Im Urlaub habe ich es geschafft, immerhin fast 4 Bücher zu lesen. Kurzweilig waren sie, aber ob man sie kennen sollte, erscheint mir eher fraglich.

Der Brite Alex Garland erzählt in seinem Roman “Manila” (1998) eine philippinische mafiöse Ballergeschichte, die natürlich weitgehend in Manila spielt. In dem Roman werden verschiedene Protagonisten eingeführt und aus ihrem Leben erzählt. Die Handlungsstränge werden in der Ballerei, die einige der Protagonisten zufällig zusammenführt, gebündelt. Sie sind Täter, Opfer oder Zeuge der Ballerei, die sich durch mehrere Stadtteile Manilas hinzieht.
Soweit ich das beurteilen kann, wirken die Geschichte und auch die geschilderten Milieus recht authentisch. Das Besondere an der Geschichte ist wohl, dass die Ballerei nur auf einem Mißverständnis beruht und diverse Protagonisten auch nur zufällig mit hineingezogen werden, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren.
Als ich das Buch gelesen hatte, fragte ich mich doch, warum jemand so ein Buch über gewalttätige Geschehnisse in einer bekanntermaßen gefährlichen Stadt überhaupt lesen sollte - wir haben wenig Berührungspunkte zu einer solchen Geschichte.
Jedenfalls, Garland's berühmten und auch (weniger gut) verfilmten und in Thailand spielenden Roman “Der Strand” (1996) fand ich seinerzeit weitaus interessanter, weil er von Fernweh-Reisenden und ihren Träumen erzählt.

Jack McDevitt's dickleibiger Roman “Spuren im Nichts” (2000) ist waschechte Science Fiction. Der Roman spielt in ferner Zukunft, in der sich die Menschen bereits auf 9 Planeten angesiedelt haben und kurz davor sind, die Suche nach anderen intelligenten Lebewesen aufzugeben, weil sie bis dato nichts gefunden haben. Die Protagonistin der Geschichte, deren Schwester 25 Jahre zuvor spurlos verschwand, kommt jedoch dahinter, dass es einen Kontakt gegeben hat, der aber ausgerechnet von jenen verschwiegen wurde, die sich der Suche nach intelligenten Lebewesen verschrieben hatten. Sie macht sich auf, die Hintergründe der Geschehnisse zu erforschen.
McDevitt's Roman ist über weite Strecken wie ein Krimi-Puzzle aufgebaut, daher ziemlich spannend, manchmal auch unheimlich. Dennoch befriedigte mich die Geschichte und ihre Auflösung nicht wirklich, macht aber vielleicht jenen Hoffnung, die glauben, dass wir nicht allein auf unserer Kugel sind.
McDevitt hat meines Erachtens aber, z.B. mit dem Roman “Gottes Maschinen” (1994), bessere Werke verfasst.

Tash Aw ist in Malaysia aufgewachsen. Seinen in Malaysia angesiedelten Roman “Die Seidenmanufaktur Zur Schönen Harmonie” (2005) fand ich von den vier hier besprochenen Büchern am interessantesten, vielleicht aber auch nur, weil ich gerade in Malaysia war. Der Roman spielt allerdings nicht auf Borneo, sondern weitgehend an der Westküste der malaiischen Halbinsel nördlich von Kuala Lumpur, an Orten wie Ipoh oder Kinta Valley, wo damals die Zinnindustrie ansässig war.
Zeitlich hat das Buch einen Schwerpunkt um 1940, zu einer Zeit also, als die damalige britische Kolonie Malaya in den 2. Weltkrieg verwickelt wird, greift aber auch weiter in die Vergangenheit und die Zukunft aus, weil hier über das Leben von 5 Menschen (eine malaiische Frau, ihr malaiischer Ehemann, zwei Engländer und ein Japaner), ihr Werdegang und ihr gegenseitiges Kennenlernen berichtet wird. Den Schwerpunkt der Geschichte bildet hierbei ein gemeinsamer mehrwöchiger Ausflug mit einem Schiff zu einer mystischen Inselgruppe, die irgendwo vor der Küste liegt.
Der Roman gewährt einen Einblick in die politischen, sozialen und gesellschaftlichen Verhältnisse zur damaligen Zeit, handelt in Zusammenhang mit dem Ausflug aber auch von Liebe, unerwiderte Liebe, Mord und Verrat. Zu kurz kommt auch nicht die Beschreibung des tropischen Klimas zu Zeiten, als es noch keine Aircon gab.
Insgesamt hat das Buch eine relativ düstere Ausstrahlung, da es weniger von Glück als vielmehr von Trauer, Schuld, Melancholie und unterdrückten Trieben handelt.
Ich habe ja irgendwie den Verdacht, dass diese Welle von Vampir-Romanen, die uns seit 1, 2 Jahren jeden Monat neu erschienene Bücher beschert, eine verkappte Variante kitschiger Arzt-Romane ist und wollte das mal überprüfen. Mit der Amerikanerin Lara Adrian haben wir jedenfalls eine dieser AutorInnen, die seit 2007 schon für 5 auf deutsch erschienene Vampir-Romane verantwortlich ist.

Was jedenfalls Adrian's Roman “Gebieterin der Dunkelheit” (2008) betrifft, so ist es auf jeden Fall eine mehr oder weniger poetisch-kitschige Liebesgeschichte mit einigen ausgeprägt pornographischen Elementen, eingebettet in einem Vampir-Mythos. Das Buch ist nicht schlecht, lässt sich flüssig lesen, wirkt aber stilistisch ziemlich mainstreamig. Es fängt gut an mit einer Höhle und einem offenen Steinsarkophag, den eine Frau in den Bergen Tschechiens entdeckt, doch später, nachdem die Frau von einem Vampir entführt wird, ist mir seitenweise zu viel kitschig wirkende und langatmig ausgewalzte Liebesromantik im Text.
Ich nehme an, dass Frau Adrian ziemlich erfolgreich ist und ein Bedarf an dieserart Büchern besteht, sonst würden hier nicht so viele Vampir-Romane (von ihr) veröffentlicht werden. Mir selbst gefällt diese Richtung, die der Vampir-Roman anscheinend genommen hat, im Grunde aber nicht besonders - und schon gar nicht, wenn sich alle diese Vampir-Romane ähneln sollten (muss ich gelegentlich auch noch mal überprüfen, aber manchmal lässt bereits der Klappentext vermuten, dass es kitschige Liebesgeschichten im Vampirgewand sind).
Buchkritiken sind ja gnadenlos subjektiv und können sehr stark voneinander abweichen. Normalerweise kann ein Blick auf Amazon lohnen, weil dort viele verschiedene Meinungen veröffentlicht sein können, z.B. gegenwärtig 35 Kundenrezensionen zur "Gebieterin der Dunkelheit".