Montag, 16. Juli 2012

DVD – Welt am Draht und andere Filme

In den letzten 3 Monaten habe ich kaum eine Film-DVD gesehen. Aber das Wetter ist ja dermaßen schlecht, dass nun doch wieder 2 Filme in den letzten Tagen anfielen und sich mittlerweile ein Beitrag hierzu lohnt.

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Paul Haggis erzählt in dem US-Film Im Tal von Elah (2007) von einem Vater, dessen Sohn zwar aus dem Irak-Krieg zurückgekommen ist, sich aber nicht meldet. Schliesslich wird dessen verstümmelte Leiche gefunden. Die Auswertung digitaler Dokumente (E-Mails, Videos), Kompetenzgerangel zwischen Zivil- und Militärpolizei sowie die Suche nach dem Täter bestimmen das Geschehen im Film. Dem Vater steht dabei eine toughe Polizistin (Charlize Theron) zur Seite.

Der etwas depressiv wirkende Film ist nicht schlecht, hängt vielleicht im Mittelteil etwas durch und weiss im Grunde auch keine wirklich neue Geschichte zu erzählen. Die Botschaft ist, vereinfacht ausgedrückt, dass der Krieg emotionale Wracks hinterlässt. Den “Bemühungen Hollywoods, den Irakkrieg diskursiv zu bearbeiten, fügt der Film dabei wenig Neues hinzu”, sagt denn auch critic.

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Steven Soderbergh's Science Fiction Solaris (2002) – nach einem Roman von Stanislaw Lem – sah ich nunmehr schon zum dritten Mal. Diese Geschichte hat einen interessanten Plot, aber wirklich gut gefallen hat sie mir vermutlich auch immer wegen der sinnlich wirkenden weiblichen Protagonistin (Natascha McElhone). Auf einer Raumstation, die um den Planeten Solaris kreist, spielt sich die Haupthandlung ab. Ein Astronaut sendet einen Notruf, und ein Psychologe (George Clooney) kommt zur Hilfe.

Er findet Tote und psychisch gestörte Astronauten, von denen er kaum Sinniges erfährt. Doch schon in der ersten Nacht, bekommt er Gesellschaft von seiner bildhübschen toten Frau, die neben ihm liegt, als er aufwacht – und ihm wird klar, dass es hier auf der Raumstation ernste greifbare Probleme gibt.

Der Film kann auch als überwiegend düstere Liebesgeschichte betrachtet werden, weswegen Lem diese Verfilmung rigoros ablehnte. Die mitunter gelobte, an “2001” erinnernde visuell-akustische Umsetzung der Weltraumbilder kann auch nerven. Und das Ende des Films muss man nicht unbedingt verstehen. “Dem Zuschauer bleibt es überlassen, sich seinen eigenen Reim auf das Gesehene zu machen”, meinte der spiegel dazu (aber wikipedia kann helfen). Der Film floppte in den USA, aber das ist vielleicht ja auch ein gutes Zeichen. Tarkowskij's Erstverfilmung (1972) des Stoffs ist aus heutiger Sicht nicht unbedingt besser.

Die DVD mit Iva Svarcová's Film Ab ins Paradies (2000) ist schon merkwürdig, eine Raubkopie? Das fängt schon an mit dem Titel, denn der Film lief hier unter dem Titel “Als Großvater Rita Hayworth liebte” im Kino - ganz sicher, ich habe ihn damals nämlich gesehen. Dann steht auf der DVD, der Film wäre in deutsch, ist er aber überwiegend nicht, sondern auf tschechisch (!) und nein – es gibt keine Untertitel.

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Insoweit kann man streckenweise nur erahnen, wovon der Film handelt. Er spielt jedenfalls 1968 und handelt von einer Kleinfamilie, die per Auto der Tschecheslowakei den Rücken kehrt und ins kapitalistische Deutschland dieser Zeit fährt. Sie landen in einem Auffangheim, bekommen später auch eine eigene Bruchbude zugewiesen. Und versuchen im Land der Wunder klarzukommen – mit Rolltreppen und den vielen glitzernden Sachen, die in den Geschäften stehen, aber Geld kosten.

In der Inszenierung überwiegend sentimental und von Erinnerungen eines der Mädchen an ihren Großvater geprägt, kann der Film hier Pluspunkte sammeln. “Mit viel Witz wird hier dem schlitzohrigen Charakter der Böhmen gehuldigt”, meint prisma.

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Ebenfalls zum dritten Mal sah ich nunmehr auch schon Alan Parker's Film Angel Heart (1987) - und finde diesen Film immer noch faszinierend. Es wird von Anfang an eine dunkle unheimlich-mystische Atmosphäre aufgebaut. Das liegt auch an der jazzigen Musik mit den dumpf pochenden Herztönen. Faszinierend fand ich immer schon auch die Bilder von den Treppenfluchten, den rotierenden Ventilatoren und sich bewegenden Fahrstühlen und die damit einhergehenden Schattenspiele, die mit Artefakten aus dem Voodoo-Cult und visuell umgesetzten düster-blutigen Visionen (eigentlich Erinnerungen) verschmelzen.

Die Synthese aus Krimi und Phantastik ist schon sehr innig, so dass der Film beiden Genres gleichermaßen zugeordnet werden kann. Der Plot ist oberflächlich betrachtet sehr einfach: ein Privatdetektiv (Mickey Rourke) erhält in den 1950er Jahren in New York den Auftrag, eine seit vielen Jahren verschwundene Person aufzuspüren. Auf der Spurensuche, die bis nach Louisiana führt, kommen dann nahezu alle Leute, mit denen er spricht, kurze Zeit später ums Leben. Mehr sollte man nicht verraten. Es gibt auch Sexszenen und kauzig-witzige Szenen im Film - letztere beispielsweise in Zusammenhang mit Problemen, die der Hauptprotagonist mit Hühnern hat.

Vom Drehbuch und der Dramaturgie über die Schauspieler bis hin zu den Schauplätzen, der Ausstattung und der Kameraführung stimmt hier nahezu alles”, meint film-noir zum Film, dessen Regisseur leider aus der Kinolandschaft verschwunden ist.

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1973 lief Rainer Werner Fassbinder's Zweiteiler Welt am Draht im TV – ein Film, den ich recht spannend fand, als ich ihn damals sah. Die Geschichte basiert auf Daniel F. Galouye's Roman “Simulacron-3” (1964), einem lesenswerten Cyber-Science-Fiction, der lange vor dem Subgenre Cyberpunk entstand. Erzählt wird im Film von einem Forschungsinstitut, in dem am Computer eine künstliche Welt geschaffen wurde. Doch eines Tages müssen die Protagonisten feststellen, dass sie selbst ebenfalls in einer simulierten Welt leben.

Der Film wirkt heute ziemlich archaisch, die gezeigte Technik oft geradezu skurril. Dem Regisseur merkt man ein gewisses Interesse an großen Autos und auch schönen Frauen an, die oft nur kleine Nebenrollen spielen. Die Schauspieler agieren mitunter zu theatralisch, und eine Straffung der Handlung hätte dem Film auch nicht geschadet. Es ist dennoch ein interessanter Film, der besonders im 2. Teil auf Grund des Soundtracks auch unheimliche Sequenzen aufweist. Die filmzentrale meint, dass “das Spiel mit dem Spiel um Realitäten .. durch starke Bilder von einer Atmosphäre schwelender Eindringlichkeit bestimmt [ist], die durch permanent präsente Elemente wie Videokameras, Spiegel und Glas verdichtet wird”.

Josef Rusnak's Verfilmung des Stoffes unter dem Titel “The 13th Floor” (1999) wirkt jedoch wesentlich stringenter, moderner und in Hinblick auf die Umsetzung der Geschichte heute auch sicherlich zeitgemäßer.

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