Filmkonserven – Real Humans und andere Filme
Normalerweise schaue ich ja keine TV-Serien, obgleich „The Walking Dead“ Staffel 1 im letzten Jahr schon mal eine Ausnahme war. Lars Lundström's schwedische TV-Serie Real Humans - Echte Menschen (2013) lohnte allerdings, eine zweite Ausnahme zu machen, denn auch diese erste Staffel ist sehr ansprechend. Es geht in dieser Serie um das Zusammenleben von Menschen und künstlichen Menschen (Androiden), die man in Spezial -Warenhäusern kaufen kann, um den Menschen das Leben zu erleichtern.
Wofür man Androiden eben so braucht: Haushaltshilfe, Sex, Altenpflege etc. In dieser Serie ist man so weit, die Androiden auch für einfache Tätigkeiten in Fabriken und Büros einzusetzen.
Angesiedelt in einer noblen und klinisch sauberen Vorstadt-Siedlung, hat die Serie mehrere Handlungsstränge in einer normalen Familie, in verkrachten Beziehungen, aber auch im kriminellen Sektor, da einige Androiden „befreit“ wurden und ähnlich wie im berühmten Film „Blade Runner“ ein selbstbestimmtes gefährdetes Leben führen.
Visuell und intellektuell anspruchvoll werden die diversesten Themen angesprochen einschließlich der Androidenrechte, Religion und Arbeitswelt.
„Das Verrückteste und beste an dieser Serie ist die Normalität der Computermenschenwelt“ und „Das Problem ist nicht die neue Maschine, das Problem ist der alte Mensch“, wie die zeit treffend feststellt.
Krzysztof Kieślowski's französisch-polnischer Film Die zwei Leben der Veronika (1991) sah ich nunmehr zum ersten Mal. Da mir der bedauerlicherweise 1996 verstorbene Regisseur gefiel, versprach dies einen guten Film. Letztendlich ist dies aber ein typisch konstruiert wirkender Art House Film, der zwar auch zu gefallen weiß, aber in seiner ruhigen Machart bereits etwas angestaubt wirkt.
Erzählt wird von einer Frau in Frankreich, die unbewußt eine Seelenverwandtschaft zu einer Frau in Polen verspürt und aus dem seelischen Gleichgewicht gerät, als diese stirbt.
Im Laufe der Geschichte wird klar, dass sie diese Frau früher auch mal getroffen bzw. genauer gesagt photographiert hat, als sie Jahre zuvor in Krakau zu Besuch war.
Der Film punktet mit seiner mittelalterlich inspirierten Filmmusik und seiner schönen sensiblen Protagonistin (Irène Jacob), die die Rolle beider Frauen spielt. Sie gewann damit den Preis für die beste Darstellerin auf den Filmfestspielen in Cannes.
„Manchmal erweckt das Zusammenwirken aus Schauspiel, Kamera und Musik beim Zuschauer gar den Eindruck, einem Traum beizuwohnen“, meint kino-zeit.
Alejandro Jodorowsky's mexikanischer Spielfilm El Topo (1970) gilt als ein Klassiker - „das Meisterwerk für alle Sinne“, meint die filmzentrale. Das möchte ich bezweifeln, denn auch dieser Film wirkt angestaubt und mit dieser Meinung stehe ich sicher nicht alleine da. Ich sah ihn kürzlich im Kino in einer ziemlich rotstichigen Kleinbildfassung, weil es momentan anscheinend so eine Art Jodorowsky-Fieber gibt.
Wovon der Film handelt, ist schwer zu umreißen. Sinnsuche, Rache, Vergebung, Liebe, Mord und Totschlag, Dekadenz der Mächtigen sind Themen. Und alles ist prächtig bizarr und surreal.
Ein Revolverheld zieht durch die Gegend, findet niedergemetzelte Dorfbewohner, sucht die Banditen, bringt diese um, befreit dabei eine Sklavin, die ihn anspornt, in der Wüste nach vier weiteren Revolverhelden zu suchen. Diese leben dort – getrennt voneinander - wie kauzige Einsiedler, mal mit Kaninchen, mal mit Löwe und Frau, mal in einem Turm. Der Revolverheld tötet sie ebenfalls.
Eine weitere Frau betrat die Szene, die Frauen verlieben sich, verletzen den Revolverhelden schwer oder töten ihn. In der nächsten Szene ist dieser eine Art Messias, lebt in einem Höhlenberg mit kleinwüchsigen oder verkrüppelten Menschen zusammen. Er befreit sie, sie stürmen ins Dorf, werden dort fast alle direkt erschossen, woraufhin der Messias die Dorfbewohner erschiesst und sich schließlich selbst richtet.
Wie bildgewaltig und bizarr diverse Szenen auch immer anzusehen sind, die Figuren haben meist keine Seele, sind Statisten, die erschossen werden, und die dramaturgische Umsetzung des Ganzen wirkt auch nicht besonders gekonnt.