-Film What Happened To Monday? mal wieder, das vergessene Thema „Überbevölkerung“ in einem dystopischen Science Fiction anzugehen.

Natürlich, denn niemand traut heute der menschlichen Vernunft der großen Masse der Wähler oder gar dem auf hemmungsloses ewiges Wachstum ausgerichtetem kapitalistischen System, um dieses Problem zu lösen, ist es eine Diktatur, die sich dem Thema annimmt und die Ein-Kind-Politik verkündet. Die dennoch überschüssig geborenen Kinder und Personen sollen zwangseingefroren werden.

Der Film zeigt die Menschenmassen in einer Mega-Metropole und den Überwachungsstaat, der an „1984“ erinnert. Überall Identitätsscanner. Er handelt von Siebenlingen, die der Vater (Willem Dafoe) dem Staat verheimlicht und in der Wohnung heimlich groß zieht. Die Mädchen erhalten die Namen Monday bis Sunday und lernen als eine einzige Person aufzutreten, von der jede einmal die Woche Ausgang hat. Die Lektionen, die der Vater erteilt, können brutal sein, doch ca. 25 Jahre lang geht das gut.

Eines Tages fliegen die jungen Frauen (Noomi Rapace) dennoch auf, als Monday verschwindet und müssen fortan um ihr Leben kämpfen. Sie finden zudem heraus, dass die gefangen gesetzten Personen keineswegs eingefroren, sondern einer Verbrennungskammer zugeführt werden.

Insgesamt ein interessanter, kurzweiliger Film. Qualitative Abstriche wegen zu viel Brutalität und Action in der zweiten Hälfte des Films sind aus meiner Sicht dennoch zu machen.

Und am Ende schreien die Babys in einer Geburtsstation so schrill und so laut, dass die Konsequenz des Weiter-so sich akustisch auf überwältigende Weise präsent macht. Es ist eben wirklich einfach zum Heulen“, meint die faz. Wohl wahr.

Ruben Östlund's Film The Square, angesiedelt in Schwedens Hauptstadt Stockholm, demontiert unsere westliche Gesellschaft. Der Film handelt von einem Museumsdirektor, dem der Kunstbetrieb und sein Privatleben langsam aber sicher aus dem Ruder laufen. Immer spektakulärere Auftritte des Museums sind notwendig, um bei Mäzenen, Presse und Publikum Aufmerksamkeit generieren zu können. Ein Kunstwerk namens „The Square“ spielt dabei eine wichtige Rolle.

Und dann kommt dem Kunstdirektor auch noch bei einer sonderbaren Aktion in der Fußgängerzone sein Portemonnaie abhanden, dass er aber am Computer orten kann. Und die BettlerInnen wollen auch jeden Tag Geld.

Folgt man der zeit, geht es dem Regisseur darum zu zeigen, „wie sich unser Verantwortungsgefühl im öffentlichen Raum verändert“.

Der überlange Film kommt kurzweilig ganz gut über die Runden und das liegt nicht nur an der aus dem Trailer hinlänglich bekannten Gorilla-Szene. In Cannes errang der Film die Goldene Palme.

Denis Villeneuve nimmt sich in seinem Film Blade Runner 2049 mit Ridley Scott's Meisterwerk „Blade Runner“ (1982) einen kultigen Film zur Vorlage seiner düster-dystopischen Zukunftsversion. Die Filme wiederum basieren wiederum auf den Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ (1968) des US-amerikanischen Schriftstellers Philip K. Dick. Ich kenne den Roman nicht, wie ich überhaupt nur relativ wenig von dem Autor kenne. Die Bücher sind alt, und ich traue der Übersetzungsqualität nicht so recht, außerdem muss man mit Kürzungen im Romantext rechnen - daran liegt es wohl.

Erzählt wird im Film von einem Blade Runner, einem Jäger, der Jagd auf nahezu menschliche Androiden macht. Die Stadt, zyklopisch groß, ausfransend in Ruinen und Ödland. Bewohnt erscheint die Stadt im Film kaum, es gibt auch kaum Verkehr. In den Ruinen leben jedoch Menschen.

Und ist die Neuverfilmung nun besser? Ich habe Zweifel, allerdings ist es um die 10 Jahre her, dass ich zuletzt meine Blade-Runner-DVD sah. Zu denken gibt mir aber, dass die 163 min. lange Neuverfilmung sich gefühlsmäßig lang hinzog, es gibt auch viele lange Einstellungen, und erst in der letzten halben Stunde gewinnt der Film wirklich an Fahrt.

Visuell gibt es so Einiges zu sehen. Ruinenfelder, Mülltransporter. Der Blade Runner hat eine digitale Freundin, nach seinen Wünschen gestaltet, die durch seine Wohnung schreitet. In einer schönen Szene synchronisiert sie sich mit einer echten Frau, um attraktiver zu werden.

Wer Projektion, Android oder echter Mensch ist, bleibt etwas verschwommen. Das ist aber nicht schlecht, denn Auseinandersetzungen mit der Frage nach dem Wesen der Realität, sind ein Kernanliegen in Dick's Romanen gewesen.

Mehrfilm meint, „nur selten gelingt es der Fortsetzung von Villeneuve, trotz einer generell bedrückenden Atmosphäre, die melancholische und einsame Stimmung von „Blade Runner“ ... einzufangen“. Das trifft es ganz gut.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

What Happened To Monday?: ja, vielleicht.
The Square: ja, vielleicht.
Blade Runner 2049: tendenziell nicht ganz ausgeschlossen.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Im Kino – The Wailing und andere Filme

Na Hong-jin's Film The Wailing – Die Besessenen spielt in einem kleineren Ort in den Bergen Süd-Koreas. Zwei mäßig talentierte Polizisten, die gewöhnlich nur mit kleineren Fällen zu tun haben, sind völlig überfordert, als Leute anfangen durchzudrehen, ein zombieartiges Verhalten zeigen und ihre Familienmitglieder ermorden.

Man bringt die Situation sehr bald mit einem Japaner in Zusammenhang, der nahebei in den Bergen in einem schwer zugänglichen Haus wohnt. Man findet dort seltsame kultige Gegenstände und Photos von den Toten, kann den Japaner aber nicht dingfest machen.

Weitere Morde geschehen, auch die kleine Tochter des einen Polizisten zeigt seltsames Verhalten und Anzeichen von Besessenheit. Ein Schamane wird engagiert, um Schlimmeres abzuwenden. Es kommt zu exorzistischen Ritualen mit Tieropfern etc. Auch der Japaner, versteckt in einer Höhle, bemüht Beschwörungen und Rituale. Der Showdown ist blutig.

Der Film besticht durch überzeugende Schauspieler (Koreaner mit schreckgeweiteten Augen machen sich ganz gut), eigentümliche Dialoge und eine fremdartig-düstere Atmosphäre, wozu mitunter auch die heftigen Gewitter mit strömenden Regen beitragen. Die Schauplätze sind „eine Schlachtplatte“ (wie man sie z.B. aus „Sieben“ kennt), Gewaltexzesse sieht man dagegen kaum im Film.

Einer der besten Horrorfilme Koreas, da er mit seiner verstörenden Atmosphäre einen durchgängig gruseligen Unterton beibehält“, meint asianmovieweb.

Michael Haneke erzählt in seinem überwiegend in Calais spielenden Familiendrama Happy End von einer Bauunternehmerin (Isabelle Huppert) und ihrem Familienclan. Ein Mädchen kommt in dieses große Haus am Meer, nachdem ihre geschiedene Mutter mal wieder einen Freitodversuch gestartet hatte. Glücklich ist sie in dieser fremden Stadt nicht und startet ebenfalls einen Freitodversuch – mit den Tabletten ihrer Mutter, deren Wirksamkeit sie vorher am Hamster getestet hat.

Auch der greise, mit Alzheimer kämpfende Senior der Familie ist wiederholten Freitodversuchen nicht abgeneigt.

Der Regisseur „seziert mit fast schon brutaler Präzision die Lebenslügen der großbürgerlichen Bourgeoisie und blickt mit manchmal beinahe voyeuristischem Interesse hinter die polierten Fassaden der Wohlanständigkeit“, sagt kino-zeit.

Viel Neues bzw. Besonderes erzählt der bei deutschen Filmkritikern beliebte Regisseur nach meiner Meinung allerdings nicht in seinem tendenziell eher unterkühlt wirkendem Drama.

Andrés Muschietti's Horrorfilm Es nach einem berühmten Roman von Stephen King aus dem Jahr 1986 (ein dicker Wälzer von weit über 1.000 Seiten, den ich nie gelesen habe), spielt in einer biederen US-amerikanischen Kleinstadt, in der – nicht ungewöhnlich für Stephen King – das Grauen unter der Fassade der angeblich gutbürgerlichen Einwohnerschaft lauert. Eine Clique Kinder weiss, dass etwas nicht stimmt, denn der kleine Bruder eines Jungen verschwand vor Jahren spurlos.

Und eine Recherche eines anderen Jungen ergab, dass merkwürdig viele Personen in der Stadt verschwunden sind – und zwar meist Kinder, gehäuft in unregelmäßigen Abständen von mehreren Jahrzehnten.

Die Jungen und das eine Mädchen der Clique, die auch mit Mobbing, Gewalt und verständnislosen Eltern zu tun haben, recherchieren weiter. Sie haben bisweilen gräßliche Visionen (die im Film gezeigt werden) und stoßen bald auf das alte, verrammelte Brunnenhaus in der Stadt, wo die gesamte Kanalisation zusammenläuft. Und es soll sich erweisen, dass dort tatsächlich das Böse haust.

Der Film beginnt mit einer exzellenten Eingangssequenz, in der gezeigt wird, wie der verschwundene jüngere Bruder des einen Jungen von einem Clown-artigen Wesen in die Rinnstein-Kanalisation gezogen wird (und nur die Katze ist Zeuge dieses Geschehens). Auch das Brunnenhaus überzeugt als unheimlicher Schauplatz.

Wenn der Film mir dennoch insgesamt nicht wirklich zugesagt hat, so liegt das an der speziellen Mischung aus Kinder- und Horrorfilm mit unsäglichen Problemthemen wie Mobbing und Kindesmißbrauch sowie tumben Eltern. Es ist aber wahrscheinlich, dass dies auch spezielle Themen des Romans sind.

Die Kinder als SchauspielerInnen sind nicht schlecht, jedoch sollte man nicht zu viel von den Dialogen erwarten. Ansonsten hat der Film relativ brutale Szenen, kommt aber zu einem passablen Ende, wenn man bedenkt, dass noch ein zweiter Teil kommen wird.

Die Kritiken zum Film sind überwiegend ganz gut, so meint der musikexpress, es sei „eine der besten Verfilmungen seiner Bücher“.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

The Wailing – Die Besessenen: ja, vielleicht.
Happy End: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Es: möglicherweise.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Im Kino – Die Nile Hilton Affäre und andere Filme

In Tarik Saleh's Kairo-Polizeidrama Die Nile Hilton Affäre muss ein Polizist im Offiziersrang, der auch nur durch Beziehungen an seinen Job gekommen ist, erkennen, wie korrupt und verkommen das ganze System ist. Als eine bekannte Sängerin in einem renommierten Hotel ermordet wird, wird er zwar zunächst mit Ermittlungen beauftragt, doch diese werden schnell eingestellt und der (absurde) Selbstmord der Frau festgestellt. Doch der Polizist hat eine Spur und ermittelt weiter.

Es wird dann jedoch sehr bald gefährlich für ihn und alle anderen, die Zeugen des Mordes gewesen sein könnten.

Der Film ist sehr spannend gemacht, wirkt authentisch und führt durch ein düsteres, übervölkertes und schmutziges Kairo, in dem die Korruption und Vetternwirtschaft alle Schichten der Gesellschaft und insbesondere die Behörden und hier den Polizeiapparat bis unter die Kopfhaut erfasst hat. Das sieht man selten so plastisch im Kino. Unliebsame Personen und Zeugen werden im Zweifelsfall durch bezahlte Killer ausgeschaltet.

Die eigene Ohnmacht und Verstrickung in ein Unrechtssystem zu erkennen ist die bitterste Pille, die er [der Polizist] auf seiner Odyssee schlucken muss; eine Erkenntnis, die auch den Zuschauer mit Wucht trifft. So hart diese Lektion ist: Tarik Saleh vermittelt sie so spannend, dass man nicht wegsehen kann,“ kommentiert die stuttgarter-zeitung.

Von Emir Kusturica hatte ich schon seit knapp 20 Jahren keinen Film mehr im Kino gesehen. Sein neuer Film On The Milky Road ist wahrscheinlich ein typischer Kusturica-Film mit boshaft-bizarren Szenen. Es kommen ziemlich viel Tiere und viel karstige Landschaft im Film vor. Das macht den Film visuell schon mal ganz ansprechend. Ansonsten handelt der Film von einem Michmann, der – von Kusturica selbst gespielt - auf einem Esel durch die von Bürgerkriegswirren beeinträchtigte Gegend reitet.

Es kracht schon mal häufiger. Als das Dorf dann einem Massaker zum Opfer fällt, können der Milchmann und seine falsche Braut, die er einem Warlord abspenstig gemacht hat, zwar fliehen, aber als Zeugen des Geschehens werden sie verfolgt. Das finstere Spiel endet dann später in einer Schafherde, in der sie sich kriechend vor den marodierenden Soldaten verstecken. Das funktioniert zunächst ganz gut, doch die Schafherde läuft in ein Minenfeld.

Kurzweilig ist der Fim im Ergebnis schon, aber so richtig mitfühlen konnte ich mit den Figuren nicht, so dass ich annehme, dass der Film in der Ausarbeitung der Charaktere und in der Figurenzeichnung Schwächen aufweist. Cineman meint, dass „die Fans wohl die sonst so typische Balance zwischen Hysterie und Fantasie vermissen“ werden.

Jacques Doillon's Film Auguste Rodin widmet sich dem Schaffen und den Frauenbeziehungen des französischen Bildhauers, mit dem das Zeitalter der modernen Plastik und Skulptur begann. Der Film beginnt etwa 1885, kurz nachdem Rodin (gut gespielt von Vincent Lindon) seine Schülerin und baldige Geliebte Camille Claudel (Izïa Higelin) ins Atelier aufgenommen hatte. Über sie hat Bruno Nuytten 1988 schon einen Film gemacht.

10 Jahre dauerte ihre Beziehung, die auch im neuen Film, der fast nur in Ateliers spielt, eine zentrale Rolle spielt. Indes, der Künstler benötigt noch andere schöne Frauen, die ihm in allem möglichen Posen nackt Modell stehen.

Nach critic wird Rodin als „Schürzenjäger, dem alles zufliegt, der die Frauen benutzt und der zwar irgendwie schon nett, aber auch feige und ziellos erscheint“, dargestellt.

Nackte Frauen, Bildhauerei hin und her, alles hübsch anzusehen, der Film hat dennoch so seine etwas ermüdenden Längen.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Die Nile Hilton Affäre: ja, vielleicht.
On The Milky Road: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Auguste Rodin: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Donnerstag, 28. September 2017

Im Kino – Mr. Long und andere Filme

Der Film Mr. Long des japanischen Regisseurs Sabu ist einer von jener Sorte, in der die Spannbreite zwischen emotional berührenden Szenen und großer Brutalität und Tragik sehr groß ist. Erzählt wird von einem taiwanesischen Killer, der sich nach einem verpatzten Auftrag in Japan erheblich verletzt in eine verfallene Siedlung einer kleineren japanischen Stadt retten kann. Dort entdeckt ihn ein Junge, der ihm nach und nach Wasser, Medikamente und Verbandszeug und Sachen zum Essen bringt.

Doch das Gemüse ist roh und so sucht sich der Mann in einer der verlassenen Wohnungen eine Kochnische, um die Sachen aufzubereiten. Einige JapanerInnen entdecken seine Kochkünste und laden ihn ein. Später wird ihm eine schiebbare mobile Küche quasi aufgedrängt, mit der er zu geeigneten Orten in der Stadt aufbrechen kann, um Nudelessen zu kochen und zu verkaufen. Der Junge zieht mit ihm los und hilft in der Kleinküche.

Später hilft auch die Mutter des Jungen mit, aber zuvor muss er sie von ihrer Heroinsucht zwangsbefreien – logisch, auf die brutale Tour mit eiskaltem Bad und tagelanger Fesselung.

Sie beginnen eine zarte Beziehung, doch die Frau kommt bald zu Tode, als sie von ihrem Dealer entdeckt wird. Der Killer/Koch muss realisieren, dass auch er „entdeckt“ wurde von der mafiösen Bande, deren Chef er töten sollte. Sie zerstören seine mobile Küche und schlagen die NachbarInnen, die das verhindern wollen. Es kommt zu einem Showdown, eine japanische Italo-Western-Variante, die weitgehend mit Messern ausgetragen wird. Mit großen Augen schauen die NachbarInnen zu, wozu der Koch fähig ist.

Ein beeindruckender Film, der auch viel vom Leben und den Sitten in einer kleinen japanischen Stadt zeigt.

Mr. Long folgt einer aufgezwungenen, perfektionierten Routine, die keinen Raum lässt für Gefühle von Triumph oder Rache - nur für die Angst: die Angst, dass ein kleiner Junge sich den Schirm seiner Mütze hochgezogen und all diese Grausigkeiten mitangesehen haben könnte“, sagt der spiegel.

ldikó Enyedi's ungarischer, in mancher Hinsicht beeindruckender Film Körper und Seele spielt überwiegend auf einem Schlachthofgelände. Hier arbeiten auch Frauen. Eine davon, von grazil-zerbrechlicher Schönheit, ist neu eingestellt als Lebensmittelkontrolleurin. Ihr merkwürdig steifes, klinisch akkurates Auftreten, das sie auch zu Hause zelebriert, bringt sie bald in eine Außenseiterposition. Wenig später werden Potenzmittel (für die Stiere) aus dem Medikamentenschrank gestohlen und im dortigen Raum randaliert, meist sind es Schmierereien.

Die Polizei wird eingeschaltet und diese beauftragt mit Einverständnis des Chefs eine Psychologin, die die gesamte Belegschaft des Schlachthofs untersuchen soll. Diese ist attraktiv. Speziell die Schlachter, sowieso testosterongesteuert, sind irritiert von diesen beiden Frauen. Die Psychologin beginnt ganz cool die Einzelgespräche mit dem Personal, alle Gespräche werden mit Recorder aufgenommen. Auch der Chef, der sie anzüglich anguckt hatte, ist dran. Ihre erste Frage lautet: „Wann hatten Sie Ihren ersten Samenerguss?“. Er, wie auch alle anderen, versuchen erst einmal empört und verlegen drumherumzureden.

Später werden alle nach ihrem letzten Traum gefragt. Der Chef erzählt, er sei ein Hirsch gewesen und hätte gemacht, was Hirsche eben so machen im Wald. Der Film zeigt, was die Hirsche da machen. Die Lebensmittelkontrolleurin erzählt, sie sei eine Hirschkuh gewesen und inhaltlich ungefähr dasselbe wie der Mann. Die Psychologin ist erst irritiert, dann empört. Sie spielt später den beiden die aufgenommenen Protokolle vor.

Später kommen sich Chef und Lebensmittelkontrolleurin näher, wollen zu Hause auch „zusammen einschlafen“. Die Psychologin überführt den Täter.

Ein gelungener Film, man kann verstehen, dass er den Goldenen Bären in Berlin gewonnen hat. Aber, man muss Blut sehen können, sehr viel Blut – und nicht nur, wenn den Rindern im Schlachthof der Kopf vom Leib getrennt wird.

Die Regisseurin „erzählt in vielen Großaufnahmen, fängt im Detail ein, was den Alltag der Menschen bestimmt, aber auch das Besondere. Das sind nicht immer schöne Bilder, aber doch gute“, meint kino-zeit.

James Ponsoldt's Film The Circle erzählt als Anti-Utopie nach einem Bestseller-Roman von Dave Eggers von der nahen Zukunft der Social-Media-Welt, von einem Konzern, bei dessen Darstellung des Arbeitsumfeldes man an Google denkt, der aber noch größer ist und erreichen will, dass alle ihr ganzes Leben aufzeichnen und der Community zur Verfügung stellen - und immer möglichst auch nur für diese Community da sind.

Eine junge Frau (Emma Watson, die wohl jeder kennt), die gerade dort angefangen hat zu arbeiten, ist bei der Verwirklichung der Konzernziele ihr Versuchskaninchen, nachdem ihr Vater medizinische Hilfe vom Konzern erhalten hat. Kleine, murmelgroße Kameras, die getragen werden und auch überall vom Konzern platziert werden können, zeichnen die Aktivitäten auf – wie auch Armbänder sämtliche Körperdaten.

Sie zeichnet alles auf. Doch als die Eltern sich von der Tochter abwenden und bald auch einer ihrer Freunde ums Leben kommt, während er vor Kameras mit dem Auto zu flüchten versucht, wendet sich die junge Frau medienwirksam gegen den Konzern.

Filmtechnisch ist das alles ein bisschen naiv-geradlinig erzählt, aber die Botschaft, dass diese Internet-Transparenz Gefahren birgt und auch sozialen Druck auf jene ausüben kann, die sich ihr nicht bedienen, kommt an. Und die vermeintlich sagenhaften Arbeitsbedingungen in der Konzern-Welt werden auch visuell ansprechend in Szene gesetzt.

Ich hatte den Eindruck, dass der Film einige Jahre zu spät dran ist, um wirklich noch großen Erfolg zu haben, denn das, was dort als Zielsetzungen des Konzerns gezeigt wird, ist zumindest hierzulande durch Gesetze und Rechtssprechung mittlerweile quasi verboten worden. Zwar kann jeder seine eigenen Daten ins Netz stellen, aber wenn Bilder gezeigt werden von fremden Personen oder privaten Grundstücken kann es gefährlich für die eigene Geldbörse werden – egal, ob sie mit Kamera, Videorecorder oder Drohne gemacht wurden. Aber gut, Gesetze können natürlich auch wieder geändert werden.

Die faz fragt, ob der Film nicht etwas dunklere Töne verdient hätte und eine Filmsprache, in der ein Schrecken wohnt. Auch das kann man so sehen, muss es aber nicht.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Mr. Long: ja, wahrscheinlich.
Körper und Seele: ja, wahrscheinlich.
The Circle: das ist nicht gänzlich ausgeschlossen.

Sonntag, 17. September 2017

Filmkonserven: Filme von Michelangelo Antonioni

Der italienische Filmregisseur Michelangelo Antonioni starb bereits in 2007. Am aktivsten war er in den 1950er und -60er Jahren. Der Film „BlowUp“ gilt lt. wikipedia als sein bekanntester Film. Drei DVD's aus meinem Bestand habe ich schon vor 8 – 10 Jahren mal angeguckt.

In seinem Film Liebe 1962 (1962) gibt es schon etwas, was auch die späteren Filme haben: Ziellosigkeit. In diesem Fall ist es die Frau (Monica Vitti), die ziemlich planlos durchs Leben streift und sich fragt, ob sie sich – nachdem sie sich gerade von ihrem langweiligen Partner getrennt hat - wohl wieder verlieben sollte, z.B. in den Börsenmakler (Alain Delon). Den trifft sie öfter, da auch ihre Mutter der Spielsucht an der Börse nachgeht. Die hektischen Szenen von der Börse (und die urtümlichen Telefone) sind wohl das Interessanteste an dem ansonsten gemächlich-betulichen Film.

Deutlich interessanter ist aus meiner Sicht dann Die rote Wüste (1964). Monica Vitti spielt die gelangweilte, diesmal nach einem Unfall allerdings auch psychisch angeschlagene Ehefrau. Mal ist sie mit ihrem Mann, einem Ingenieur unterwegs, mal mit dessen Kollegen, aber am eindruckvollsten sind die Szenen, die in einer kleinen heruntergekommenen Fischerhütte spielen, wo sie zu sechst essen, trinken, kuscheln (3 Männer, 3 Frauen). Beeindrucken kann sowieso vor allem die industriell-apokalyptisch in Szene gesetzte Hafenkulisse mit ihrer Umweltverschmutzung, in der die meisten Szenen dieses Film spielen.

Ravenna war hier der Drehort. Über 50 Jahre später, wäre es heute bestimmt interessant, nach diesen Drehorten zu suchen (falls sich diese aus den Aufzeichnungen überhaupt rekonstruieren lassen). Der Film gewann damals den Goldenen Löwen in Venedig.

Sein Film BlowUp (1966) handelt von einem gut situierten Modereporter in London, der eines Tages in einem Park Aufnahmen von einem Liebespaar macht, aber von der Frau (Vanessa Redgrave) entdeckt wird und vehement um Herausgabe des Films gebeten wird. Er täuscht die Frau zunächst und gibt ihr eine falsche Filmrolle. Nach Entwicklung des Films schaut er sich die Bilder genauer an und entdeckt in Detail-Vergrößerungen ein Zielfernrohr und eine Leiche.

Nachts traut er sich in den Park und überzeugt sich davon, dass da eine Leiche liegt. Doch bevor er sich weiteren Schritten durchringen kann, verschwindet die Leiche und die Bilder werden bei einem Einbruch aus seinem Labor entwendet.

Das ist ein visuell schöner Film mit vielen alten Autos aus dem London der 1960er Jahre, altem Photographen-Handwerk, spannender Geschichte und netten Sixties-Mädels, die sich auch schon mal ausziehen mussten (um die Rolle zu bekommen). In Cannes gewann der Film den Grand Prix.

Sein Film Zabriskie Point (1970) spielt in Los Angeles und der weitläufigeren Umgebung. Anfangs fängt der Film sehr schön die Studentenunruhen und Debatten an der Uni ein. Einer der radikalen Studenten stiehlt ein kleines Flugzeug und fliegt über die Wüste Richtung Zabriskie Point, ein Aussichtspunkt im Death-Valley-Nationalpark. Unterwegs provoziert er mit seinem Flieger eine unten im Auto dahinfahrende junge Frau.

In der Erosionslandschaft des Zabriskie Point kommen sie sich näher, machen Liebe und rauchen einen Joint, malen das Flugzeug psychedelisch bunt an, bevor sie sich wieder trennen. Der Mann fliegt zurück zum Flugplatz und wird dort erschossen, die Frau fährt weiter zu einem Spekulanten-Treffen in einem noblen Wüstenressort, hört im Radio von seinem Tod und hat Hass-Visionen, in denen dieses noble Wüstenressort zu der Musik Pink Floyds explodiert.

Die ausgedehnten psychedelischen Liebesszenen am Zabriskie Point und von der Ressort-Zerstörung wirken heute überlang, vom Zeitgeist überholt und etwas sperrig im Filmfluss. Aber zumindest anfangs gibt es nette Stadtszenen aus Los Angeles 47 Jahre vor heute.

An den Film Beruf: Reporter (1975) konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, dabei ist er recht hübsch anzusehen – vor allem wegen seiner Spanien-Aufnahmen. Der Film beginnt allerdings im Tschad (diese Aufnahmen wurden in Algerien gedreht), wo ein Reporter (Jack Nicholson) einem dubiosen Wüstenkrieg auf der Spur ist und im Hotel einen Landsmann tot in seinem Zimmer auffindet. Er versucht daraufhin, dessen Identität anzunehmen. Hierzu dient ihm auch der hinterlassene Terminkalender, der diverse Termine in der Zukunft anzeigt.

Sozusagen als Waffenhändler kommt er mit dubiosen Leuten in München zusammen und erhält viel Geld. Er leiht ein Auto und macht sich auf nach Barcelona. Dort lernt er eine junge Frau (Maria Schneider) in einem Gaudí-Haus kennen, die ihm fortan nicht von der Seite weicht und ihm hilft, Verfolger abzuschütteln. Sie tingeln durch verschiedene Orte und Hotels gehobenen Ambientes, doch Agenten aus dem Tschad sind ihnen auf der Spur.

Das Leben wirkt angenehm relaxed in diesem Film, von durchgeplanter Zukunft keine Spur – ein Film, der mir ziemlich gut gefällt.

Sonntag, 10. September 2017

Im Kino – Western und andere Filme

Valeska Grisebach's Film Western spielt in den bulgarischen Bergen nahe der griechischen Grenze, eine Gegend, wo wohl kaum jemand bisher gewesen ist. Das ist schon mal lobenswert. Der Film handelt von einem deutschen Bauarbeiter-Trupp, der dort erste Arbeiten für ein Wasserkraftwerk machen soll. Doch die Arbeiten gehen nur schleppend voran, weil Materialien und Wasser fehlen. Viel Freizeit, man kommt in Kontakt mit den Einwohnern eines benachbarten Dorfes.

Es kommt zu Spannungen. Und wie es in machomäßig auftrumpfenden Bauarbeitertrupps so üblich zu sein scheint, gibt es auch unterschiedliche Einstellungen der Protagonisten und hieraus resultierende Spannungen untereinander.

Der Film ist eine Studie über „Kulturkontakt“, wie er zustande kommt, wie und warum Konflikte entstehen, was passiert oder passieren kann, wenn eine Gruppe Männer in eine abgelegene Gegend verpflanzt wird und in der Nähe ein Dorf mit Frauen, Läden etc. ist – und man sich nur sehr mühsam über Sprache verständigen kann. Und das sehr authentisch-glaubwürdig in einem EU-Fall zu schildern, ist der Regisseurin gut gelungen.

Wie eine zugeneigte Ethnologin erkundet Valeska Grisebach die Mischung aus Über- und Unterlegenheitsgefühlen: die deutsche Fremdenfeindlichkeit in der Fremde“, meint die zeit.

Nur zu einem „richtigen Ende“ wollte der Film wohl nicht kommen.

Juan Carlos Medina's Film The Limehouse Golem nach einem 1994 geschriebenen Roman von Peter Ackroyd kreist um ein Londoner Komiker-Theater gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Es gibt grausige Morde im Umfeld des Viertels. Ein Kommissar ermittelt, verfolgt Spuren, will eine Frau vor dem Galgen retten, deren toter Mann vielleicht der Serienkiller war.

Der Film punktet visuell mit sepia-düsteren Bildern, wirkte auf mich aber trotz mitunter blutigem Geschehens etwas spannungsarm und blutleer.

Eine Kriminalgeschichte, in die sich ein finsteres Grauen schleicht, das seine eigenen Geschichten erzählt, das aus all den Geschichten eines Ortes erst entstanden ist und das sich wie eine Schlinge um seine Figuren legt“, meint kino-zeit.

Calin Peter Netzer erzählt in Ana, Mon Amour ein in Bukarest spielendes Beziehungsdrama, das im StudentInnen-Milieu beginnt und Jahre später nach Familiengründung endet. Ana, die unter Angstattacken leidet, findet in dem jungen Mann einen Beschützer, der diese Rolle willig annimmt. Andere Medikamente und Psychoanalyse helfen der Frau mit der Zeit, doch mit deren zunehmender Unabhängigkeit wird der Mann dann nicht fertig, wird zunehmend paranoid und Überwachungsfreak - und muss sich schließlich ebenfalls einer Psychoanalyse unterziehen.

Zum Teil interessanter, etwas anstrengender Problem-Film mit „schrägen“ religiösen Bezügen. Bei der Beichte lässt man sich vom Priester beraten.

Ein komplexes Portrait einer ungesunden Liebesbeziehung“, meint uncut.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Western: ja, vielleicht.
The Limehouse Golem: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Ana, Mon Amour: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Donnerstag, 24. August 2017

Im Kino – Dunkirk und andere Filme

Christopher Nolan's Film Dunkirk ist mal wieder eine Geschichte aus dem 2. Weltkrieg, 1940 genau genommen, als die bösen Deutschen noch militärisch erfolgreich waren und britisch-französische Truppen in großer Zahl bei Dünkirchen einkesselten. Am breiten Strand warten die Soldaten auf die Evakuierung durch heimische Schiffe, von denen es (aus mir nicht so klaren Gründen) relativ wenige gibt. Ab und zu greifen Flieger oder auch U-Boote an, die einige Schiffe versenken.

Natürlich gibt es einige Protagonisten im Film, die entweder auch nach England wollen oder als Spitfire-Piloten am Himmel sich Luftkämpfe mit dem Gegener liefern. Nicht die Geschichte der Schlacht zu zeigen, sondern wie Einzelne sie erlebt haben, ist ein Pluspunkt des Films. Es erinnert vielleicht auch an Spielberg's „Soldaten James Ryan“.

Die ersten 85 – 90 % des Films sind souverän in Szene gesetzt, insbesondere mit Strand-Szenerien, Luftkämpfe und die Szenen auf und in den sinkenden Schiffen. Am Ende wird der Film dann jedoch zu pathetisch, insbesondere mit entsprechend kitschiger Musik. Mit der Meinung einiger Kritiker, hier werde politisch Stimmung für den Brexit gemacht, kann ich zwar nicht so viel anfangen, da es vielleicht doch eher die Kritiker sind, die den Film auf eine politische Ebene hieven, aber qualitative Abstriche am Film für die letzten 10 - 15 Minuten gibt es auch von mir, allein schon wegen der Musik.

Nur durch den Blick der Verlierer, der Nichthelden wird noch eine Ahnung von dem sichtbar, was in Dünkirchen und anderswo wirklich passierte“, meint die faz. Das stimmt, da steckt viel Wahrheit dahinter – und es ist sicher lobenswert, dass hier keine Superman-Heldengeschichte erzählt wird.

Christian Duguay's Film Ein Sack voll Murmeln nach einem autobiografischen Roman von Joseph Joffo (1973) ist ein weiterer Film, der überwiegend im 2. Weltkrieg spielt. Im Mittelpunkt steht hier eine jüdische Familie, die sich gezwungen sieht, Paris fluchtartig zu verlassen. Dabei werden die zwei jüngsten Söhne alleine auf den Fluchtweg nach Süd-Frankreich geschickt. Mit Bus, Zug und zu Fuß kämpfen sie sich durch, nicht ohne finstere Erlebnisse mit Hinrichtungen, Gefangenschaft etc. zu machen. Ihne wird aber auch geholfen.

Der Film enthält einige eindrucksvolle, manchmal auch brutale Szenen und ist schauspielerisch gut besetzt, vermeidet aber auch oft nicht einen zu nostalgisch wirkenden Touch, der bei Filmen, in denen Kinder eine Hautrolle spielen oft üblich ist. Cineman meint daher, dass der Film „weder die Erwartungshaltung an ein Kriegsdrama noch an einen Familienfilm erfüllen kann“.

Gurinder Chadha's Historiendrama Der Stern von Indien spielt 1947 und erzählt von der Teilung des Kolonialreiches Britisch-Indien, bei dem die Staaten Indien und Pakistan in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Bereits bevor England beschloss, Britisch-Indien aufzugeben und zu teilen, gab es Unruhen und Pogrome zwischen Hindus, Moslems etc., die wahrscheinlich über Jahrhunderte von den Engländern auch geschürt wurden, um ihre eigene Machtstellung zu erhalten – das funktioniert ja traditionell am besten, wenn die Bevölkerung uneins ist.

Im Film bestellt England einen neuen Vizekönig, der prunkvoll mit Frau und Tochter in den Palast in Delhi einzieht. Der Film erzählt von den Verhandlungen mit den indisch-pakistanischen Galleonsfiguren. Gleichzeitig wird die Geschichte zweier Bediensteter erzählt, er Hindu, sie Moslem-Frau und wie sie in die Geschichte und in die religiös motivierten Konflikte hineingezogen werden, die schliesslich auf weite Landesteile und bis in den Herrschersitz übergreifen.

Trotz mancher historischer Filmaufnahmen wirkt der Film nicht besonders authentisch und packend, in Inszenierung und schauspielerischer Leistung eher durchschnittlich. Wahrscheinlich passt es auch nicht zusammen, einerseits von den politischen Verhandlungen, andererseits von Schicksalen „kleiner Leute“ zu erzählen, ohne dass die Geschichte insgesamt mangels ausreichend Tiefgang oberflächlich bleibt.

Der Film möchte zu viel, überschwemmt mit Ereignissen und verliert dabei seine Figuren immer wieder aus dem Fokus“, konstatiert der filmaffe.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Dunkirk: möglich, aber tendenziell eher unwahrscheinlich.
Ein Sack voll Murmeln: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Der Stern von Indien: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Sonntag, 13. August 2017

Im Kino – Die göttliche Ordnung und andere Filme

Petra Volpe's Film Die göttliche Ordnung spielt in der Schweiz im Jahr 1971, als das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Ein Bergdorf steht im Mittelpunkt. Aus der Perspektive einer dort ansässigen Ehefrau und Mutter (Marie Leuenberger) wird geschildert, wie und warum sich diese Frau plötzlich aktiv für das Frauenwahlrecht einsetzt und welche Widerstände in den verbohrten Köpfen der Männer zu überwinden sind. Nebenbei geht es auch noch um die sexuelle Revolution.

Das ist ein toller Film, auch weil er zeigt, wie schwierig es ist und wieviel Mut es braucht, Traditionen zu brechen, die oft von den Frauen auch selbst gelebt werden und welche Mechanismen dazu führen, dass Traditionen in festgefügten Gemeinschaften immer weiter fortgeschrieben werden.

Die Geschichte bietet beste Unterhaltung, überzeugend besetzt bis hinein in die Nebenrollen und sehr gekonnt erzählt“, meint die nzz. Das sehe ich auch so.

Cédric Klapisch's Film Der Wein und der Wind spielt in der Weinanbau-Gegend Burgunds. Der Film handelt vom Wein, vom Wein kosten, aber auch von Rivalitäten zwischen Weinbauern und familiären Problemen und Wein-Ritualen. Drei Geschwister. Der Tod des Vaters naht, einer der Brüder kommt nach 10 Jahren rechtzeitig aus Australien zurück. Der Vater stirbt. Der Hof soll weiterlaufen, aber die Erbschaftssteuer ist hoch.

Uns es gibt noch ein Problem, denn der Mann aus Australien hat selbst Probleme, und das Erbe geht zu je einem Drittel an die Söhne und die Tochter. Der Mann hängt nicht mehr an dem Land, würde also gerne ausgezahlt werden, hängt aber an seiner Schwester.

Nun, sie raufen sich zusammen. So ist es doch ein weitgehend harmonisch-natürlicher Film. Hübsch anzusehen.

Entschleunigtes wie geerdetes Familiendrama“, meint kino-zeit.

João Pedro Rodrigues' Film Der Ornithologe spielt im Norden Portugals, wo ein Ornithologe in einem Nationalpark mit seinem Kajak einem Fluss folgt. An Stromschnellen kentert er, wird später bewußtlos von zwei chinesischen TouristInnen gefunden. Er erweist sich als Ungläubiger, dem die Frauen einen Schlaftrunk verpassen. Gefesselt an einen Baum wacht er auf, kann sich nachts jedoch befreien und davon machen. Aber die Pillen, die er nehmen muss, hat er verlegt. Später hat er noch andere sonderbare Begegnungen mit um ein Feuer tanzenden Gestalten oder mit berittenen barbusigen Amazonen.

Ich dachte mir schon, dass der Film etwas zäh werden könnte, aber Filme über sonderbare Reisen in die Wildnis interessieren mich prinzipiell schon – ich renne ja manchmal selbst in der Wildnis rum. Und dieser Film war dann doch kurzweiliger als erwartet, mit sonderbarem Sound, vielen Tieren wie Eulen und Adlern, zunehmend surrealen Zügen im Verlauf der Reise, verschrobenen sexuell-tabuisierten Kontexten. Die katholische Symbolik habe ich wahrscheinlich nicht verstanden, weil ich mich in dem Sektor nicht auskenne, macht aber auch nichts.

"Dieser Film ist Arthousekino, das die Sinne belebt und die Fantasie auf Reisen schickt", meint kritiken.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Die göttliche Ordnung: ja, wahrscheinlich.
Der Wein und der Wind: ja, vielleicht.
Der Ornithologe: tendenziell eher nicht.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Im Kino – Die Erfindung der Wahrheit und andere Filme

John Madden's Film Die Erfindung der Wahrheit erzählt von einer Profi-Lobbyistin (Jessica Chastain), die mit ihrem Team, das sie wie Schachfiguren leitet, für die Waffenindustrie arbeiten soll, aber kündigt, gleichzeitig den Großteil des Teams mit abwirbt und zur Gegenseite wechselt. Nach den ersten lobbyistischen Siegen der Frau, fängt die Waffenindustrie an, schmutzige Wäsche zu waschen und zerrt sie vor einen Untersuchungsausschuss.

Aber die Frau und ihr Team sind gut vorbereitet und verursachen einen pressewirksamen Skandal um die Waffenindustrie.

Super Rolle für Frau Chastain, sie kann beeindrucken. „Der Kontrast zwischen der zynischen Kälte ihrer Figur und der feinnervigen Sensibilität der Schauspielerin gibt diesem Film ein Charisma, das er eigentlich nicht verdient hat“, sagt die zeit. Mannomann, so gut texten, müsste man mal selbst hier können.

Der Film Meine glückliche Familie von Nana Ekvtimishvili & Simon Groß spielt in Georgiens Hauptstadt Tiflis/Tbilisi und handelt von einer Frau, die in beengten Verhältnissen zusammen mit ihren Eltern, ihren Kindern und dem Ehemann dort in einer Wohnung lebt. Im Laufe der Jahre hat sie davon dann allerdings die Nase voll, verkündet ausziehen zu wollen und setzt das um, um alleine in einem anderen Viertel in einem Plattenbau zu leben.

Unter georgischen Verhältnissen ist das ein Affront, aber die Kontakte mit ihrer Familie, die nix verstehen will und Angst hat, das Gesicht gegenüber den Nachbarn und Bekannten zu verlieren, reißen nicht ab. Man kommt sich wieder näher, aber die Frau beharrt standhaft darauf, auch zukünftig in jedem Fall alleine wohnen zu wollen.

Der Film gibt einen guten Einblick in georgische Familienverhältnisse und zeigt nebenbei auch schöne Bilder aus dieser interessanten, etwas marode wirkenden Stadt. Insgesamt ein guter Film, der etwas mit seinem abrupten Ende schwächelt.

Mit einer geradezu pädagogischen Geduld zeigt My Happy Family auf, wie bestimmte Rollenbilder vermittelt, aufgenommen, verinnerlicht, reproduziert oder gebrochen werden“, meint critic.

Sönke Wortmann's Film Sommerfest nach einem Roman von Frank Goosen erzählt von einem Theater-Schauspieler, der seit über 10 Jahren in München arbeitet und anlässlich des Todes seines Vaters zur Beerdigung nach Bochum zurück kehrt. Er trifft dort alte Bekannte und Liebschaften wieder. Der Film wirkte auf mich überwiegend nach Fernsehsoap, und die einzige tiefere Wahrheit, die ich mitzunehmen vermochte, ist wahrscheinlich der Sachverhalt, dass ein Fortzug zu Entfremdung von der Heimat führt.

Plausibel rüberbringen konnte der Film allerdings auch nicht, weshalb jemand zwecks Arbeitssuche nach München zieht und sich anscheinend niemals mehr in der Heimatstadt blicken liess.

Sommerloch für Cineasten“, titelt der filmaffe.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Meine glückliche Familie: ja, vielleicht.
Die Erfindung der Wahrheit: ja, vielleicht.
Sommerfest: tendenziell eher nicht.

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