Filme

Mittwoch, 21. Februar 2018

Im Kino: Wind River

Taylor Sheridan's Film Wind River spielt im schneereichen Winter Wyomings. Ein Jäger ist hier unterwegs, u.a. um Wölfe und Pumas von den Haustieren fern zu halten. Er findet eine Frauenleiche im Schnee, eine junge Frau, die bei -30 Grad kilometerweit barfuß durch den Schnee rannte. Das FBI wird eingeschaltet, kann aber nur eine junge hübsche Mitarbeiterin entbehren. Sie ist ziemlich hilflos, versichert sich der Hilfe des Jägers, der Fußspuren deuten kann. 

Harte Männer, viele Waffen, viele Tote – und dazwischen einige atmosphärische ruhige Szenen über das Leben dort draußen am Rande der Wildnis und die Probleme der Leute.

Der Film kann als moderner Italo-Schnee-Western einklassifiziert werden. 

Ein gut und packend inszenierter Film ist das, auch wenn Italo-Western im Grunde nichts wirklich Neues erzählen. Am Anfang steht ein Unrecht, und am Ende wird abgerechnet – so ist das auch hier. „Erkennbar alttestamentarisch“, meint critic, auch wenn dieses kurze Zitat hier von mir vielleicht etwas aus dem Zusammenhang gerissen wird. 


Ein „spannungsvolles, intensives Western-Drama, in dem die unwirtliche Natur so grausam und kalt ist wie das verkommene Beziehungsgefüge der hier rettungslos verlorenen Figuren“, meint der mdr

In einigen Jahre sehe ich mir den Film vielleicht noch einmal an, ich habe ja ein Faible für gut gemachte Italo-Western.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Im Kino: Downsizing

In Alexander Payne's SF-Komödie "Downsizing" werden Menschen in krankenhaus-ähnlichen Anstalten auf unter 20 cm Größe geschrumpft und in eigenen Städten unter einer Kuppel angesiedelt, wo sie in Luxus leben können und nur einen Bruchteil der Ressourcen der normalen Menschen verbrauchen. 

Der Protagonist des Films (Matt Damon) muss jedoch zunächst mit der Wahrheit leben, dass seine Frau in letzter Minute einen Rückzieher gemacht hat und er nun geschrumpft alleine leben muss.


Über seinen Nachbarn von oben lernt er zahlreiche Leute kennen, darunter eine Vietnamesin mit Holzfuß, die ihm offenbart, dass in bzw. in einer schmalen Zone außerhalb der Kuppelstadt ähnlich prekäre Verhältnisse von arm und reich existieren wie bei den „großen Menschen“. 


Später kommen sie zusammen nach Norwegen, wo gerade die erste Kuppelstadt aufgegeben wird und man in den Berg zieht, um dort ein vor Klimawandel und steigendem Meeresspiegel geschütztes Leben zu führen. 

Den Kritiken an dem Film war zu entnehmen, dass das große Potenzial der Geschichte vergeudet wurde, und das ist nicht ganz falsch. „Der Zauber des Anfangs ist verflogen, sobald Paul in seiner neuen Heimat eintrifft“, meint denn auch epd-film

So bleibt denn eine schöne erste Hälfte in Erinnerung, die das öffentliche Bekanntmachen der Erfindung, die individuellen Entscheidungsprozesse und die Vorbereitungen und Nachbehandlungen im Zuge des Schrumpfungsprozesses zeigt. Man sieht dort beispielsweise fließbandartige Zahnbehandlungen in großen Sälen, denn die Anorganik in den Körpern wie Zahnplomben etc. kann nicht mit geschrumpft werden, muss also vorher entfernt und nach der Schrumpfung wieder eingebaut werden. 

Der musikexpress lobt den Regisseur „für die radikale Art, wie er völlig andere erzählerische Wege geht, um zutiefst menschliches Kino zu machen“.

Im Ergebnis ist der Film ganz kurzweilig anzusehen, ohne einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen zu haben. 

Mittwoch, 7. Februar 2018

Im Kino: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und andere Filme


Martin McDonagh's Film mit dem klingenden Namen Three Billboards Outside Ebbing, Missouri erzählt von einer Frau (Frances McDormand), die sich im Krieg mit der Polizei und anderen Bewohnern des Ortes befindet. Ja, das hatten wir kürzlich schon mal im polnischen Film „Die Spur“. In Ebbing geht es allerdings nicht um Tiere, sondern um die Aufklärung des Mordes an der Tochter der Frau. Auf den „Billboards“ wirft sie der Polizei plakativ groß an einer Landstraße aufgestellt Untätigkeit vor.

Den kantig-sensiblen Charakter von Frances McDormand kennen wir schon z.B. aus einigen Filmen der Coen-Brüder, und dieser Film von McDonagh könnte stilistisch wohl auch von ihnen stammen. Es geht mitunter relativ deftig zur Sache, ohne die Zeichnung der Charaktere zu vernachlässigen. Insgesamt weiss die Geschichte schon zu gefallen, ist mitunter sogar brachial-amüsant. 

Die Stärken und Schwächen der einzelnen Figuren dieser hinterwäldlerischen Welt sind .. nicht so eindeutig verteilt, wie man zuerst meint“, meint derstandard.


Hong Sang-soo's autobiographisch gefärbter Film On the Beach at Night Alone erzählt von einer jungen Koreanerin (Kim Minhee) auf der Suche nach ihrem Selbst. Anfangs ist sie nach Hamburg geflohen und dort mit einer anderen Koreanerin stadtbummelnd unterwegs. Später kehrt sie in eine kleinere Stadt am Meer Süd-Koreas zurück und verarbeitet mit Freunden – unter Alkoholeinfluss - ihre Beziehungsprobleme. 

Der Film ist Seelenstriptease pur. Das ist fragil in Szene gesetzt und nicht uninteressant. Wer Handlung braucht, ist mit diesem Film aber wohl nicht gut beraten. 

Trinken, reden, jammern: Eigentlich ist alles wie immer in den Filmen von Hong Sang-soo, nur dass diesmal die egozentrischen Männer fehlen und der Liebeskummer der von Kim Min-hee gespielten Hauptfigur mitten ins Herz trifft“, meint epd-film.


Joe Wright's Film Die dunkelste Stunde handelt von der Einschwörung Englands auf den Krieg, der mit dem Agressor Deutschland ab 1940 zu führen sein wird. Winston Churchill (Gary Oldman) wird zum Premierminister berufen und muss gegen den heftigen Widerstand seiner Gegner im Parlament seinen Kurs festlegen, der in Anbetracht der eingekesselten Armee auf dem französischen Festland dennoch darauf hinaus läuft, keine Kapitulations- und Friedensverhandlungen mit Deutschland zu führen. 

Auch diesen Film kann man durchaus als gelungen bezeichnen; denn einerseits wird gezeigt, dass Churchill ein charismatischer Politiker war, der es verstand, Mehrheiten zu schaffen, andererseits aber auch, dass er ein Mensch war. 

Durch Oldmans intensives Spiel erhält die historische und fast schon ikonische Figur eine zutiefst menschliche Dimension“, meint denn auch fbw-filmbewertung.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen? 

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: ja, wahrscheinlich. 
On the Beach at Night Alone: tendenziell eher unwahrscheinlich. 
Die dunkelste Stunde: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Sonntag, 4. Februar 2018

Film-Konserven: Verhoeven-Filme

Ich schaute in letzter Zeit noch einmal einige Paul-Verhoven-Filme anläßlich des Umstandes, dass der lange in Deutschland indizierte und nicht erhältliche SF-Film „Starship Troopers“ in 2017 frei gegeben wurde und ungeschnitten auf DVD erschienen ist. Ich stolperte vor einiger Zeit bei Saturn über den Film. 

Der niederländische Regisseur hat ab 1970 ungefähr 18 Kinofilme gedreht, von denen ich sechs im Kino gesehen habe und die ersten 10 ganz bestimmt nicht kenne.

Wikipedia charakterisiert den Stil so: „Weil viele von Verhoevens Filmen Gewalt und Sexualität thematisieren, sind sie Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen unter Filmkritikern und in der Öffentlichkeit“. 

Auf die drei 90er-Jahre-Filme, die ich im Folgenden kurz beschreibe, trifft dies in jedem Fall zu. Sie fallen in die Hollywood-Phase des Regisseurs. Hollywood gefiel das aber oft nicht, was der Regisseur dort machte und 1996 heimste er dort die leckere Goldene Himbeere für „Showgirls“ ein. 

Der Science Fiction Total Recall – Die totale Erinnerung (1990) basiert auf einer Story von Philip K. Dick und spielt im Jahr 2084 auf der Erde und dem Mars. Ein typisches Thema von Philip K. Dick, die Hinterfragung der Realität, bildet die Grundlage des Films, denn im Gehirn des Protagonisten wurde herumgepfuscht und seine Erinnerungen scheinen nicht real zu sein, und andere Erinnerungen werden unterdrückt. Arnold Schwarzenegger konnte als Haupt-Protagonist gewonnen werden. 

Der Protagonist gelangt auf den Mars, wo ein Diktator regiert, die Rohstoff-Minen sowie die Sauerstoffversorgung beherrscht und ein wichtiges Geheimnis hütet, während Rebellen gegen ihn kämpfen. 

Dieser Film gewann einige Preise, u.a. wegen seiner Spezialeffekte. Die ungekürzte Fassung war in Deutschland 20 Jahre lang wegen einiger Splatterszenen indiziert.

Auch wenn die Szenerie des Films durchaus beeindruckend ist, kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Charaktere oft simpel angelegt sind und die Story im Wesentlichen einem simpel gestrickten Action-Drama folgt. 

Basic Instinct (1992) hingegen erschien auf DVD schon immer ungeschnitten. Die amerikanischen Kino-Besucher hingegen wurden damals wahrscheinlich um die spannendsten Szenen betrogen. Ich sah den Film kürzlich zum dritten Mal und meine immer noch, dass es ein Meisterwerk in der Rubrik „erotischer Thriller“ ist, wobei der Film auch als Polizisten-Film eine gute Figur macht, einige rasante Auto-Verfolgungsjagden bietet und der Soundtrack überzeugt. Es ist mit Sicherheit Verhoevens bedeutendster Film. 

Sharon Stone als superreiche Haupt-Protagonistin, die in Verdacht gerät, ihren Liebhaber während des Sexualakts gefesselt und mit einem Eispickel ekstatisch-brutal ermordet zu haben, zumal genau eine solche Szene in einem ihrer Romane vorkommt, erlangte nicht unverdient Weltruhm mit diesem Film; sie wirkt in der Tat sehr provokant und verführerisch. Näheres zu Film und Wirkung: siehe film-welt

Starship Troopers (1997) – wie bereits oben erwähnt – bis 2017 indiziert, ist ein militaristischer Science Fiction, der auf einem fernen Planeten den brutalen Kampf gegen eine agressive Insektenrasse schildert, während auf der Erde, die von den Insekten mit ferngesteuerten Kometen bombardiert wurde, Werbung für den Dienst in der Armee gemacht wird. Der Film basiert auf der gleichnamigen Romanvorlage (1959) des berühmten US-amerikanischen SF-Schriftstellers Robert A. Heinlein. 

Der Film ist extrem bombastisch mit orchestralem Sound inszeniert – und das ist es, was mich heute vor allem stört. 100 Mio. US-Dollar hatte der Regisseur zur Verfügung.


Trick- und animationstechnisch gewann der Film – wahrscheinlich zu Recht - wieder diverse Preise. Die Auto- oder auch LKW-großen Insekten, die mehrfach in großen Scharen angreifen oder angegriffen werden, sind schon beeindruckend.

Splatter-Szenen mit abgetrennten Gliedmaßen etc. gibt es oft. Als quasi-realistisch ist das durchaus in einem Kriegsfilm zu begrüßen. Auch in „Total Recall“ gibt es abgetrennte Gliedmaßen, und man kann sich fragen, ob der Regisseur hier irgendwelche persönlichen Traumata verarbeitet. 

Dem Film fehlt es leider an überzeugenden SchauspielerInnen; dort ziehen College-StudentInnen in den Krieg und benehmen sich – in ihrer Freizeit - häufig auch so. 

Die Frauen steuern die Raumschiffe und nehmen vereinzelt auch in den Bodentruppen an den Kämpfen teil. Gleichberechtigung im Kampf ist also quasi verwirklicht. 

Überhaupt, in diesem Film ist zum Thema „Militaristische SF“ alles gesagt. In der Literatur auch. 

Insgesamt habe ich bezüglich der beiden Verhoeven-SF-Filme den Eindruck, dass es sowohl vorher als auch später bessere SF-Filme gab. Für filmhistorisch Interessierte kann es sich dennoch lohnen, diese über 20 Jahre alten „Schinken“ anzusehen. 

Mittwoch, 24. Januar 2018

Im Kino: Das Milan-Protokoll und andere Filme

Diese drei zuletzt von mir angeschauten Filme slnd relativ komplex inszeniert und vermutlich kann nicht jeder den Geschichten immer folgen. So ging es jedenfalls mir. 

Peter Ott's Film Das Milan-Protokoll spielt in der Grenzregion Irak/Syrien und handelt von einer deutschen Ärztin (Catrin Striebeck), die im irakisch-kurdischen Gebiet tätig ist und zu einem Hilfseinsatz im syrischen IS-Gebiet gerufen wird, um eine verletzte Deutsche zu behandeln. Bei dieser Mission wird sie entführt. Der Film handelt von ihren „Haftbedingungen“, ihrem Freikauf und der Aufarbeitung der Geschehnisse in Rückblenden.

Wer nicht so richtig durchblickt, muss sich keine Sorgen machen, denn die Situation vor Ort war/ist schwer durchschaubar. Insoweit bildet der in sich verschachtelte Film nur die Wirklichkeit ab. 


Durchzogen von Phantasiesequenzen und dokumentarischen Zwischenbildern changiert [der Film] zwischen dem Angebot zum Eintauchen in einen Spionagethriller und der ästhetischen Aufforderung zur distanzierten Betrachtung“, meint indiekino

Für einen deutschen Film ist dieser Film ziemlich spannend gemacht.

François Ozon's Thriller Der andere Liebhaber ist – trotz Katze, die beim Sex zuschauen darf - eine ziemlich artifiziell-kühl inszenierte Dreiecks-Beziehungsgeschichte, die auch mit Horror-Elementen aufwartet. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau (Marine Vacth), die wegen ungeklärter Bauchschmerzen den Dienst eines Psychotherapeuten in Anspruch nimmt, der ihr verfällt. Durch Zufall erfährt sie später, dass dessen Zwillingsbruder ebenfalls Psychotherapeut in der Stadt ist.

Sie beginnt auch beim Bruder eine Therapie, die schon sehr bald in eine heftige Sex-Beziehung mündet. Keinem der beiden Brüder erzählt sie von der Beziehung zum jeweils anderen Bruder. Sie versucht vielmehr, die Geheimnisse der Brüder, die sich strikt aus dem Weg gehen, zu ergründen. Logisch, dass es zur Konfrontation kommt. 

Ozon beherrscht das Spiel mit Spiegelungen und Doppelungen nahezu perfekt und scheut auch nicht davor zurück, immer wieder campy und sexy zu sein“, meint kino-zeit. Die Frau fand ich schon bei Ozon's sehenswerten Film „Jung & schön“ (2013) aufregend. Das ist sie (aus meiner Sicht) auch hier, aber ihr Auftreten und die Geschichte wirkten auf mich wie eine spröde verfilmte Versuchsanordnung.


Agnieszka Holland's Film Die Spur ist insbesondere interessant für jene Menschen, die nicht einverstanden sind mit der Jagd und den Tierhaltungsmethoden in Europa und sich insgeheim die Rache der Natur erhoffen (und das sind nicht wenige). 

Die Geschichte spielt in den Bergen Süd-Polens. Im Mittelpunkt steht eine ältere Frau, die einsam in einem Hof in den Bergen wohnt und häufig mit ihren zwei Hunden unterwegs ist. Die Ballerei der Jäger im Winter ist ihr verhasst, außerdem gibt es Wilderer, die mit Fallen jagen, und manchmal findet sie eine Tierleiche in diesen Fallen.

Als eines Tages ihre Hunde weg sind, ist sie psychisch schwer getroffen. 

Sie erstattet öfter mal Anzeige wegen Wilderei oder Mord an einem Wildschwein, das sie gefunden hat. Doch ihre Anzeigen verpuffen wirkungslos bei der örtlichen Polizei. Das Problem ist generell, dass sie praktisch immer ihre Nachbarn anzeigt, die mehr oder weniger alle Jäger sind und sich dadurch nicht gerade beliebt macht. 

Später kommt es dann zu Todesfällen unter den Dorfbewohnern, und sie versucht, der Polizei klar zu machen, dass sich die Tiere nun rächen.

Die Inszenierung ist etwas spröde, aber der Film punktet mit Natur- und Wildtier-Aufnahmen sowie einer glaubwürdigen Darstellung funktionaler Dorf-Beziehungen, in der fast alle Männer mit der Jagd zu tun haben, oft gemeinschaftlich jagen und auch der Priester ihr Tun sanktioniert und das Töten der Tiere verteidigt. 

Der Rezensent bei kino-zeit hat hat mit seinem Schlusssatz allerdings recht: „Schade ist einzig, dass der Film am Ende dann doch der Intelligenz des Zuschauers nicht so ganz vertraut und Erklärungen gibt, die manches offenbaren, was lieber im Nebel der Wälder und unter dem winterlichen Schnee der Berge verborgen geblieben wäre“. Ich bin auch etwas enttäuscht, dass es kein waschechter Mystery-Thriller geworden ist.


Prognose/Wertung: Diese Filme noch einmal ansehen? 

Ich bin da etwas unsicher. Für das Verständnis einiger Szenen könnte es hilfreich sein, aber wenn, dann würde ich die Filme sowieso erst frühestens in 7/8 Jahren noch einmal anschauen. 

Sonntag, 7. Januar 2018

Im Kino: Das Leuchten der Erinnerung und andere Filme

Das Thema „Alzheimer“, hier synonym verwandt für alle ähnlichen Krankheitsbilder, hat in den letzten Jahren zunehmend auch Eingang in das Kino gefunden. „Still Alice“ war in 2015 ein beeindruckender US-Film, in dem Julianne Moore in der Rolle eine Literatur-Professorin sämtliche Vorbereitungen trifft, um am Ende ihre Würde zu wahren und dennoch scheitert. Und auch der israelische Film „Am Ende ein Fest“, der ebenfalls in 2015 lief, sollte erwähnt werden, da er eine ganz andere Herangehensweise an die Thematik hat. 

Das Jahr 2018 startete nun mit Paolo Virzì's Film Das Leuchten der Erinnerung. Ein altes Ehepaar geht hier im Osten der USA auf eine Reise mit dem eigenen, zuvor schon praktisch eingemotteten Wohnmobil. Die Reise soll zu Orten führen, an denen sie früher mal schöne Stunden/Tage verbracht haben. Ziel ist die Südspitze Floridas. Die Frau, schwer krank, möchte ihrem deutlich älteren Mann, der an Alzheimer leidet, diese Orte noch einmal zeigen, um Erinnerung aufzufrischen. Sie hat auch einen Dia-Projektor eingepackt, um ihrem Mann alte Dias open-air auf den Camping-Plätzen zeigen zu können.

Die Kinder sind entsetzt, sie haben vom Reiseplan nichts gewusst und die Mutter lässt sich zwar manchmal telefonisch erreichen, gibt aber ihren Aufenthaltsort nicht Preis. 


“Alzheimer“-Filme im Kino können nur Erfolg haben, wenn sie die Thematik nicht bierernst-depressiv abhandelt, sondern eine berührende, ausgewogene Mischung aus moderater Situationskomik, Fremdschämen und ernsten Tönen/Bildern bieten. Dieser Film schafft das ganz gut, und das ist natürlich auch dem schauspielerischen Können von Donald Sutherland und Helen Mirren zu verdanken. 

Besonders gut gefiel mir auch das Ende des Films. Der Mann konnte es nicht mehr, aber die Frau konnte noch den richtigen Zeitpunkt erkennen und entscheiden, in Würde aus dem Leben zu scheiden. Sie entscheidet für beide. 

Ein wirklich würdiges Sterbe-Szenarium wie in Richard Fleischers berühmten SF-Film „Soylent Green“ (1973) konnte sie allerdings nicht wählen. Dazu ist die amerikanische Gesellschaft – und erst recht die deutsche Gesellschaft - nicht in der Lage, die Voraussetzungen zu schaffen, obgleich es seit Jahrzehnten weder ein finanzielles noch ein technisches Problem ist. Man tritt aus meiner Sicht auf der Stelle, konservative Kräfte, in der Regel unterstützt durch mächtige Lobby-Verbände und Medienarbeit, setzen sich meist durch und verhindern oft jede geistig-technische Entwicklung. 

Spielfilm attestiert dem Film, dass „vor allem der genaue Blick sowohl auf die Probleme, als auch auf die Stärken des Paares beeindruckt“.


Aktan Arym Kubat's Film Die Flügel der Menschen, der ebenfalls kürzlich im Kino anlief, führt uns in ein kirgisisches Dorf. Dort werden mitunter Pferde gestohlen, die oft verkauft werden und verschwinden, mitunter wird ein Pferd aber auch frei gelassen. Nachdem ein wertvolles Rennpferd gestohlen wurde, ist dessen Besitzer, der auch selbstverständlich auch zu den Mächtigen im Dorf gehört, erbost. Die örtliche Polizei nimmt erst einmal einen aus der Vergangenheit bekannten Pferdedieb fest und schlägt ihn zusammen, um ein Geständnis zu erpressen, das aber nicht kommt. Stattdessen wird später eine Falle für den Dieb ersonnen. 

Die Falle schnappt erfolgreich zu. Bedauerlicherweise handelt es sich um einen Verwandten des Besitzers, der mit dem Schicksal der kirgischen Pferde im Allgemeinen hadert und daher ihre Freilassung betreibt. 

Der tendenziell düster-melancholische Film zeigt viel von der Lebensweise in einem Bergdorf Kirgisistans. Es tritt ein Dorf-Gericht zusammen, um den Fall zu verhandeln, und es werden andere Probleme angeschnitten wie die Stellung der Frauen in der Gesellschaft, die Entstehung von Gerüchten in kleinen Dorfgemeinschaften oder das Eindringen islamischer Glaubensvorstellungen. Und der Film zeigt auch eine tolle, aber karge Berglandschaft. Insgesamt gelungen. 

Der Regisseur „vereint subtilen Humor mit Alltagsdokumentation und der Zeit der Mythen, die sein Heimatland Kirgisistan umgeben“, meint kino-zeit

Philippe Lioret's Film Die kanadische Reise erzählt von einem Mann, der vom Tod seines ihm bisher unbekannten Vaters unterrichtet wird und kurzerhand von Frankreich nach Kanada aufbricht, um an der Beerdigung teilzunehmen und seine „neuen“ Verwandten kennenzulernen. Der Empfang ist zunächst etwas kühl, und es zeigt sich, dass dies seine Gründe hat, da seine Halbbrüder untereinander zerstritten sind.

Der Film ist souverän-nüchtern in Szene gesetzt, Handlung und DarstellerInnen wirken authentisch. Aus meiner Sicht gibt die Geschichte jedoch nicht allzu viel her. 

Der Regisseur „erkundet komplizierte Familienbeziehungen nach den Regeln eines Thrillers, der den Zuschauer erst allmählich in seine Mysterien einweiht“, sagt epd-film

Lioret's Filme „Die Frau des Leuchtturmwärters“ (2004) und „Keine Sorge, mir geht's gut“ (2006) gefielen mir jedoch besser. 

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen? 

Das Leuchten der Erinnerung: ja, vielleicht. 
Die Flügel der Menschen: ja, vielleicht. 
Die kanadische Reise: tendenziell eher unwahrscheinlich. 
 

Sonntag, 31. Dezember 2017

Die besten Kinofilme 2017

So oft wie in 2017 war ich schon sehr lange nicht mehr im Kino. Das vielleicht beste Drittel dieser Filme, die ich noch einmal wiedersehen möchte, wird in alphabetischer Folge noch einmal kurz vorgestellt. Selbstverständlich ist dies nur meine persönliche Meinung. 

Die in Deutschland erfolgreichsten Filme könnt ihr euch bei insidekino ansehen. Es gibt in der TOP 25 keinen Film, der in meiner TOP 25 genannt ist. "Es" (Platz 6) und "Split" (Platz 19) habe ich gesehen, aber nicht in meine TOP 25 aufgenommen.

Auch in Ridley Scott's neuem Alien-Film Alien: Covenant, der ein Prequel ist und wieder von der Erforschung eines merkwürdigen Signals auf einem fremden Planeten handelt, ist die düstere Weltraum-Szenerie wieder das Nonplusultra für mich gewesen, insbesondere die Szenen der riesigen Ruinenstadt auf dem fremden Planeten und das Alien-Raumschiff selbst. 

Ansonsten finde ich, dass es auch bei dem neuen Film Mängel gibt, schwächere SchauspielerInnen, Nachlässigkeiten im Drehbuch, Fragen nach der Sinnhaftigkeit der ganzen Alien-Geschichte im Allgemeinen. 

Aber letztlich zählt für mich hier der visuelle Eindruck. 

Denis Villeneuve's SF-Film Arrival erzählt von einem First Contact mit einer außerirdischen Intelligenz, nachdem 12 Raumschiffe an verschiedenen Orten der Welt „Station“ bezogen haben. Das Militär baut am amerikanischen Landeplatz eine Basis auf und holt einen Physiker und eine Linguistin als Leiter eines Forschungsteams herbei, um eine Verständigung mit den Aliens herbeizuführen. Hinter der Glaswand sind die tintenfischartigen Aliens in einer nebligen Atmosphäre zu sehen. Die Glaswand ist gleichzeitig Projektionsfläche des Austausches von „Schriftzeichen“. 

Es ist sowieso schon einmal generell lobenswert, wenn ein SF-Film als Konfliktlösungsstrategie keine sinnlose Ballerei anbietet. Dieser Film punktet – abgesehen von der ethnologischen Herangehensweise - aber auch visuell.


Fatih Akin's Film Aus dem Nichts handelt von einem Terroranschlag der Rechten Szene in Deutschland auf ein kleines Büro, das Migranten hilft. Die Ehefrau kommt zum Tatort, sieht die Zerstörungen, bricht zusammen. 

Die mutmaßlichen Täter werden später gefasst, es kommt zum Gerichtsprozess, sie werden frei gesprochen, und die Frau sinnt danach auf biblische Rache, die sie in fatalistischer Manier umsetzt. 

Dieser Film lebt von der spannenden, authentisch wirkenden Inszenierung – auch des Gerichtsprozesses - und seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger, die gewohnt überzeugend agiert.


Yesim Ustaoglu's Film Clair Obscur spielt an der türkischen Schwarzmeer-Küste und handelt einerseits von einer jungen, modern erzogenen Psychiaterin, die in gehobenem Ambiente eine sexuell intensive Beziehung mit einem Mann pflegt, auf der anderen Seite von einer noch jüngeren Frau, die mit einem älteren Mann zwangsverheiratet wurde und mit ihm und der kranken Schwiegermutter in einem schäbigen Häuserblock wohnt. 

Die Geschichten laufen zusammen, als Mann und Schwiegermutter in der Wohnung sterben, die Frau traumatisiert zusammenbricht und in die Psychiatrie eingeliefert wird. 


Dieser Film, der düstere Untertöne hat, ist mit beeindruckender Intensität erzählt – und das gilt auch für die Trauma-Behandlung. 

Cédric Klapisch's Film Der Wein und der Wind spielt in der Weinanbau-Gegend Burgunds. Der Film handelt vom Wein, vom Wein kosten, aber auch von Rivalitäten zwischen Weinbauern und familiären Problemen und Wein-Ritualen. 

Drei Geschwister. Der Tod des Vaters naht, einer der Brüder kommt nach 10 Jahren rechtzeitig aus Australien zurück. Der Vater stirbt, und die drei Geschwister müssen über die Zukunft des Hofes entscheiden, ohne zunächst Einigkeit zu erzielen. Weiterführen, verkaufen? 

Es ist ein weitgehend harmonisch-natürlicher Film, der schön anzusehen ist. 

John Madden's Film Die Erfindung der Wahrheit erzählt von einer Profi-Lobbyistin (Jessica Chastain), die mit ihrem Team, das sie wie Schachfiguren leitet, für die Waffenindustrie arbeiten soll, aber kündigt, gleichzeitig den Großteil des Teams mit abwirbt und zur Gegenseite wechselt. 

Nach den ersten lobbyistischen Siegen der Frau, fängt die Waffenindustrie an, schmutzige Wäsche zu waschen und zerrt sie vor einen Untersuchungsausschuss. Aber die Frau und ihr Team sind gut vorbereitet und verursachen einen pressewirksamen Skandal um die Waffenindustrie. 

Insbesondere Frau Chastain kann in ihrer Rolle hier stark beeindrucken. 


Petra Volpe's Film Die göttliche Ordnung spielt in der Schweiz im Jahr 1971, als das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Ein Bergdorf steht im Mittelpunkt. Aus der Perspektive einer dort ansässigen Ehefrau und Mutter (Marie Leuenberger) wird geschildert, wie und warum sich diese Frau plötzlich aktiv für das Frauenwahlrecht einsetzt und welche Widerstände in den verbohrten Köpfen der Männer zu überwinden sind. Nebenbei geht es auch noch um die sexuelle Revolution. 

Das ist ein toller Film, auch weil er zeigt, wie schwierig es ist und wieviel Mut es braucht, Traditionen zu brechen, die oft von den Frauen auch selbst gelebt werden und welche Mechanismen dazu führen, dass Traditionen in festgefügten Gemeinschaften immer weiter fortgeschrieben werden. 


In Tarik Saleh's Kairo-Polizeidrama Die Nile Hilton Affäre muss ein Polizist im Offiziersrang, der auch nur durch Beziehungen an seinen Job gekommen ist, erkennen, wie korrupt und verkommen das ganze System ist. Als eine bekannte Sängerin in einem renommierten Hotel ermordet wird, wird er zwar zunächst mit Ermittlungen beauftragt, doch diese werden schnell eingestellt und der (absurde) Selbstmord der Frau festgestellt. Doch der Polizist hat eine Spur und ermittelt weiter. 

Der Film ist sehr spannend gemacht, wirkt authentisch und führt durch ein düsteres, übervölkertes und schmutziges Kairo, in dem die Korruption alle Schichten der Gesellschaft und insbesondere die Behörden und hier den Polizeiapparat bis unter die Kopfhaut erfasst hat und wo unliebsame Personen und Zeugen im Zweifelsfall durch bezahlte Killer ausgeschaltet werden.


Der erste Tahiti-Aufenthalt (Ankunft 1891) des berühmten französischen Malers Paul Gauguin bildet den Schwerpunkt von Edouard Deluc's Film Gauguin. Der Maler war ungefähr zwei Jahre dort, lebte in einer fragilen Holzhütte irgendwo primitiv am Strand, malte viel, musste sich das Geld für das Material etc. aber meist leihen, später schwere Aushilfsarbeiten annehmen, meist am Hafen. Gesundheitliche Probleme hatte er auch. 

Aber er besorgte sich eine junge Frau, die fortan sein Modell und seine Geliebte ist. Das Mädchen gibt ihm zunächst erheblich Auftrieb, doch später hat die Geliebte andere Liebhaber und nach zwei Jahren ist Gauguin psychisch und gesundheitlich so zerrüttet, dass er entscheidet, zurück nach Frankreich zu gehen. 


Der Film zeigt tolle Tahiti-Bilder und ist auch sonst recht ansprechend in Szene gesetzt, ohne viel Kitsch, aber vielleicht auch mit etwas zu wenig Mut zu drastischeren Szenen. Und er lebt von der schauspielerischen Leistung Vincent Cassel's als Gauguin.


Rupert Sanders' Film Ghost in the Shell ist stilistisch ein typischer Cyber-Punk-Streifen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine junge Frau (Scarlett Johansson), genauer gesagt ein Cyborg, ein menschliches Gehirn in mechanisch konstruiertem sehr leistungsfähigen Frauenkörper. Sie wird gegen Cyber-Kriminelle eingesetzt, die ihrer Firma zusetzen. Doch nach und nach wird ihr klar, dass ihre Erinnerungen gefälscht sind und die Gegner möglicherweise ihre Freunde sind, während die Firma ein falsches Spiel inszeniert hat. 

Der Film kommt in hervorragendem Look daher, vielleicht etwas zu bombastisch. Die Szenerien sind exquisit, zumal sie zum Teil im nebulösen Cyberspace spielen. Gewalttätige Auseinandersetzungen sind zahlreich.


Matti Geschonneck's Film In Zeiten des abnehmenden Lichts erzählt vom 90. Geburtstag eines hochdekorierten und etwas alzheimergeschädigten Alt-Stalinisten (gespielt von Bruno Ganz) in Ost-Berlin 1989. Anläßlich dieses Ereignisses kommen die näheren Verwandten, aber auch Funktionäre der Partei, Delegationen von Kombinaten oder sein Hausarzt zu der altehrwürdigen Villa, wo der Mann mit seiner Frau und der Haushälterin wohnt. 

Das Fest wird zum Desaster, noch bevor das Bankett eröffnet wird, weil die heile Welt im Familienclan gestört ist und der Nazi-Bankett-Tisch mit den ganzen Speisen drauf vorher zusammenbricht.

Die Skizzierung des Milieus gefiel mir – und auch die SchauspielerInnen überzeugen in ihren Rollen. 


Mike Mills' Film Jahrhundertfrauen erzählt von einem Teenager, dem im kalifornischen Santa Barbara im Jahr 1979 beigebracht werden soll, ein gut erzogener Mann zu werden. Seine alleinerziehende Mutter guckt dafür die beiden Mitbewohner im Haus (alt-Hippie und Punk-Lady) und das von kleinauf ihm bekannte Mädchen aus gemeinsamen Kindertagen aus. 

Es wird viel philosophiert über Erziehung, geredet über Sex und Rockmusik, Clubs werden besucht, Erfahrungen gemacht. 

Insgesamt ein atmosphärisch sehr gelungener Film mit einer sehr überzeugenden Annette Bening als Mutter.


ldikó Enyedi's ungarischer, in mancher Hinsicht beeindruckender Film Körper und Seele spielt überwiegend auf einem Schlachthofgelände. Hier arbeiten auch Frauen. Eine davon, von grazil-zerbrechlicher Schönheit, ist neu eingestellt als Lebensmittelkontrolleurin. Ihr merkwürdig steifes, klinisch akkurates Auftreten, das sie auch zu Hause zelebriert, bringt sie bald in eine Außenseiterposition. Wenig später werden Potenzmittel (für die Stiere) aus dem Medikamentenschrank gestohlen und im dortigen Raum randaliert, meist sind es Schmierereien.

Die Polizei wird eingeschaltet und diese beauftragt mit Einverständnis des Chefs eine Psychologin, die die gesamte Belegschaft des Schlachthofs untersuchen soll. Diese ist attraktiv. Speziell die Schlachter, sowieso testosterongesteuert, sind irritiert von diesen beiden Frauen. Die Psychologin beginnt ganz cool die Einzelgespräche mit dem Personal, alle Gespräche werden mit Recorder aufgenommen. 


Später werden alle nach ihrem letzten Traum gefragt. Der Chef erzählt, er sei ein Hirsch gewesen und hätte gemacht, was Hirsche eben so machen im Wald. Der Film zeigt, was die Hirsche da machen. Die Lebensmittelkontrolleurin erzählt, sie sei eine Hirschkuh gewesen und inhaltlich ungefähr dasselbe wie der Mann. Die Psychologin ist erst irritiert, dann empört. Sie spielt später den beiden die aufgenommenen Protokolle vor.

Später kommen sich Chef und Lebensmittelkontrolleurin näher, wollen zu Hause auch „zusammen einschlafen“. Die Psychologin überführt den Täter. 


Ein gelungener Film, man kann verstehen, dass er den Goldenen Bären in Berlin gewonnen hat. Aber, man muss Blut sehen können, sehr viel Blut – und nicht nur, wenn den Rindern im Schlachthof der Kopf vom Leib getrennt wird.


Kenneth Lonergan's Film Manchester By The Sea spielt überwiegend in dem gleichnamigen verschlafenen Städtchen, das an der Ostküste der USA nordöstlich von Boston liegt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mann (Casey Affleck), der in diesem Städtchen lange gelebt hat und gezwungenermaßen aus Boston, wo er als Hausmeister arbeitet, dorthin vorübergehend zurückkehren muss, um die Angelegenheiten zu regeln, als sein Bruder an Herzversagen stirbt. Gleichzeitig sieht er sich gezwungen, die Vormundschaft für seinen jugendlichen Neffen zu übernehmen. 

Tod, Trauer, Wut, Freundschaft und Familienschicksale verhandelt der in melancholischen Untertönen daher kommende Film gekonnt. In Rückblenden, die eine traumatische Geschichte offenbaren, wird deutlich, warum er dort nicht mehr leben will. 


Der Film Meine glückliche Familie von Nana Ekvtimishvili & Simon Groß spielt in Georgiens Hauptstadt Tiflis/Tbilisi und handelt von einer Frau, die in beengten Verhältnissen zusammen mit ihren Eltern, ihren Kindern und dem Ehemann dort in einer Wohnung lebt. Im Laufe der Jahre hat sie davon dann allerdings die Nase voll davon, verkündet ausziehen zu wollen und setzt das um, um alleine in einem anderen Viertel in einem Plattenbau zu leben. 

Unter georgischen Verhältnissen ist das ein Affront, aber die Kontakte mit ihrer Familie, die nix verstehen will und Angst hat, das Gesicht gegenüber den Nachbarn und Bekannten zu verlieren, reißen nicht ab. Man kommt sich wieder näher, aber die Frau beharrt standhaft darauf, auch zukünftig in jedem Fall alleine wohnen zu wollen. 


Der Film gibt einen guten Einblick in georgische Familienverhältnisse und zeigt nebenbei auch schöne Bilder aus dieser interessanten, etwas marode wirkenden Stadt. Das Ende des Films könnte weniger abrupt sein. 

Der Film Mr. Long des japanischen Regisseurs Sabu ist einer von jener Sorte, in der die Spannbreite zwischen emotional berührenden Szenen und großer Brutalität und Tragik sehr groß ist. Erzählt wird von einem taiwanesischen Killer, der sich nach einem verpatzten Auftrag in Japan erheblich verletzt in eine verfallene Siedlung einer kleineren japanischen Stadt retten kann. Dort entdeckt ihn ein Junge, der ihm nach und nach Wasser, Medikamente und Verbandszeug und Sachen zum Essen bringt.

Doch das Gemüse ist roh und so sucht sich der Mann in einer der verlassenen Wohnungen eine Kochnische, um die Sachen aufzubereiten. Einige JapanerInnen entdecken seine Kochkünste und laden ihn ein. Später wird ihm eine schiebbare mobile Küche quasi aufgedrängt, mit der er zu geeigneten Orten in der Stadt aufbrechen kann, um Nudelessen zu kochen und zu verkaufen. Der Junge zieht mit ihm los und hilft in der Kleinküche. 


Später hilft auch die Mutter des Jungen mit, aber zuvor muss er sie von ihrer Heroinsucht zwangsbefreien. Sie beginnen eine zarte Beziehung, doch die Frau kommt bald zu Tode, als sie von ihrem Dealer entdeckt wird. Der Killer/Koch muss realisieren, dass auch er „entdeckt“ wurde von der mafiösen Bande, deren Chef er töten sollte. Sie zerstören seine mobile Küche und schlagen die NachbarInnen, die das verhindern wollen. Es kommt zu einem Showdown, eine japanische Italo-Western-Variante, die weitgehend mit Messern ausgetragen wird. Mit großen Augen schauen die NachbarInnen zu, wozu der Koch fähig ist. 

Ein beeindruckender Film, der auch viel vom Leben und den Sitten in einer kleinen japanischen Stadt zeigt. 

In Tom Ford's Thriller Nocturnal Animals bekommt eine beruflich erfolgreiche Frau (Amy Adams) überraschend den ersten, ihr gewidmeten Roman ihres Ex-Mannes zugesandt und gerät beim Lesen des Buches psychisch aus dem Gleichgewicht, da sie sich und ihre Tochter als Teil der brutalen Handlung wiedererkennt. 

Verfilmt ist zu einem Großteil auch das, was sie liest, der Film wechselt daher häufiger unvermittelt zwischen ihrem realen Leben und der Buchgeschichte und wahrscheinlich auch noch zu einer dritten Ebene, die Erinnerungen an ihre Beziehung mit dem Mann sind.


Die Buchgeschichte sorgt für die Thriller-Elemente des Films. Sie handelt davon, dass die junge fiktive Familie auf einer einsamen nächtlichen Straße in die Gewalt von Bösewichten fällt, die ihr Auto an den Straßenrand abgedrängt und nichts Gutes im Sinn haben. 


Es ist ein spannender, beunruhigender Film mit Tiefgang auch in den Dialogen, dessen Schlusspointe zu gefallen weiss. Normalerweise bin ich allerdings kein Fan von Psycho-Thrillern, weder in Buch- noch in Filmform.


In Jim Jarmusch's Film Paterson spielt eine kleine Dogge mit subversiven Charakter eine Hauptrolle. Ansonsten handelt der Film im Grunde nur vom Leben eines Busfahrers in einer amerikanischen Kleinstadt, das eine Woche lang „beobachtet“ wird. Es ist aber kein Dokumentarfilm. 

Das Leben des Busfahrers ist „eingefahren“. Er hat eine schöne Frau, sie leben in einem Häuschen, werktags steht er jeden Morgen gegen 06:15 Uhr auf, schmust zuvor etwas mit seiner Frau, frühstückt immer das gleiche Zeugs, geht zu Fuß zur Arbeit, schreibt im Bus noch etwas an seinen Gedichten, bevor der Busdienst beginnt.

Abends kommt er nach Hause, seine Frau zeigt ihm ihr Tageswerk (sie malt, backt, gestaltet die Wohnung), sie essen, dann führt er das Hündchen aus, parkt es meist vor der Stammkneipe, trinkt dort ein paar Bier, trifft andere Gestalten, bevor es wieder nach Hause geht. 


Sehr harmonisch. Mir gefielen auch die Bilder aus der Stadt Paterson, u.a. gibt es schmucke alte unsanierte Industriebauwerke zu sehen. 

Sonja Maria Kröner's Film Sommerhäuser erzählt von einer Familie, die Mitte der 1970er Jahre anläßlich des Todes einer Oma in einem großen Garten zusammenkommt. Viele Enkelkinder sind auch dabei. Der Garten mit seinen uralten Bäumen, Baumhäusern und Wildnis-Gebieten hat seine Geheimnisse und birgt Gefahren. Der Film nimmt mal die Persektive der Kinder, mal die der Erwachsenen ein.

Auch wenn die Zusammenkünfte im Garten Konflikte offenbaren, zumal zu entscheiden ist, was nun weiter mit dem Haus und dem Garten geschehen soll, ist es Verdienst der Regisseurin, aus dem Film keine Soap gemacht zu haben. Das natürliche Spiel der DarstellerInnen erinnert vielmehr an einen französischen Film. 


Danny Boyle's Fortsetzung T2 Trainspotting spielt – logisch – etwa 20 Jahre später. Die Protagonisten von Teil 1 haben sich zum Teil gezwungenermaßen auseinander gelebt, aber nun treffen sie sich wieder und führen Verschiedenes im Schilde, u.a. die Kollegen umzulegen oder mit EU-Geldern ein altes Gebäude zu restaurieren und als Bordell zu betreiben. 

Gelernt haben sie nicht viel inzwischen, vielmehr sind sie offensichtlich dieselben schräg-chaotischen Typen mit einem gewissen Hang zu Drogenexzessen und Gewalttätigkeiten. Außerdem erzählen sie sich mitunter Geschichten von früher (aus Teil 1). 

Es gibt etliche boshaft-witzige Szenen im Film. 

In Colm McCarthy's apokalyptischen Zombie-Film The Girl With All The Gifts steht ein Mädchen im Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist – wie die anderen Kinder - infiziert und gefährlich, wenn sie Blut riecht. Die Menschen auf der Militärstation können sich mit einem Spray vor ihrem Blutgeruch schützen, haben im Übrigen aber nur Umgang mit den Kindern, wenn diese an einen Rollstuhl gefesselt sind. Doch die Militärstation wird bald überrannt und einige wenige Personen können mit einem Militärlaster fliehen. Das Mädchen gehört dazu, weil die Lehrerin sie schützt. 

Sie fahren nach London, das voller herumstehender Zombies ist, die nur aus der Lethargie erwachen, wenn sie Blut riechen. Schlechte Zeiten für Hasen, Hunde, Katzen.

Das Mädchen wird von seinen Fesseln befreit, denn sie wird als Kundschafterin und Helferin gebraucht. 


Sie hilft … zunächst, doch sie weiss, dass sie anders ist als die letzten Menschen. Der Film ist toll, aber nix für Zartbesaitete. 

Na Hong-jin's Film The Wailing – Die Besessenen spielt in einem kleineren Ort in den Bergen Süd-Koreas. Zwei mäßig talentierte Polizisten, die gewöhnlich nur mit kleineren Fällen zu tun haben, sind völlig überfordert, als Leute anfangen durchzudrehen, ein zombieartiges Verhalten zeigen und ihre Familienmitglieder ermorden. Man bringt die Situation sehr bald mit einem Japaner in Zusammenhang, der nahebei in den Bergen in einem schwer zugänglichen Haus wohnt. Man findet dort seltsame kultige Gegenstände und Photos von den Toten, kann den Japaner aber nicht dingfest machen. 

Weitere Morde geschehen, auch die kleine Tochter des einen Polizisten zeigt seltsames Verhalten und Anzeichen von Besessenheit. Ein Schamane wird engagiert, um Schlimmeres abzuwenden. Es kommt zu exorzistischen Ritualen mit Tieropfern etc. Auch der Japaner, versteckt in einer Höhle, bemüht Beschwörungen und Rituale. Der Showdown ist blutig. 


Der Film besticht durch überzeugende Schauspieler (Koreaner mit schreckgeweiteten Augen machen sich ganz gut), eigentümliche Dialoge und eine fremdartig-düstere Atmosphäre, wozu mitunter auch die heftigen Gewitter mit strömenden Regen beitragen. Die Schauplätze sind „eine Schlachtplatte“, Gewaltexzesse sieht man dagegen kaum im Film. 


Valeska Grisebach's Film Western
spielt in den bulgarischen Bergen nahe der griechischen Grenze. Der Film handelt von einem deutschen Bauarbeiter-Trupp, der dort erste Arbeiten für ein Wasserkraftwerk machen soll. Doch die Arbeiten gehen
nur schleppend voran, weil Materialien und Wasser fehlen. Viel Freizeit, man kommt in Kontakt mit den Einwohnern eines benachbarten Dorfes. 

Es kommt zu Spannungen. Und wie es in machomäßig auftrumpfenden Bauarbeitertrupps so üblich zu sein scheint, gibt es auch unterschiedliche Einstellungen der Protagonisten und hieraus resultierende Spannungen untereinander. 


Der Film ist eine Studie über „Kulturkontakt“, wie er zustande kommt, wie und warum Konflikte entstehen, was passiert oder passieren kann, wenn eine Gruppe Männer in eine abgelegene Gegend verpflanzt wird und in der Nähe ein Dorf mit Frauen, Läden etc. ist – und man sich nur sehr mühsam über Sprache verständigen kann. Und das sehr authentisch-glaubwürdig in einem EU-Fall zu schildern, ist der
Regisseurin gut gelungen. 

57 Jahre nach der Einführung der Antibabypille und nachdem diese Erfindung im Weltmaßstab völlig unzureichend erfolgreich war, schaffte es der norwegische Regisseur Tommy Wirkola mit seinem in naher Zukunft angesiedelten und z.T. in Bukarest gedrehten SF-Film What Happened To Monday? mal wieder, das vergessene Thema „Überbevölkerung“ in einem dystopischen Science Fiction anzugehen. Natürlich ist es eine Diktatur, die sich dem Thema annimmt und die Ein-Kind-Politik verkündet. Die dennoch überschüssig geborenen Kinder und Personen sollen zwangseingefroren werden. 

Der Film zeigt die Menschenmassen in einer Mega-Metropole und den Überwachungsstaat, der an „1984“ erinnert. Überall Identitätsscanner. 


Der Film handelt von Siebenlingen, die der Vater den Behörden verheimlicht und in der Wohnung heimlich groß zieht. Die Mädchen erhalten die Namen Monday bis Sunday und lernen als eine einzige Person aufzutreten, von der jede einmal die Woche Ausgang hat. Die Lektionen, die der Vater erteilt, können brutal sein, doch ca. 25 Jahre lang geht das gut.

Eines Tages fliegen die jungen Frauen (Noomi Rapace) dennoch auf, als Monday verschwindet und müssen fortan um ihr Leben kämpfen. Insgesamt ein interessanter, kurzweiliger Film. Qualitative Abstriche wegen zu viel Brutalität und Action in der zweiten Hälfte des Films sind aus meiner Sicht dennoch zu verzeichnen. 

Österreich hat als Filmland einen ähnlich schräg-kauzigen Ruf wie Island oder Finnland. Josef Hader's Film Wilde Maus ist so eine Sorte Film. Erzählt wird von einem Musikredakteur (Josef Hader) in Wien, der nach über 20 Jahren seinen Job bei der Zeitung verliert („Ihre Leser sind längst tot“, meint der Geschäftsführer).
Gleichzeitig setzt ihn seit geraume Zeit auch seine Frau im Bett unter Druck, zumal sie ein Kind will. 

Der Musikkritiker dreht mental durch, verheimlicht seiner Frau die Kündigung, geht weiter angeblich zur Arbeit und kommt auch spät abends erst heim, da er spontan mit finanzieller Beteiligung ins Achterbahngeschäft auf der Kirmes eingestiegen ist. Gleichzeitig verfolgt seine subversiven Rachephantasien gegenüber seinem Ex-Chef, demoliert das Auto, nimmt Schußwaffenunterricht, verfolgt ihn bis in den Urlaub. 


Der Film ist recht amüsant, mit kauzig-anarchistischen Szenen und ironisch gefärbten üblen Wahrheiten. 

Das Odeon ist seit 2009 das von mir meistbesuchte Kino in Köln. Auf die Plätze 2 und 3 sind im Jahr 2017 Cinenova und Cinedom gerückt und haben hier gegenüber dem Vorjahr Filmpalette und OFF verdrängt. 


Mittwoch, 27. Dezember 2017

Im Kino: Clair Obscur und andere Filme

Yesim Ustaoglu's Film Clair Obscur spielt an der türkischen Schwarzmeer-Küste und ist einer jener typischen Filme, die die sehr unterschiedlichen, oft herkunftsbedingten sozialen Entwicklungen im türkischen Geschlechter-Verhältnis thematisieren.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht auf der einen Seite eine junge, modern erzogene Psychiaterin, die in gehobenem Ambiente eine sexuell intensive Beziehung mit einem Mann pflegt, auf der anderen Seite eine noch jüngere Frau, die mit einem älteren Mann zwangsverheiratet wurde und mit ihm und der kranken Schwiegermutter in einem schäbigen Häuserblock wohnt.

Die Geschichten laufen zusammen, als Mann und Schwiegermutter in der Wohnung sterben, die Frau traumatisiert zusammenbricht und in die Psychiatrie eingeliefert wird.

Dieser Film, der düstere Untertöne hat, ist mit beeindruckender Intensität erzählt – und das gilt auch für die Trauma-Behandlung. Das zeigt mal wieder, dass manche RegisseurInnen des türkischen Films längst das europäische Spitzenniveau erreicht haben.

Ergreifend wird der Film durch das Spiel seiner Hauptdarstellerinnen“, meint epd-film.

Carine Tardieu's Film Eine bretonische Liebe erzählt vom Beziehungswirrwarr um einen Mann, der erfährt, dass „sein Vater“ gar nicht sein Vater ist, dessen Tochter schwanger ist, aber zunächst nicht ihren Lover nennen will und einer attraktiven Ärztin, die er zwar nur zufällig kennen lernt, mit er aber verwandt sein könnte. Der Film ist zwar einigermaßen ansprechend inszeniert, hat liebevolle Charaktere, bleibt aber aufgrund des komplexen Gefüges zu sehr an der Oberfläche und löst alle Konflikte in Wohlgefallen auf.

Besonders Cécile de France als Ärztin kann mit ihrem spröden Charakter überzeugen, während der Soundtrack des Films mit nervigen Operngesängen unterirdisch ist.

Eine Geschichte, die so unrealistisch und romantisch ist, dass man sie unbedingt wahrhaben will“, meint t-online.

In Claire Denis' Film Meine schöne innere Sonne spielt Juliette Binoche eine Frau auf der Suche nach einer perfekten Beziehung. Sie hat diverse Liebhaber an der Hand bzw. wird immerfort von neuen Kandidaten mehr oder weniger subtil angebaggert. Ein typisch französischer Beziehungsfilm. Aber das viele „Gequatsche“ in gehoben situiertem Milieu kann in diesem Fall streckenweise ernsthaft nerven.

Und als die Dame am Ende des Films dann auch noch zu einem Wahrsager geht, um die Chancen und Risiken ihrer Beziehungskisten ausloten zulassen, ist der Bogen dann endgültig überspannt.

Man könnte die Geschichte als Abrechnung mit einer Kultur-Schickeria und im weiteren Sinne einer bürgerlichen Gesellschaft verstehen, die ausschließlich an der Optimierung ihres ohnehin privilegierten Lebens arbeitet“, sagt die zeit.

Wie schafft es Frau Binoche nur, maximal „wie 40“ auszusehen, obwohl sie 53 Jahre alt ist?

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Clair Obscur: ja, vielleicht.
Eine bretonische Liebe: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Meine schöne innere Sonne: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Samstag, 23. Dezember 2017

Im Kino: Aus dem Nichts und andere Filme

Fatih Akin's Film Aus dem Nichts handelt von einem Terroranschlag der Rechten Szene in Deutschland auf ein kleines Büro, das Migranten hilft. Die Ehefrau kommt zum Tatort, sieht die Zerstörungen, bricht zusammen. Die mutmaßlichen Täter werden später gefasst, es kommt zum Gerichtsprozess, sie werden frei gesprochen, und die Frau sinnt danach auf biblische Rache, die sie in fatalistischer Manier umsetzt.

Dieser Film lebt von der spannenden, authentisch wirkenden Inszenierung – auch des Gerichtsprozesses - und seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger, die gewohnt überzeugend agiert.

Ein „Film, der sich mit Haut und Haar der Opferangehörigenperspektive verschreibt und seine Haltung mit großer Klarheit vertritt“, meint epd-film.

Der berühmte französische Maler Paul Gauguin kam viel rum. Sein erster Tahiti-Aufenthalt (Ankunft 1891) bildet den Schwerpunkt von Edouard Deluc's Film Gauguin. Er war ungefähr zwei Jahre dort, lebte in einer fragilen Holzhütte irgendwo primitiv am Strand, malte viel, musste sich das Geld für das Material etc. aber meist leihen, später schwere Aushilfsarbeiten annehmen, meist am Hafen. Gesundheitliche Probleme hatte er auch.

Nichtsdestotrotz entschied er, gegen jeden ärztliche Rat per Pferd in die Berge zu reiten und bringt von dort ein 13-jähriges Mädchen mit (lt. wikipedia), das fortan sein Modell und seine Geliebte ist. Seine berühmten Südsee-Bilder zeigen auch sie. Das Mädchen gibt ihm zunächst erheblich Auftrieb, doch später hat die Geliebte andere Liebhaber und nach zwei Jahren ist Gauguin psychisch und gesundheitlich so zerrüttet, dass er entscheidet, zurück nach Frankreich zu gehen. Hier endet der Film.

Der Film zeigt tolle Tahiti-Bilder und ist auch sonst recht ansprechend in Szene gesetzt, ohne viel Kitsch, aber vielleicht auch mit etwas zu wenig Mut zu drastischeren Szenen. Und er lebt von der schauspielerischen Leistung Vincent Cassel's als Gauguin.

Zum ersten Mal wird hier mit einem geschichtlich ehrlichen, postkolonialen Blick auf die von Wasser und Reis geprägten Aussteigerjahre Gauguins geschaut“, meint kino-zeit.

William Oldroyd's Film Lady Macbeth in Anlehnung an eine alte russische Novelle von Nikolai Leskow handelt von einer jungen Frau, die mit dem Sohn eines Minenbesitzers verheiratet wird. Dieser ist jedoch impotent und kalt, und die Dame – quasi gefangen auf einem abgelegenen britischen Landgut – beginnt in dessen Abwesenheit bald eine stürmische Affäre mit einem Landarbeiter. Natürlich fliegt die Affäre auf.

Doch die Frau möchte ihre Liebschaft um jeden Preis aufrecht erhalten, räumt ihre Gegner eiskalt aus dem Weg. Der Landarbeiter ist seiner neuen Rolle als Gutsherr mental jedoch nicht gewachsen.

Ich selbst fand den Film zu artifiziell in Szene gesetzt, und der Hauptprotagonistin nimmt man ihre Wandlungen auch nicht ab. Es gibt jedoch auch viele gute Kritiken zum Film.

Letztlich ist es unverkennbar Klassenkampf, der hier brutal im Ehebett ausgetragen wird“, meint der mdr.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Aus dem Nichts: ja, vielleicht.
Gauguin: ja, vielleicht.
Lady Macbeth: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Samstag, 11. November 2017

Im Kino – Sommerhäuser und andere Filme

Sonja Maria Kröner's Film Sommerhäuser erzählt von einer Familie, die Mitte der 1970er Jahre anläßlich des Todes einer Oma in einem großen Garten zusammenkommt.

Viele Enkelkinder sind auch dabei. Der Garten mit seinen uralten Bäumen, Baumhäusern und Wildnis-Gebieten hat seine Geheimnisse und birgt Gefahren.

Der Film nimmt mal die Persektive der Kinder, mal die der Erwachsenen ein.

Auch wenn die Zusammenkünfte im Garten Konflikte offenbaren, zumal zu entscheiden ist, was nun weiter mit dem Haus und dem Garten geschehen soll, ist es Verdienst der Regisseurin, aus dem Film keine Soap gemacht zu haben. Das natürliche Spiel der DarstellerInnen erinnert vielmehr an einen französischen Film.

Ein stimmiges Familienporträt, eine Choreografie des Kleinkriegs zwischen Geschwistern, Tanten und Schwägerinnen, den ein finaler Schlag abrupt beendet“, meint epd-film.

Tomas Alfredson's Film Schneemann nach einem Roman von Jo Nesbø spielt an diversen norwegischen Orten, die Schauplätze eines Serienmörders sind, der Schneemänner vor/nach der Tat dort gebaut hat. Der Film kommt relativ nüchtern inszeniert daher, wie in Watte gebauscht, und die Psyche des Serienkillers ist doch wohl etwas eindimensional.

Als hätte jemand versucht, die vermeintliche Erfolgsformel skandinavischer Thriller – Winter plus gewaltvolle Morde plus viele Handlungsstränge plus kaputte Hauptfigur – abzuspulen, dabei aber übersehen, dass sich ein guter Film nicht berechnen lässt“, meint kino-zeit. Ja, das ist ganz treffend geurteilt.

Aisling Walsh's Film Maudie erzählt vom Leben der Folk-Art-Künstlerin Maud Lewis, von einer Frau mit rheumatischen Arthritis-Problemen, der in einem kanadischen Küstenort der 1930er Jahre spielt. Von der Bevormundung ihrer Verwandten hat sie bald die Nase voll, zieht aus und als erstbesten Job nimmt sie den einer Haushaltshilfe bei einem mürrischen, analphabetischen und egozentrischen Trödler, Krämer und Fischhändler (Ethan Hawke) an, dessen Haus etwas abgelegen liegt.

Der Mann ist zunächst keineswegs begeistert von ihr und ihrem „malerischen Tun“, weil sie doch im Haus arbeiten soll und achtet zunächst seine Hunde und Hühner mehr.

Aber die Frau (Sally Hawkins) setzt sich durch, und später sieht er ein, dass die naive Malerei, mit der sie gelegentlich auch das Haus „verschandelt“, zusätzliches oder gar mehr Geld einbringt, als seine Arbeit. Sie raufen sich zusammen.

Ein einfühlsamer Film, der vor allem von seinen Hauptdarstellerin lebt. Critic stellt fest: „Eigentlich leben sie einen ziemlich gegenwärtigen Traum vom unabhängigen Mini-Unternehmen, das aus wenig viel macht“.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Sommerhäuser: ja, vielleicht.
Schneemann: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Maudie: tendenziell eher unwahrscheinlich.

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Kommunikation

danke für die rezension.
danke für die rezension.
bonanzaMARGOT - Fr, 23. Feb, 06:04
so ähnlich dachte...
so ähnlich dachte ich mir das auch.
bonanzaMARGOT - Sa, 17. Feb, 12:37
... nein, der Film muss...
... nein, der Film muss noch etwas warten.
Treibgut - Sa, 10. Feb, 12:00
hm. ja. wäre eine...
hm. ja. wäre eine idee. danke! warst du schon...
bonanzaMARGOT - Sa, 10. Feb, 09:31
Dann
... nimm doch "Wind River", hat auch gute Kritiken.
Treibgut - Fr, 9. Feb, 21:03
hat gute kritiken, aber...
hat gute kritiken, aber ist nicht so mein thema.
bonanzaMARGOT - Fr, 9. Feb, 05:09
Kinotipp?
Ich schaue als nächstes evtl. "Der seidene Faden".
Treibgut - Do, 8. Feb, 12:50
in "three billboards..."...
in "three billboards..." waren wir erst letzten sonntag...
bonanzaMARGOT - Do, 8. Feb, 06:08

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