Donnerstag, 8. März 2018

Die Klingelanlage


Bei meinem Vater im Haus wurde vor einiger Zeit eine neue Klingelanlage eingebaut. Diese Klingelanlage erlaubt, die Klingel abzuschalten. 

Was normalerweise durchaus einen Sinn machen kann, erweist sich für mich jedoch als Problem. Ich muss mich selbst besser organisieren, was bedeutet, dass ich vor der Fahrt zur Arbeit am Donnerstag überprüfen muss, ob ich die Schlüssel und das Handy wirklich dabei habe, um nach der Arbeit direkt dort hinfahren zu können.

Ich habe für mich entschieden, dass ich von Fall zu Fall entscheiden werde, ob ich überhaupt noch hinfahre, wenn ich die Schlüssel vergessen habe. Wenn ich zusätzlich auch noch mein Handy vergessen habe, werde nicht mehr hinfahren. 


Man kann jetzt darüber spekulieren, ob das Abstellen der Klingelanlage Absicht ist oder nicht. Ja, nein - das ist beides leider keine gute Antwort. Jedenfalls spricht aus meiner Sicht so Einiges dafür, dass der 88-jährige Mann mittelfristig in ein Seniorenheim gehört, ob er will oder nicht. Klapprig und völlig hilflos, da kann man leider nicht mehr viel Anderes machen, wenn er sich - wie in der Vergangenheit - gegen alles (Küchenhilfe etc.) sperrt.

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schlafmuetze - Freitag, 9. März 2018, 09:36

Hallo Treibgut :-)

Immer ein schwieriges Thema.
Zum Lebensende hin, wo sich mancherlei Beschwerden einstellen, die man nicht wahrhaben möchte, fällt es sicherlich total schwer sein letztes bisschen "Freiheit" aufzugeben.
Schöner für euch Angehörigen wäre es, er würde selber die Entscheidung treffen, bevor ihr das für ihn tun müsst. Aber nach dem, was du so berichtest, sieht es da wohl eher schlechter mit seiner Einsicht aus.
Etwas stur, der Herr Papa?
Was sagt denn dein Bruder?
Grüßli

Treibgut - Freitag, 9. März 2018, 22:04

Vater

Hallo Schlafmütze,

mein Bruder sagte mir vor 2,3 Monaten, dass es sein erklärtes Ziel sei, den Vater in eine betreute Einrichtung zu überführen. Er kümmert sich da viel mehr als ich um die Wohnung etc., nur wenn es eben nicht mehr geht (weil der erforderliche Aufwand oder die psychische Belastung zu groß ist), geht es eben nicht mehr. Und ich will/kann das auch nicht machen, also stehe ich voll hinter seinem Ziel.
bonanzaMARGOT - Samstag, 10. März 2018, 08:07

keine leichte sache, - genauer gesagt ein drama, wenn sich die alten verweigern.

Treibgut - Samstag, 10. März 2018, 13:06

Verweigern

Von außen, also auch für dich, lässt sich diese ganze Problematik nur sehr schwierig beurteilen, denn es sind alles Einzelfälle und es gibt unendlich viele Facetten des Problems.

Grundsätzlich hat ja jeder unabhängig vom Alter, der alleine in einer Wohnung lebt und die Miete selbst zahlen kann, das Recht, für sich zu entscheiden, Unabhängigkeit zu wahren, mögliche Bevormundung etc. zu vermeiden und nicht in irgendwelche Formen des betreuten Wohnens zu wechseln. Die Wohnung kann auch ordentlich sein oder das totale optische Chaos herrschen. Alles kein Problem, solange Mindeststandards in Hinblick auf Hygiene und Vermüllung gewahrt werden.

Das Problem entsteht erst dann, wenn die betreffenden Personen schleichend offensichtlich gänzlich hilflos werden und überhaupt nicht mehr kapieren, das ein Problem offensichtlich existiert und warum und wie es zu beheben ist.

Neulich bat mich mein Vater, ihm 50 € zu leihen. Ich antwortete schnippisch, alte Leute hätten ihr Geld doch unter der Matratze versteckt. Keine Ahnung, ob er das verstanden hat. Jedenfalls sagte er, sein Personalausweis sei abgelaufen. Interessant, er kapiert manchmal noch mehr als erwartet. Ansonsten, wir wissen das, eine entsprechende Mitteilung des Ordnungsamtes, dass dies passieren würde, kam schon vor über einem Jahr.........
bonanzaMARGOT - Samstag, 10. März 2018, 16:02

natürlich kann ich eure situation von außen überhaupt nicht einschätzen. drum ließ ich es bei dem einfachen statement, dass solche situationen, wie ihr sie gerade erlebt, schwierig sind - ja, gewisserweise sogar dramatisch für den ein oder anderen beteiligten. damit wollte ich zu verstehen geben, dass ich... in gewisserweise mit dir fühle.
meine eltern starben vor fünf jahren. es war zeitweise dramatisch. erst eine mittlere katastrophe brachte zwangsweise die einsicht bei "den alten". alles auf sie einreden vorher fruchtete nicht.
aus meiner altenpflegeerfahrung wusste ich relativ genau, was auf unsere familie zukommt. trotzdem musste ich letztlich ohnmächtig mitangucken, bis es zur absehbaren katastrophe kam.
ja, du hast recht es ist eine familienangelegenheit. ich war damals froh, dass mein bruder und meine schwägerin (die auch in der pflege arbeitete) die regie übernahmen. ich war emotional (und überhaupt) total überfordert. da spielt auch die familiengeschichte mit rein: das verhältnis zwischen eltern und kindern...
ich war im altenheim oft zeuge von diesen schwierigkeiten. ich machte den kindern nie einen vorwurf, wenn sie ihre eltern bei uns "abgaben" - denn, wie du es sagst: ich wusste doch gar nichts von der vorgeschichte.

also, ich wünsche euch, dass ihr die kraft habt, alles gut miteinander zu überstehen, was auf euch zukommt.

so long.
Treibgut - Samstag, 10. März 2018, 17:15

Long

Ja, dies zu diskutieren, macht lange Kommentare erforderlich und man - ich auch - möchte die Freizeit vielleicht anders nutzen, weshalb die Diskussion auch nie wirklich erschöpfend wird, weil es einfach Arbeit ist.

Ich möchte nur noch erwähnen, dass auch die externen Lebensumstände eine Rolle spielen. Wir hier leben in einer Großstadt, die Wohnverhältnisse sind beengt. Wenn man in einem Dorf, in einem großen Haus wohnt und vielleicht auch noch die Sozialbeziehungen im Dorf teilweise funktionieren (was heute oft auch nicht mehr der Fall ist), kann man die Dinge bis zu einem gewissen Grad vielleicht optimaler regeln. Bei meinem Vater in seinem gegenwärtigen Zustand könnte man das noch (jedenfalls theoretisch), weil er ruhig ist und nur nichts tut und vor allem keine wirklich seltsamen Sachen tut.
bonanzaMARGOT - Sonntag, 11. März 2018, 06:17

klar kommt es auf das soziale umfeld an. doch das bricht bei vielen alten weg. in der stadt mag sich das möglicherweise beschleunigen. es liegt auch viel an den personen selbst. meine eltern waren nicht so sehr die geselligen typen. sie machten in ihrem häuschen ihr ding und kamen nur zum einkaufen raus. meine stiefoma dagegen ist ein ganz anderes kaliber. die lässt es immer noch krachen, lässt kein fest aus und labert die leute voll. "die wird uns alle überleben", meinte schon damals meine mutter.
wenn sich alte menschen zuhause einigeln, beschleunigt das in aller regel den körperlichen und geistigen abbauprozess. auch darum kann eine unterbringung in einem altenheim sinnvoll sein, weil sie dort (unter umständen) neue soziale kontakte knüpfen und in eine gemeinschaft eingebettet sind, aktivierungs- und unterhaltungsprogrammen zugeführt werden - manche leben dann noch mal auf. sind sie aber erstmal pflegefälle, ist es meist zu spät. das normale altenpflegeheim bietet für diese bewohnergruppe nur eine "satt-sauber-pflege". da muss man realistisch sein.
Treibgut - Sonntag, 11. März 2018, 11:18

... dem kann ich so zustimmen.

Wir sollten den Vater vielleicht ordentlich verpacken und per DHL nach Polen oder Rumänien schicken; da soll die "satt-sauber-pflege" viel besser funktionieren, weil viel mehr Personal vorhanden ist. Ob er hier nicht durchblickt oder dort nicht durchblickt, ist ja nun bald ganz egal.
bonanzaMARGOT - Sonntag, 11. März 2018, 11:24

warum nicht? dort gibt`s altenheime, die speziell auf deutsche kundschaft ausgerichtet sind (und sie sind preiswerter). ich sah mal eine doku dazu. das ist kein scherz.
nur ist`s halt dann etwas weit für spontane oder wöchentliche besuche. es gibt diese angebote übrigens auch in asien. dort könntest du dann im rahmen deiner jährlichen asien-urlaube kurz bei daddy vorbeigucken.
also, da gibt`s vieles abzuwägen...
bonanzaMARGOT - Sonntag, 11. März 2018, 11:34

korrektur

und als insider muss ich leider sagen, dass das mit dem satt und sauber nicht ganz so stimmt.
kommt halt auf die maßstäbe an, die man setzt.
Treibgut - Sonntag, 11. März 2018, 12:03

Wöchentliche Besuche

ICH brauche diese wöchentlichen Besuche nicht. Ich sitze da nämlich einem meist schweigenden Mann gegenüber, dem man jedes Wort mit einem dicken Seil aus der Nase ziehen muss und der von sich aus nichts erzählt bzw. erzählen will oder erzählen kann.

Ich habe es oben zwar etwas ironisch-boshaft geschrieben, aber ich weiss durchaus, dass es sinnige Alternativen zur Nah-Unterbringung gibt. Das ist primär allerdings etwas, was man für sich selbst durchdenken und ggf. regeln sollte.
bonanzaMARGOT - Sonntag, 11. März 2018, 12:25

sowieso ist das eine sache zwischen deinem vater und dir, eurer geschichte.
ich hasste meinen vater viele jahre, weil er meinen bruder in seinem jähzorn eine zeitlang regelmäßig verdrosch, (mich nur zweimal - zu oft).
keine ahnung, aber irgendwann konnte ich trotzdem frieden mit ihm schließen - in mir. was aber nicht heißt, dass ich ihm die schläge (die damit verbundene demütigung) verzieh.
er ging seinen weg. ich sah seine schwäche - und das war unangenehm. trotzdem. er war manchmal ein richtig guter vater...
es ist nicht einfach, ins reine zu kommen. man selbst macht jede menge fehler.

okay, es ist an dir, wie du mit deinem vater in dieser situation umgehen willst... man kann nicht jeden knoten zu lebzeiten lösen.
Treibgut - Sonntag, 11. März 2018, 19:44

... dass mein Vater "manchmal ein richtig guter vater" war, möchte ich auch annehmen. Aber das Bild verblasst, und es besteht kein Anspruch, auf ewig in einer Riesenwohnung zu leben, wenn man nicht mehr klar kommt und jegliche Fremd-Hilfsangebote ablehnt.

Außerdem muss ich noch daran erinnern, dass sich mein Bruder schwerpunktmäßig um die Angelegenheit kümmern will und ich mich deshalb so wenig wie möglich einmischen möchte.
bonanzaMARGOT - Montag, 12. März 2018, 05:02

es ist gut, wenn die rollenverteilung in dieser angelegenheit unter den geschwistern geklärt ist.
natürlich ist das beharren deines vaters irrational, aber für ihn womöglich entscheidend, was seinen stolz und seine integrität angeht - das ist das letzte, was ein mensch verlieren kann.
also wäre es gut, dass die sache über die bühne geht, ohne dass dabei deinem vater das herz gebrochen wird.
ich wünsche euch das beste.
Treibgut - Montag, 12. März 2018, 20:54

Ja

das stimmt zwar, aber wir können und wollen unseren Job nicht aufgeben und auch nicht unsere psychische Gesundheit durch Überlastung, Burnout-Defekte etc. gefährden und wenn sich eine angemessene Pflege nicht in der Wohnung realisieren lässt, muss er eben raus.
C. Araxe - Montag, 12. März 2018, 21:16

Dem stimme ich vollkommen zu. Ab einem gewissen Pflegegrad kann man das nicht mehr wuppen, so schwer einem das auch fällt und man das auch noch so sehr anders möchte.
bonanzaMARGOT - Dienstag, 13. März 2018, 05:11

um gegen den willen deines vaters einen umzug ins altenheim durchzuführen, braucht man erstmal vom vormundschaftsgericht die aufenthalts- und gesundheitsbetreuung... vielleicht hat die ja dein brucher schon erwirkt.
schlafmuetze - Sonntag, 11. März 2018, 16:53

Gibt es bei euch keine "Betreutes Wohnen" Angebote?
Hier - alles etwas ländlicher - wird eigentlich bei jedem zweiten Altenheim oder auch bei Pflegestationen der Gemeinden, diese Wohnform angeboten. Das sind dann kleine, eigene Wohnungen, die die alten Menschen beziehen und dort können sie je nach Bedarf Unterstützung durch Pflegepersonal bekommen.
Keine Ahnung, wie in einer Millionenstadt wie Köln da die Angebote sind.
Da könnte dein Vater für sich selber sorgen, aber im Bedarfsfall Unterstützung bekommen.
Vielleicht könnte er sich damit arrangieren.
Grundsätzlich stimme ich nämlich deiner Meinung zu, das jeder Mensch erst einmal das Recht auf ein eigenständiges Leben nach seinen Vorstellungen hat.
Die Frage ist auch, ob dein Bruder für deinen Vater diese Entscheidungen treffen kann, soll heißen eine gerichtlich bestätigte Betreuerfunktion für ihn ausübt.
Soweit mir bekannt ist, kann man nur dann für den Menschen die Entscheidung darüber treffen, wo er leben soll.
Grüßli :-)

Treibgut - Sonntag, 11. März 2018, 20:20

Betreutes Wohnen

... natürlich gibt es das hier auch, und das ist ja auch der Prozess, der laufen soll - ob in diesem oder im nächsten Jahr, lasse ich mal dahingestellt. Und das wäre alles auch schon längst passiert, wenn Einsicht beim Vater vorhanden gewesen wäre. Das Gerichtsprozedere ist nach meiner Einschätzung in Hinblick auf seinen Zustand kein Problem, wohl aber die Entscheidung, es nun wirklich auch durchzuziehen. Im Grunde stellt sich erst danach die Frage, ob es betreutes Wohnen faktisch gibt (Verfügbarkeit kann in einer Millionenstadt ein Problem sein), welche Qualität es hat, ob wir es zahlen können oder wollen oder ihn verpacken/eintüten und nach Rumänien schicken müssen.

Es gibt Leute, die sind 65 oder 75 und entscheiden sich auf eigene Initiative für solche Formen des Wohnens. Heute, er wird 89, bräuchten wir eine Einrichtung, die einen deutlichen Pflegeaufwand betreiben kann, sonst müsste er evtl. in zwei Jahren wieder umziehen.

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