Filme

Montag, 19. Juni 2017

Im Kino – Alien: Covenant und andere Filme

Ridley Scott's Film Alien: Covenant schreibt natürlich die Alien-Saga fort. Die Alien-Filme habe ich alle im Kino gesehen, was – soweit ich mich erinnere - bei keiner andere Serie der Fall ist, die es auf mehr als drei Kino-Teile gebracht hat. Die beiden „Alien vs. Predator“-Filme habe ich allerdings nicht dazu gezählt, die kenne ich auch gar nicht, weil sie relativ schlechte Kritiken bekamen. Es ist die düstere Weltraum-Szenerie, die mich anzieht und die letztlich bereits im 1. Teil (1979) den Ruhm von „Alien“ begründete; denn das war damals neu in dieser Form.

 photo BB0665-Alien_Covenant_zpsnjuo159e.jpg

Auch im neuen Alien-Film ist die düstere Weltraum-Szenerie das Nonplusultra für mich gewesen, insbesondere die Szenen der riesigen Ruinenstadt auf dem fremden Planeten und das Alien-Raumschiff selbst. Ansonsten finde ich durchaus, dass die meisten Teile der Alien-Saga zwar gut sein mögen, aber durchaus nicht unbedingt einen Spitzenplatz im jeweiligen Kinojahr bei mir belegt haben. Auch bei dem neuen Film gibt es Mängel, schwächere SchauspielerInnen, Nachlässigkeiten im Drehbuch, Fragen nach der Sinnhaftigkeit der ganzen Alien-Geschichte im Allgemeinen, zu deren Erhellung die einzelnen Teile eben nicht viel beitragen.

Dass Menschen ohne einen ausreichend dichten Schutzanzug, d.h. mit blanker Haut, einen fremden Planeten betreten, halte ich beispielsweise in der gezeigten Art und Weise nicht mehr für passend in einem modernen SF-Film. Da hätte man dann viel umfassender auf vorangegangene Besuche oder Mikroben-Untersuchungen etc. eingehen müssen, um dies plausibel zu machen.

Von den gelesenen Kritiken gefiel mir noch am besten diejenige des faz-Autors. U.a. ist hier zu lesen: „Böse ist ein Geschöpf, das denken und phantasieren kann, also selbst schöpferisch, ja: künstlerisch begabt ist, sich aber weigert, eine andere Wertskala anzuerkennen als die der Effizienz beim Töten und Überleben.

 photo BB0664-Wunderbare_Garten_zps3du7xlgq.jpg

Simon Aboud's Film Der wunderbare Garten der Bella Brown entführt uns wieder mal in die romantisch-schrullige Welt einer „Amelie“. Als Angestellte einer kleinen Bücherei und Möchtegern-Schriftstellerin führt Bella ein zurückgezogenes Leben. Sie wohnt zur Miete, hat ein zugehöriges Innenhof-Gartengrundstück, doch kein besonderes Interesse an Gärtnerei und Angst vor den Pflanzen – mit dem Ergebnis, dass der Garten völlig verwildert ist.

Das wiederum empört ihren Vermieter, der einen städtischen Angestellten auf sie ansetzt und eine Monatsfrist zum Aufräumen des Gartens erwirkt. Wegen häufigen Zuspätkommens bekommt sie zusätzlich Stress in der Bücherei und ihre zarte Beziehung zu einem Kunden dort droht in Liebeskummer umzukippen, als das erste Date platzt. Doch der Koch, den sie dem grantigen alten Vermieter abgeworben hat, steht ihr zur Seite.

Alles wird gut. Lieblich-süsslich wird diese Geschichte erzählt. Dennoch kein schlechter Film, vielmehr ein gelungenes Stadt-Märchen.

Kino-zeit textet: „Die Zweifel beiseitegeschoben, kann man genießen, was wunderbar ist am Film: Das Märchenhafte und der Fokus auf das Schöne in der Welt. Und wenn es nur die Blumen in Großaufnahme und die Geschichte um das Gärtnern sein mögen.

 photo BB0666-In_Zeiten_zpspeia85qe.jpg

Matti Geschonneck's Film In Zeiten des abnehmenden Lichts erzählt vom 90. Geburtstag eines hochdekorierten und etwas alzheimergeschädigten Alt-Stalinisten (gespielt von Bruno Ganz) in Ost-Berlin 1989. Anläßlich dieses Ereignisses kommen natürlich die näheren Verwandten, aber auch Funktionäre der Partei, Delegationen von Kombinaten oder sein Hausarzt zu der altehrwürdigen Villa, wo der Mann mit seiner Frau und der Haushälterin wohnt.

Das Fest wird zum Desaster, noch bevor das Bankett eröffnet wird, weil die heile Welt im Familienclan gestört ist und der Nazi-Bankett-Tisch mit den ganzen Speisen drauf vorher zusammenbricht.

Als Westler, der allerdings die damals herrschenden Verhältnisse in der DDR und in den privilegierten Haushalten nicht persönlich erlebt hat, empfand ich das gezeigte Milieu ganz gut getroffen. Auch überzeugen die SchauspielerInnen in ihren Rollen.

Soweit kritisiert wurde, dass die Romanvorlage (2011) von Eugen Ruge viel umfassender ist und sich weder räumlich noch zeitlich so eingegrenzt mit fast nur einem Geburtstags-Tag beschäftigt, mag das stimmen, ist aber nicht Gegenstand dieser Filmkritik, da ich das Buch nicht kenne.

In der zeit hat der Autor die Entscheidung, nur einen Tag zu verfilmen, für durchaus klug gehalten: „So wurde das Buch zum dankbaren Material, nicht zur knechtischen Vorlage. Es gibt nicht so viele Filme, die den Osten mit seiner Steifheit, Verträumtheit, seinen Hoffnungen, seiner Sauffreude und leisem Humor glaubwürdig abgebildet haben. Dieser gehört definitiv dazu“. Dieser Sichtweise kann ich mich durchaus anschließen, aber Menschen, die vorher das Buch gelesen haben, können wohl durchaus enttäuscht werden.


Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Alien: Covenant: ja, vielleicht.
Der wunderbare Garten der Bella Brown: ja, vielleicht.
In Zeiten des abnehmenden Lichts: ja, vielleicht.

Montag, 5. Juni 2017

Im Kino – Jahrhundertfrauen und andere Filme

Hmm, für den Film „Jahrhundertfrauen“ musste ich zweimal die Kinosäle aufsuchen – innerhalb von 5 Tagen, eine echte Meisterleistung! Ich analysierte den ersten Besuch, las noch mal zwei Filmkritiken und kam zu dem Ergebnis, den Film nicht gesehen zu haben. Nachwirkungen der Fingeroperation, es war sehr heiß im Kinosaal (Weisshaus), der Film hatte deutsche Untertitel, und es wird sehr viel gesprochen – alles Faktoren, die zusammen kamen. Beim zweiten Besuch kam mir in der Tat nicht viel bekannt vor – so drei Minuten vielleicht. Niemand hat sich beschwert, allzu laut schnarchte ich wohl nicht im Kinosaal.

 photo BB0660-Jahrhundertfrauen_zpsbjp56z0e.jpg

Mike Mills' Film Jahrhundertfrauen erzählt jedenfalls von einem Teenager, dem im kalifornischen Santa Barbara im Jahr 1979 beigebracht werden soll, ein gut erzogener Mann zu werden. Seine alleinerziehende Mutter guckt dafür die beiden Mitbewohner im Haus (alt-Hippie und Punk-Lady) und das von kleinauf ihm bekannte Mädchen aus gemeinsamen Kindertagen aus. So wird viel philosophiert über Erziehung, geredet über Sex und Rockmusik, Clubs werden besucht, Erfahrungen gemacht.

Insgesamt ein atmosphärisch sehr gelungener Film mit einer sehr überzeugenden Annette Bening als Mutter. Vergleichsweise muss ich sagen, waren meine Eltern noch mehr überfordert und verbal eher sprachlos.

Ein vollgestopfter Film, der vor Ideen nur so sprudelt, der aber geerdet wird von seinem durchweg tollen Cast und sich seine Pointen fast alle verdient“, meint critic.

 photo BB0661-Sieben_Minuten_zpsu2zq2shd.jpg

In J.A. Bayona's Film Sieben Minuten nach Mitternacht nach einem Roman des amerikanischen Schriftstellers Patrick Ness geht es – ungewöhnlich für einen Fantasy-Film - überwiegend um Verlustängste und Trauerarbeit. Einem Jungen erscheint in mehreren Nächten sieben Minuten nach Mitternacht ein Baummonster, um ihn auf den nicht mehr fernen Tod seiner krebskranken, meist bettlägerigen Mutter vorzubereiten und mehrere Geschichten erzählt.

Die Kirche stürzt ein, der Friedhof bricht in den Untergrund, die alte Eibe zersplittert und gebiert das hausgroße Monster, das auf das Haus des Jungen zuschreitet – eine visuell toll umgesetzte Traumsequenz. Die Filmstory selbst ist dann aus meiner Sicht aber reichlich konventionell ohne weitere erzählerische und filmische Höhepunkte (wahrscheinlich habe ich mir mehr Phantastik erhofft).

Dennoch hat der Film ganz überwiegend positive Kritiken bekommen. „Psychologisch wunderbar aufgebaut, großartig gespielt, visuell überwältigend, bewegend, wenn nicht erschütternd, er regt zum Nachdenken an und verarbeitet das Thema Trauer und Schmerz auf eindrückliche Weise“, resümiert z.B. kultumea.

 photo BB0659-Einsamkeit_und_Sex_zpsqc9nypxj.jpg

Lars Montag's Film Einsamkeit und Sex und Mitleid nach einem Roman von Helmut Krausser bezeichne ich mal als „bizarr“. Der Film springt in der Handlung – nur locker verknüpft - zwischen verschiedenen protagonistischen Gruppen hin und her, und ob es hier überhaupt „normale“ Szenen bzw. Handlungsabläufe oder Problemlösungsstrategien gibt, kann hinterfragt werden. Tendenziell wirken alle ProtagonistInnen ziemlich gestört.

Visuell wird man dadurch ganz gut unterhalten. An Seele und Story weist der Film jedoch Mängel auf.

Die faz beschreibt es so: Der Film „schiebt seine Figuren wie Schaufensterpuppen hin und her und wundert sich darüber, dass sie nicht von selbst weiterlaufen“.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Jahrhundertfrauen: ja, vielleicht.
Sieben Minuten nach Mitternacht: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Einsamkeit und Sex und Mitleid: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Sonntag, 21. Mai 2017

Im Kino – Verleugnung und andere Filme

 photo BB0657-Verleugnung_zpsgmqx53i3.jpg

Mick Jackson's Film Verleugnung erzählt von einem Gerichtsprozess, in dem es darum ging, ob es den Holocaust und speziell die gezielte Vergasung von Menschen in Ausschwitz gegeben hat und welche Beweise es wirklich dafür gibt. Ein britischer Holocaust-Leugner (gespielt von Timothy Spall), selbst Autor diverser Werke, verklagt eine amerikanische Buchautorin (Rachel Weisz) wegen Verleumdung, weil sie ersteren als Lügner bezeichnet hat. Der Prozess findet in England statt, weil dort die Beklagte die Beweise vorbringen muss und nicht der Kläger.

Dieser Film interessierte mich schon deshalb, weil Polen mein Urlaubsziel war. [Allerdings scheiterte der Ausschwitz-Besuch, weil es keine Eintrittskarten mehr gab, als ich am Lager ankam].

Gerichtsprozesse sind manchmal sowieso schon interessant, weil die Denkweise von Juristen oft aus meiner Sicht gänzlich anders ist als die von nicht juristisch geschulten Normalbürgern. Und es ist deshalb auch interessant, dass die Anwälte der Lady keinesfalls Zeitzeugen hinzuziehen wollten.

Schauspielerisch fand ich den Film ziemlich überzeugend.

Der Irving-Lipstadt-Prozess verteidigte die Meinungsfreiheit gegen ihren Missbrauch durch Hetze und Faktenfälschung – und entlarvte einen Neonazi, der sich, wie so viele Lügner, als Querdenker missverstand,“ konstatiert mehrfilm.

 photo BB0656-Schloesser_aus_Sand_zpsjubm8rlb.jpg

Olivier Jahan's Film Die Schlösser aus Sand erzählt von einem Ex-Pärchen. Als der Vater der Frau stirbt, bittet sie ihren Ex-Freund mit in die Bretagne zu kommen, um dort den Hausstand aufzulösen und das Haus am Meer zu verkaufen. Sie engagiert zu diesem Zweck eine Immobilien-Maklerin. Während sie das Haus räumen und fit machen, verarbeitet die Frau (in Rückblenden) den Tod ihres Vaters und beiden versuchen, auch ihre gescheiterte Beziehung zu verarbeiten. Dabei kommen sie sich wieder näher.

Angenehm entspannter Film, aber auch nicht mehr. Mich störten die Analysen aus dem OFF. Quotenmeter konstatiert: „Dieses auf den ersten Blick so unscheinbare, französische Meisterwerk erzählt unter Zuhilfenahme wahrhaftiger Charaktere von den herzzerreißenden Stationen einer bitteren Liebe“.

 photo BB0658-United_Kingdom_zpsih7d2txo.jpg

Amma Asante's Historiendrama A United Kingdom beginnt in London, wo sich kurz nach Ende des 2. Weltkrieges eine Büroangestellte (Ruth Williams Khama) und ein Schwarzer kennen und lieben lernen. Doch ein Heirat zwischen weiss und schwarz wird nicht gern gesehen – auch nicht in Afrika, wo der Mann König seines Landes werden soll, das unter dem „Schutz“ der Briten steht. Sie heiraten trotzdem – und dann fliegen sie nach Betschuanaland, wo die Probleme erst anfangen, da die „Stammesregierung“ von der weissen Königin überzeugt werden muss und die Briten ihre kolonialistischen Intrigen planen.

Kinozeit meint, dass „das Ergebnis ein stilvoller, couragierter, eindringlich gespielter Film“ ist, aber ich selbst empfand den Film als eher konventionell inszeniertes Geschichtsdrama. Immerhin kann man sich ungefähr vorstellen, welche Verhältnisse die Frau in Betschuanaland angetroffen hat (viel zivilisiert-städtisches Leben gab es da damals nicht).

Das wirklich Besondere ist aber weniger der Film, sondern sind mehr die realen Fakten wie der Umstand, dass die beiden damals wirklich geheiratet haben, ihre Ehe gegen alle Widerstände und - bis auf eine mehrjährige intrigenbedingte Verbannung – bis zu ihrem Lebensende im heutigen Botswana durchgezogen haben.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Die Schlösser aus Sand: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Verleugnung: tendenziell eher unwahrscheinlich.
United Kingdom: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Mittwoch, 12. April 2017

Im Kino – Ghost in the Shell und andere Filme

 photo BB0652-Ghost_in_the_Shell_zpsqruyvcuc.jpg

Rupert Sanders' Film Ghost in the Shell ist stilistisch ein typischer Cyber-Punk-Streifen. Das verwundert auch weiter nicht, stammt doch das Original-Manga aus dem Jahr 1989.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine junge Frau (Scarlett Johansson), genauer gesagt ein Cyborg, ein menschliches Gehirn in mechanisch konstruiertem sehr leistungsfähigen Frauenkörper. Sie wird gegen Cyber-Kriminelle eingesetzt, die ihrer Firma zusetzen.

Doch nach und nach wird ihr klar, dass ihre Erinnerungen gefälscht sind und die Gegner möglicherweise ihre Freunde sind, während die Firma eine falsche Spiel inszeniert hat.

Der Film kommt in hervorragendem Look daher, vielleicht etwas zu bombastisch. Die Szenerien sind exquisit, zumal sie zum Teil im nebulösen Cyberspace spielen. Gewalttätige Auseinandersetzungen sind zahlreich.

Wenn der Film dennoch keine sehr guten Kritiken einsammeln konnte, liegt es vor allem daran, dass dem Original-Manga deutlich mehr Tiefgang attestiert wird, während dieser „Film, der wunderbare Schauwerte hat und viel Action mitbringt, ... letztendlich doch nur auf Thriller und Actionelemente reduziert wird“, so kino-zeit.

 photo BB0653-Life_zpsdiwxl4zr.jpg

Daniél Espinosa's Film Life ist hingegen ein typischen Raumschiff-Science-Fiction. Innen 6 Leute Besatzung, die einen Satelliten bergen kann, der mit Bodenproben vom Mars zurück kommt. Sie finden Leben in der Probe. Das Wesen wächst, entwickelt langsam eine tintenfisch-ähnliche Gestalt.Und dann kann es entkommen und macht fortan Jagd auf die Besatzung.

Der atmosphärisch ziemlich düster-bedrohliche Film kann „Alien“ nicht verleugnen, kommt aber gänzlich ohne gigersche Requisiten und Artefakte aus. Das macht ihn deshalb vielleicht aber auch visuell weniger spektakulär, zumal das „Raumschiff“ ISS auch nicht so spannend ist – nur eine realistische Raumschiff-Gegenwart eben.

Auch bei diesem Film war die Kritik etwas verhalten. Es gibt eben nicht viel Neues. Dass draußen Ungeheuer lauern, wissen wir doch schon längst.

Das Blut spritzt, die Knochen brechen, es wird am laufenden Band geflucht. Alles in allem stimmt die Mischung“, meint warp.robots-and-dragons.

 photo BB0651-Lommbock_2017_zpsfburis57.jpg

Christian Zübert's Film Lommbock als Fortsetzung des mir nicht bekannten Films „Lammbock“ (2001) handelt von zwei alten Freunden (Lucas Gregorowicz, Moritz Bleibtreu), die sich mal in Würzburg wieder sehen und vorzugsweise ihre freie Zeit mit guten Joints und Herumquatschen verbringen wollen. Der eine Typ arbeitet in Dubai und steht kurz vor der Heirat, der andere in Würzburg steht eher kurz vor der Scheidung, und dessen Sohn macht auch noch Ärger, weil er ebenfalls mit Haschisch dealt und keinen Bock auf Praktikum und Abitur hat.

Das ist kurzweilig anzusehen, aber typisch deutsch ohne glaubwürdige Story und Tiefgang inszeniert; dennoch sind mir die beiden Hautdarsteller schon durchaus sympathisch. Die schwaebische bemerkt zurecht wohlwollend, dass „die malerische Universitätsstadt am Main als Filmkulisse weniger bekanntes Terrain“ sei.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Ghost in the Shell: ja, vielleicht.
Life: ist nicht gänzlich auszuschließen.
Lommbock: tendenziell eher nicht.

Sonntag, 2. April 2017

Im Kino – Wilde Maus und andere Filme

 photo BB0647-Wilde_Maus_zpspvyrvlzh.jpg

Österreich hat als Filmland einen ähnlich schräg-kauzigen Ruf wie Island oder Finnland. Josef Hader's Film Wilde Maus ist so eine Sorte Film.

Erzählt wird von einem Musikredakteur (Josef Hader) in Wien, der nach über 20 Jahren seinen Job bei der Zeitung verliert („Ihre Leser sind längst tot“, meint der Geschäftsführer). Gleichzeitig setzt ihn seit geraume Zeit auch seine Frau (Pia Hierzegger) im Bett unter Druck, zumal sie ein Kind will.

Der Musikkritiker dreht mental durch, verheimlicht seiner Frau die Kündigung, geht weiter angeblich zur Arbeit und kommt auch spät abends erst heim, da er spontan mit finanzieller Beteiligung ins Achterbahngeschäft auf der Kirmes eingestiegen ist. Gleichzeitig verfolgt seine subversiven Rachephantasien gegenüber seinem Ex-Chef, demoliert das Auto, nimmt Schußwaffenunterricht, verfolgt ihn bis in den Urlaub.

Der Film ist recht amüsant, mit kauzig-anarchistischen Szenen und ironisch gefärbten üblen Wahrheiten.

Dem Genre der Tragikomödie verpflichtet, das so gut wie kein anderes zum österreichischen Humor passt, glänzt „Wilde Maus“ dort, wo der Sprachartist Hader das politische korrekte Geschwätz und die hohlen Rituale der homo- und metrosexuellen Großstädter aufspießt“, meint die faz.

 photo BB0645-Andere_Seite_der_Hoffnung_zpslsaz0yxz.jpg

Aki Kaurismäki's Filme gehören bekanntlich ebenfalls zu der verschrobenen Sorte. In Die andere Seite der Hoffnung erzählt er von einem syrischen Flüchtling, der es bis nach Finnland schafft, jedoch in den bürokratischen Mühlen scheitert und als Flüchtling kein Bleiberecht erhält. Er türmt kurz vor der Abschiebung und wird später von einem älteren Herrn an den Müllbehältern seines Restaurants gefunden, das er kurz zuvor spontan gekauft hat, nachdem er seine Frau verlassen hat und seinen Hemden-Vertreterjob an den Nagel hängte.

Der Syrer wird kurzerhand eingestellt und komplettiert so das verschroben wirkende Personal des Restaurants, in dem schon mal als Fischgericht eine akkurat geöffnete Ölsardinendose mit zwei Kartoffeln und einem Salatblatt serviert wird. Natürlich beschwert sich der Kunde nicht, alles normal in Finnland. Da das Restaurant dennoch nicht so richtig laufen will, wird mehrmals Ausrichtung und Name geändert, während der Syrer nebenbei seine verschollene Schwester sucht und Probleme mit deppischen Rechten bekommt.

Insgesamt ein gemütlich-netter Film, aber wahrscheinlich nicht sein bester.

Wider alle Wahrscheinlichkeit helfen sich die Menschen in Kaurismäkis Welt, ohne auf den eigenen Vorteil zu achten“, konstatiert choices.

 photo BB0646-Himmel_wird_warten_zps90dvsnbv.jpg

Marie-Castille Mention-Schaar's Film Der Himmel wird warten erzählt von jungen Mädchen in Frankreich, die vom IS angeworben wurden und – in Rückblenden - von der Kontaktanbahnung, den psychischen Auswirkungen sowie der Aufarbeitung der Geschehnisse unter Mitwirkung der Eltern und psychologisch geschulten Personals.

Es erinnerte mich an Fälle aus den 1970er Jahren, in denen Eltern versuchten, ihre Kinder aus den Fängen irgendwelcher religiöser Sekten zu befreien.

Der Unterschied ist, dass die Kontaktaufnahme und die Gehirnwäsche heute anscheinend zunächst per Handy, Chat und Videos erfolgen und dies mitunter ganz gut zu funktionieren scheint (obwohl man es selbst kaum zu glauben vermag). Allerdings nehme ich ganz stark an, dass es vor allem Kinder mit Migrations- und islamischen Hintergrund sind, die anfällig wurden.

Das ist zum Glück ein französischer Film, wodurch aus meiner Sicht mehr Authenzität und Einfühlungsvermögen garantiert wurden. Es ist interessant, sich die Geschichte mal anzusehen, aber nochmals muss das wohl nicht sein.

Glaubwürdig gespielt und empathisch inszeniert, will [der Film] vor allem Verständnis und Verstehen vermitteln“, konstatiert kino-zeit. Letzteres hat mich auch ins Kino gelockt, aber wie soll man schon verstehen, wenn Leute in der heutigen Zeit an den Himmel, Gott und ähnlichem Unfug glauben und auch noch bereit sind, sich und andere in die Luft zu sprengen?

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Wilde Maus: ja, vielleicht.
Die andere Seite der Hoffnung: ist nicht gänzlich auszuschliessen.
Der Himmel wird warten: ist nicht gänzlich auszuschliessen.

Dienstag, 21. März 2017

Im Kino – T2 Trainspotting und andere Filme

Die folgenden, hier präsentierten Filmwelten führen uns in ganz unterschiedliche Gegenden, die von England bis nach Frankreich, Deutschland und Chile reichen. Auch spielen sie zu ganz unterschiedlichen Zeiten.

Bedauerlicherweise ist es schon wieder 10 Jahre her, dass ich zuletzt "Trainspotting" (1996) gesehen habe, und ich schaffte es nicht, mir den Film noch einmal vor der Fortsetzung anzusehen.

 photo BB0640-T2_Trainspotting_zpsuv9o4kx1.jpg

Danny Boyle's Fortsetzung T2 Trainspotting spielt – logisch – etwa 20 Jahre später. Die Protagonisten von Teil 1 haben sich zum Teil gezwungenermaßen auseinander gelebt, aber nun treffen sie sich wieder und führen Verschiedenes im Schilde, u.a. die Kollegen umzulegen oder mit EU-Geldern ein altes Gebäude zu restaurieren und als Bordell zu betreiben.

Gelernt haben sie nicht viel inzwischen, vielmehr sind sie offensichtlich dieselben schräg-chaotischen Typen mit einem gewissen Hang zu Drogenexzessen und Gewalttätigkeiten. Außerdem erzählen sie sich mitunter Geschichten von früher (aus Teil 1).

Es gibt etliche boshaft-witzige Szenen im Film. „Eine würdige Fortsetzung des Klassikers von 1996“, meint der spiegel, eine Einschätzung, die ich durchaus teilen kann.

 photo BB0641-Karl_Marx_zpsberin1xq.jpg

Raoul Peck's Film Der junge Karl Marx ist durchaus eindrucksvoll in Szene gesetzt, zeigt er doch anschaulich Bilder aus der industriellen Revolution mit Fabriken voller Menschen und Armut auf den Straßen drum herum. Er erzählt von der Bekanntschaft von Karl Marx mit Friedrich Engels und von ihren beiden starken Frauen an ihrer Seite, von Zwängen des Einen (Engels als Fabrikantensohn), Geldnot des Anderen (Marx) und vielen heftigen politischen Debatten im Klima der Unterdrückung.

Wahrscheinlich ist der Film etwas zu pittoresk in Szene gesetzt, gleichwohl wichtig, sind wir doch schon lange wieder auf dem Weg ins Lumpenproletariat, wo massenhaft Leute Zeit ihres Lebens keine Chance mehr haben, aus dem Elend heraus zu kommen.

Das Historiendrama erzählt ... aufgeweckt und pointiert von Europa am Beginn der Industriellen Revolution, als Arbeit ausgebeutet, Protest bestraft, Kritik zensiert und Politik mit unverbindlicher Rhetorik und fernab der Lebensrealität bestritten wurde“, meint choices. Die meisten großen Zeitschriften hierzulande waren allerdings gar nicht begeistert vom Film, einen Film über berühmte böse Kommunisten müssen sie wohl einfach zerreissen.

 photo BB0642-Neruda_zpsugee17zj.jpg

Pablo Larraín, nach „Jackie“ bereits mit seinem zweitem Film in diesem Jahr im Kino, erzählt in Neruda von dem im Jahr 1948/49 in Chile wegen kommunistischer Aktivitäten in Ungnade gefallenen, sich zunächst bei Freunden versteckenden und dann über die Anden nach Argentinien fliehenden Ex-Senator und Dichter Pablo Neruda. Der Film, zum Teil erzählt aus Sicht eines ihn verfolgenden Polizisten, der vielleicht nur eine erfundene Romanfigur ist, plätschert so einigermaßen gefällig dahin.

Punkten kann der Film gegen Ende mit tollen Bildern von Araukarien im Schnee des andinen Hochgebirges – kurz bevor ich nahe dran war, im Kino einzuschlafen. Aber immerhin, man hat mal was von Neruda gehört.

Vielmehr reizt er [der Regisseur] die gezeigten Wider­sprüche des privi­le­gierten Kommu­nisten, der für die einfachen Leute eintritt und sogar im Unter­grund, anders als die einfachen Partei­mit­glieder, den Luxus, Pomp und Glamour des großbür­ger­liche Milieus genießen kann, für ein schil­lerndes Vexier­spiel der Kontraste aus“, meint artechock.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

T2 Trainspotting: ja, das ist wohl anzunehmen.
Der junge Karl Marx: ja, vielleicht.
Neruda: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Dienstag, 7. März 2017

Im Kino – The Salesman und andere Filme

 photo BB0636-Salesman_zpsirmltamv.jpg

Asghar Farhadi's Film The Salesman spielt in Teheran und erzählt von Ehrgefühlen und Rache. Ein junges Paar zieht in eine neue Wohnung ein, die ihr von einem Bekannten kurzfristig vermittelt wurde. Kurz darauf wird die Frau in der Wohnung überfallen, als sie unter der Dusche steht. Ihre Schreierei zwingt den Eindringling zu einer überstürzten Flucht. Er vergißt dabei die Autoschlüssel in der Wohnung. Bald stellt sich heraus, dass die Vormieterin eine Prostituierte war und wahrscheinlich ein Freier in die Wohnung kam.

Während die Frau nun Angst hat, alleine in der Wohnung zu sein, findet der Ehemann das Fahrzeug, einen kleinen Lieferwagen und kann über Beziehungen den Fahrzeughalter ermitteln. Dies ist ein verheirateter älterer Mann. Der Ehemann überführt ihn als Täter, weil dieser sich eine Verletzung zugezogen hatte. Sein Ziel ist es nun, die Familie des Täters mit den Taten des Mannes zu konfrontieren. Die Situation eskaliert.

Farhadi hat in den letzten Jahren schon einige Filme abgeliefert, die hierzulande ins Kino kamen, darunter das emotional ähnlich intensive Scheidungsdrama „Nader und Simin“ (2011). Die Filme sind schauspielerisch überzeugend und vermitteln insoweit auch einen guten Eindruck aus dem Alltagsleben im Iran. Allerdings ist auch „The Salesman“ wieder weitgehend ein Kammerspiel mit relativ wenigen Außenaufnahmen.

Ständig ist man involviert im Konflikt, sowohl zwischen Rana und Emat (den Eheleuten), als auch in den, der in ihnen tobt und ständig nach dem richtigen Weg zwischen Vergeltung, Hass, Vergessen und Vergeben sucht“, meint filmexe.

 photo BB0635-Lion_zps1hfqszic.jpg

Garth Davis' Film Lion - Der lange Weg nach Hause nach einer literarischen Vorlage von Saroo Brierley erzählt von einem indischen Jungen, der 1986 in einem Zug verloren geht, Tage später in Calcutta ankommt, sich dort zunächst mühsam durchschlägt, in ein Waisenhaus kommt und – da er seinen Heimatort nicht benennen kann und jede Suche ergebnislos bleibt - dort zur Adoption freigegeben wird. Er kommt zunächst nach Tasmanien, wächst dort bei liebenden neuen Eltern weiter auf und geht dann zum Studieren nach Melbourne, lernt auch ein schönes Mädchen dort kennen.

Seine Vergangenheit lässt ihn jedoch nicht los, und später recherchiert er jahrelang mittels Google Earth nach dem Bahnhof und seinem Herkunftsort. Schließlich findet er ihn, besucht ihn auch und kann zumindest seine Mutter noch finden.

Es gibt eine ganze Reihe beachtlicher Indien-Eindrücke insbesondere im ersten Drittel des Films, vor allem auch aus Calcutta. Die Geschichte selbst ist aber insbesondere in der zweiten Hälfte des Films zu sehr amerikanisch und zu melodramatisch in Szene gesetzt. Darunter leidet dann auch die Authenzität.

Der Film „besitzt viele Elemente eines typischen Oscar-Filmes, doch fühlt sich das Endergebnis weit weniger manipulativ an, als man annehmen könnte“, meint outnow.

 photo BB0637-Silence_zps6iffj1wa.jpg

Martin Scorsese' Film Silence nach einem 1966 erschienenen Roman von Shûsaku Endô beleuchtet ein zumindest mir bisher gänzlich unbekanntes Kapitel der Geschichte, nämlich die Christenverfolgung in Japan im 17. Jahrhundert. Die oft von Jesuiten bekehrten Christen wurden damals brutal verfolgt und zumeist durch Kreuzigung, Köpfen oder Verbrennen hingerichtet, wenn sie nicht öffentlich ihrem Glauben abschworen und christliche Symbole schändeten.

Der Regisseur findet ansprechende Bilder, um die damaligen Verhältnisse und die oft nebelverhangene Landschaft auf Japans südlicher Insel Kyūshū (gedreht wurde aber meist in Taiwan) zu zeigen. Nur leider ist es aus meiner Sicht auch nicht das erste Mal, dass er vergißt, den Figuren und der Handlung mehr Leben einzuhauchen. Bei einem über drei Stunden langen Film wiegt der Vorwurf schwer.

Aber vielleicht nerven mich auch generell religiöse Fanatiker jeder Schattierung und Glaubensrichtung.

Ziemlich harter Tobak, der an der ein oder anderen Stelle ruhig etwas zackiger voran gehen könnte“, meint filmverliebt.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

The Salesman: ja, vielleicht.
Lion: ist nicht ganz auszuschliessen.
Silence: tendenziell wahrscheinlich eher nicht.

Samstag, 4. März 2017

Im Kino – The Girl With All The Gifts und andere Filme

 photo BB0633-The_Girl_zpsvbkxfv3k.jpgIn Colm McCarthy's apokalyptischen Zombie-Film The Girl With All The Gifts werden gewisse Erinnerungen wach an andere Filme wie Marc Forster's „World War Z“ (wo die Zombies die letzten Bastionen überrennen) und Francis Lawrence „I Am Legend“ (wo die aufgegebenen Städte langsam wieder zuwachsen) oder auch an Bücher wie Justin Cronin's „Der Übergang“ (wo einige wenige Überlebende die Welt nach anderen Überlebenden absuchen).

Ein Mädchen steht im Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist – wie die anderen Kinder - infiziert und gefährlich, wenn sie Blut riecht. Die Menschen auf der Militärstation können sich mit einem Spray vor ihrem Blutgeruch schützen, haben im Übrigen aber nur Umgang mit den Kindern, wenn diese an einen Rollstuhl gefesselt sind.

Doch die Militärstation wird bald überrannt und einige wenige Personen können mit einem Militärlaster fliehen. Das Mädchen gehört dazu, weil die Lehrerin sie schützt. Sie fahren nach London, das anders als die Stadt in „I Am Legend“ zwar auch langsam zuwächst, aber voller herumstehender Zombies ist, die nur aus der Lethargie erwachen, wenn sie Blut riechen. Schlechte Zeiten für Hasen, Hunde, Katzen.

Das Mädchen wird von seinen Fesseln befreit, denn sie wird als Kundschafterin und Helferin gebraucht. Sie hilft … zunächst, doch sie weiss, dass sie anders ist als die letzten Menschen.

Der Film ist toll, aber nix für Zartbesaitete. "So muss ein Genre-Film aussehen: spannend, schnell, furchteinflößend und, das vor allem, intelligent," ist bei kritiken.de nachzulesen.

 photo BB0632-Elle_zpss414ufrk.jpg

Um den holländischen Rergisseur Paul Verhoeven ist in den letzten Jahren ziemlich ruhig geworden. In seinen Filmen sind meist Sex und/oder Gewalt ein Thema, weshalb es vermutlich keinen Film von ihm hierzulande gibt, der nicht mindestens mit FSK16 ausgezeichnet wurde. Sein neuer Film Elle passt jedenfalls ins Muster, ist es doch ein Sado-Maso-Thriller, da die gut situierte Firmenchefin und Protagonistin der Geschichte (Isabelle Huppert) erst brutal vergewaltigt wird und dann weitere Misshandlungen durch denselben, in der Nachbarschaft wohnenden Täter provoziert.

Was auch immer man davon halten mag, der Film ist jedenfalls ziemlich gut gemacht und zeigt auch Einiges aus dem Gesellschafts- und Firmenleben der Protagonistin, die eine Firma für brutale Computerspiele leitet und nebenbei ihre beste Freundin (Anne Consigny) mit deren Mann betrügt.

Wir müssen uns damit abfinden, dass sich ihre Sexualität mit herkömmlichen moralischen Kriterien nicht greifen lässt. Auf eine Therapiestunde sollte man lieber in einem anderen Film hoffen“, meint critic.

 photo BB0634-Was_hat_uns_zpscrypisg7.jpg

Marie Kreutzer's Film Was hat uns bloß so ruiniert erzählt von drei befreundeten jungen Pärchen in Wien, die zwar weitgehend überzeugt ein Kind in die Welt setzen, aber schon während der Schwangerschaft oder danach diverse Selbstfindungskrisen und Partnerschaftskonflikte durchmachen. Man kann auch sagen, sie machen sich die Luxusproblemchen selbst, wobei es meist nur um unterschiedliche Meinungen, etwa zu Erziehungsfragen, geht.

Der Geschichte fehlt es aus meiner Sicht an Überzeugungskraft und an einem roten Faden, wobei vielleicht sogar realistische Szenarien gezeigt werden.

Elternschaft ist keine Krankheit, aber sie verändert Körper, Geist und Psyche“, kostatiert epd-film.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

The Girl With All The Gifts: ja, wahrscheinlich.
Elle: ja, vielleicht.
Was hat uns bloß so ruiniert: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Montag, 27. Februar 2017

Filmkonserven – Metalhead und andere Filme

 photo BB0629-Metalhead_zpsk1aibxlx.jpg

Ragnar Bragason's Film Metalhead (2013) erzählt von Trauer, Wut, Auflehnung in einem kleinen isländischen Dorf in den 1980er Jahren. Im Mittelpunkt steht ein Mädchen im Teenager-Alter, das den Unfall-Tod ihres älteren Bruders miterleben muss und im Zuge der Trauerarbeit auf die Musiksammlung und die musikalischen Interessen ihres Bruders zurückgreift. Dieser war Metal-Fan, und sie driftet im Laufe der nächsten Jahre zunehmend in diesen Bereich bis hin zum Black Metal ab.

Als sich der junge Priester der Gemeinde der verschlossenen jungen Frau anzunähern versucht, interpretiert sie die Signale falsch, und es kommt zum Desaster.

Die Geschichte ist einfühlsam erzählt, ohne den Metal-Sound zu vernachlässigen. Insgesamt ein relativ interessanter Film.

Es ist vor allem das Gespür für die kleinen Gesten, das unausgesprochene Leid, mit dem Metalhead es schafft, direkt ins Gefühlszentrum des Zuschauers vorzudringen“, meint cereality.

 photo BB0628-Feuchtgebiete_zpsg6mh3xhq.jpg

David F. Wnendt's Film Feuchtgebiete (2013) nach einem Roman von Charlotte Roche war erwartungsgemäß etwas eklig, da er sich vorwiegend mit Körperflüssigkeiten und sonstigen, meist psychischen Problemen seiner ge- oder verstörten Protagonistin befasst. Während sie nach einer Operation am After im Krankenhaus liegt, kommen ihr - in Rückblenden erzählt - abstruse Erlebnisse ihrer Kindheit und Jugendzeit in den Sinn.

Der flott-aufgepeppte, manchmal aber auch aufgesetzt wirkende Erzählstil liegt mir so gar nicht. Und da emotional auch nicht so viel rüber kommt, finde ich den Film auch nicht gut, obgleich Carla Juri als Hauptprotagonistin schon überzeugt. Tja – und wie ist das Buch?

Über weite Strecken ein Gruselspaß für jüngere Menschen, der mit Tabubruch und dem Austesten von Igitt-Grenzen operiert“, konstatiert die welt.

 photo BB0630-The_Returned_zpsi8loo8p7.jpg

The Returned, Staffel 1 (2012) unter der Regie von Fabrice Gobert, die ersten 8 Folgen einer preisgekrönten französischen TV-Serie. Die Geschichte spielt in einem französischen Bergdorf. Plötzlich tauchen Tote wieder auf – einzeln, unversehrt, kommen sie und versuchen wieder den Platz in ihrer Familie einzunehmen. Nach dem ersten Schock reagieren die Angehörigen, indem sie die Toten zunächst zu Hause verstecken. So wird lange Zeit das Ausmaß der Rückkehr verschleiert.

Die Serie kommt weit mehr als relativ unheimliche Mystery-, denn als Zombie-Serie daher. Der minimalistisch-dunkle Soundtrack von Mogwai verstärkt diesen Eindruck noch.

Insgesamt gefiel mir diese Staffel ganz gut. Dennoch werde ich nie Serien-Fan; denn auch hier stellt sich die Frage nach dem Ergebnis, das 7 Stunden Film letztendlich hervorgebracht haben.

Die Trauer und ihre Bewältigung, die diese gespenstische, auf mehreren Erzählbahnen mäandernde Serie größtenteils zeigt, findet sich nicht bloß in den Köpfen und Beziehungen der Figuren; sie findet sich auch in der Ästhetik der blaugrau verwischten Bilder, dem Schleier der Melancholie, der über der Kleinstadt liegt und sich nie lüftet“, meint die zeit.

 photo BB0626-Kiss_of_the_Damned_zpsrxe2x29n.jpg

In Xan Cassavetes Vampir-Film Kiss of the Damned (2012) wird gothisches Ambiente und Lebensgefühl pur zelebriert. Dunkle Romantik, Kerzenschein, Mondbilder, Träume von ewiger Liebe und ewigem Leben inklusive. Inhaltlich stehen zwei schöne Vampir-Ladies im Mittelpunkt. Schwestern, die eine sehnt sich nach Liebe und macht ihren Geliebten ebenfalls zum Vampir und die andere stillt ihren Hunger ungehemmt beim Liebesakt und gefährdet alle anderen mit ihrem mordenden Lebensstil.

Ein atmosphärischer ruhiger Vampirfilm, der sein Tribut an Filme von Rollin und anderen 60er und 70er Jahren Filme zollt, die sich auf erotischer Weise mit dem Thema Vampir auseinander gesetzt haben,“ meint movie-check.

Mir gefiel der Film auch ganz gut. Andere waren gar nicht begeistert und halten ihn z.B. eher für einen Soft-Porno-Film.

 photo BB0627-Der_Uebergang_zpssm5yyyv0.jpg

Evan Kelly's kanadischer Film Der Übergang (2010) ist ein Psycho-Horror-Film mit übernatürlichen Elementen. Er spielt weitgehend in einer abgelegenen Waldhütte in schneereicher Landschaft. Dorthin verabreden sich einige Kumpels, die sich allerdings in den letzten Jahren schon ziemlich auseinandergelebt haben, zumal einer der Kumpels psychische Probleme in Zusammenhang mit dem Tod seiner Mutter hatte. Seine Wahnvorstellungen kann er mit Tabletten beherrschen.

Doch dann führt er seine Kumpels auf eine Lichtung und dort können diese ebenfalls eine durchsichtige Barriere wahrnehmen, die sie durchschreiten können. Sie sind dann in einem durch diese Barriere umgrenzten Raum. Doch dieser Raum verändert die Psyche der Protagonisten, sie hören Stimmen, können zum Teil auch die Gedanken der Anderen wahrnehmen und fühlen eine andere Präsenz. Die Probleme verschwinden nicht nach dem Verlassen des Raums, schließlich bringen sie sich gegenseitig um.

Ein kleiner, effektiver Horror-Film mit SF-Element, der von einer traumwandlerischen, bedrohlichen Atmosphäre getragen wird“, meint kino-zeit. Mich hat der Film jedoch nicht so sehr überzeugt.

Donnerstag, 16. Februar 2017

Im Kino – Die Hölle und andere Filme

 photo BB0616-Hoelle_zpssdypabwd.jpg

Stefan Ruzowitzky's Film Die Hölle handelt von einer meist verschlossenen, ruppigen, manchmal aggressiven Wiener Taxifahrerin (Violetta Schurawlow) türkischstämmiger Herkunft, die sich einerseits kämpferisch zu wehren weiss, andererseits zufällig Zeugin eines brutalen Ritualmordes im eigenen Wohnhaus wird und dann um ihr Leben fürchten muss. Der streckenweise bemerkenswert rasant inszenierte Film zeigt Wien meist in einem eher düster-regnerischen Licht. Die Hauptprotagonistin überzeugt schauspielerisch in ihrer Rolle.

Elektrisierende Spannung und rasanter Schnitt, eine beklemmende Atmosphäre, ästhetisch-stimmige Bilder und ein mysteriöser Killer lassen bei diesem gewaltvollen Genrefilm das Blut in den Adern gefrieren“, sagt die abendzeitung-muenchen.

 photo BB0615-Split_zpspgikhj7i.jpg

M. Night Shyamalan's irgendwo zwischen Psycho- und Phantastik angesiedelter Film Split erzählt von einem Psychopathen, in dessen Kopf 23 Persönlichkeiten leben, von denen mal diese, mal jene die Oberhand gewinnt. Der Psycho entführt drei junge Frauen und sperrt sie in eine Wohnzelle. Ab und zu kommt er vorbei, um sie zu versorgen, wobei freundliche, pedantische oder auch leicht debile Persönlichkeiten gerade die Oberhand haben und sein Verhalten bestimmen.

Die Frauen versuchen die Flucht, doch in der verzweigten weitgehend unterirdischen Anlage mit zahlreichen Versorgungsgängen und Räumen finden sie nicht raus. Der Film nimmt eine düstere Entwicklung, denn es gibt noch eine 24. Persönlichkeit, ein Ungeheuer, das die Oberhand zu gewinnen sucht.

Der Film ist relativ spannend gemacht. „Gut inszenierte Spannung mit einem etwas herben Nachgeschmack“, meint kino-zeit. Irgendwie sind die NebendarstellerInnen vielleicht zu langweilig und die Atmosphäre nicht unheimlich genug.

 photo BB0617-Jackie_zpsukhbyqb1.jpg

Pablo Larraín's Film Jackie schildert die Ermordung von J. F. Kennedy 1963 und insbesondere die Wochen danach aus der Perspektive seiner Frau. Auch ein paar Rückblicke aus der Zeit davor im Weißen Haus gibt es. Das ist relativ gut inszeniert und Natalie Portman's Oscar-Nominierung wahrscheinlich verständlich, aber nur im letzten Drittel ist der Film einigermaßen ergreifend.

Was wäre John F. Kennedy ohne seine Frau Jacqueline gewesen? Das sensationelle Filmporträt ... zeigt, wie sehr sie sein Erbe, aber auch die heutige Politik mit ihren Inszenierungen geprägt hat“, meint der spiegel.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Die Hölle: ja, vielleicht.
Split: tendenziell eher unwahrscheinlich
Jackie: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Gefangen in Köln 2.0

Ein Blog. Wenig über Knast Sex und Autos mehr über Köln Film Musik Bücher Net und Wanderungen

Kommunikation

Radweg
Ich nehme mal ganz stark an, dass der Weg deshalb hoch...
Treibgut - Fr, 23. Jun, 20:20
Kylltalradweg
Hallo, all meine Rennradtouren haben mich sogar auf...
Dieter (Gast) - Fr, 23. Jun, 12:23
Kylltalradweg
... ist ja einfach zu recherchieren. Hab' selber mal...
Treibgut - Di, 20. Jun, 23:05
kyltalradweg muss ich...
kyltalradweg muss ich mal recherchieren als alter radwanderer,...
bonanzaMARGOT - Di, 20. Jun, 05:33
Danke
... für Bestimmung der Wanze. Identifizierte Streifenwanzen...
Treibgut - So, 18. Jun, 22:36
Ameisenhügel habe...
Ameisenhügel habe ich schon länger nicht...
Fraukografie (Gast) - Fr, 16. Jun, 11:21
gar nichts. ich googelte...
gar nichts. ich googelte den autoren.
bonanzaMARGOT - Fr, 16. Jun, 05:31
... solche touren durch...
... solche touren durch den dschungel bergen ihre gefahren.
bonanzaMARGOT - Fr, 16. Jun, 05:30

DATENSCHUTZ

CONTACT

Der Verfasser dieses Blogs ist über folgende E-Mail-Adresse zu erreichen:

treibgut_2005[ät]gmx.de

[ät] wurde als Spam-Schutz eingesetzt und ist durch das entsprechende, eine E-Mail-Adresse kennzeichnende Tastaturzeichen @ zu ersetzen.

Translate ...

FILME


Der wunderbare Garten der Bella Brown


In Zeiten des abnehmenden Lichts


Alien - Covenant


Sieben Minuten nach Mitternacht


Jahrhundertfrauen


Choices (Kulturzeitschrift)


Einsamkeit und Sex und Mitleid


Die Schlösser aus Sand


Verleugnung


A United Kingdom


Lommbock

Lesestoff


Sahar Delijani
Kinder des Jacarandabaums


Adriaan Van Dis
Nathan Sid


GPM-Titelstory: Klüger essen


Banana Yoshimoto
Ihre Nacht


GR-Titelstory: Mittelgebirge in Deutschland


China Miéville
Der Krake


Mohammed Hanif
Eine Kiste explodierender Mangos


Polen - Der Süden


Andrea Hirata
Die Regenbogen-Truppe


Justin Cronin
Der Übergang


Clive Barker
Die Buecher des Blutes I - III

Music


Nenia C'Alladhan


Musikzeitschrift: Eclipsed


Emma Ruth Rundle
Marked For Death


Witchcraft
Nucleus


Friends of Gas
Fatal schwach


Clara Haberkamp Trio
Orange Blossom


Magic Moments 9: In the Spirit of Jazz (Compilation)


Clara Haberkamp Trio in concert

Suche im Weblog

 

Status

Online seit 4214 Tagen
Zuletzt aktualisiert: So, 25. Jun, 02:45


Counter eingerichtet am 21.12.2005:

Ob man wohl rausgehen kann?

Archiv

Juni 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 6 
 8 
10
13
14
17
18
21
23
26
27
28
29
30
 
 
 
 

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB


About
At Home
Bücher
Cologne (In the City)
Digital World
Filme
Lamentation Column
Memories of ...
Other Places
Pflanzen und Tiere
Reisen
Sounds
Talk of the Day
Wanderungen
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren