Sonntag, 31. Dezember 2017

Die besten Kinofilme 2017

So oft wie in 2017 war ich schon sehr lange nicht mehr im Kino. Das vielleicht beste Drittel dieser Filme, die ich noch einmal wiedersehen möchte, wird in alphabetischer Folge noch einmal kurz vorgestellt. Selbstverständlich ist dies nur meine persönliche Meinung. 

Die in Deutschland erfolgreichsten Filme könnt ihr euch bei insidekino ansehen. Es gibt in der TOP 25 keinen Film, der in meiner TOP 25 genannt ist. "Es" (Platz 6) und "Split" (Platz 19) habe ich gesehen, aber nicht in meine TOP 25 aufgenommen.

Auch in Ridley Scott's neuem Alien-Film Alien: Covenant, der ein Prequel ist und wieder von der Erforschung eines merkwürdigen Signals auf einem fremden Planeten handelt, ist die düstere Weltraum-Szenerie wieder das Nonplusultra für mich gewesen, insbesondere die Szenen der riesigen Ruinenstadt auf dem fremden Planeten und das Alien-Raumschiff selbst. 

Ansonsten finde ich, dass es auch bei dem neuen Film Mängel gibt, schwächere SchauspielerInnen, Nachlässigkeiten im Drehbuch, Fragen nach der Sinnhaftigkeit der ganzen Alien-Geschichte im Allgemeinen. 

Aber letztlich zählt für mich hier der visuelle Eindruck. 

Denis Villeneuve's SF-Film Arrival erzählt von einem First Contact mit einer außerirdischen Intelligenz, nachdem 12 Raumschiffe an verschiedenen Orten der Welt „Station“ bezogen haben. Das Militär baut am amerikanischen Landeplatz eine Basis auf und holt einen Physiker und eine Linguistin als Leiter eines Forschungsteams herbei, um eine Verständigung mit den Aliens herbeizuführen. Hinter der Glaswand sind die tintenfischartigen Aliens in einer nebligen Atmosphäre zu sehen. Die Glaswand ist gleichzeitig Projektionsfläche des Austausches von „Schriftzeichen“. 

Es ist sowieso schon einmal generell lobenswert, wenn ein SF-Film als Konfliktlösungsstrategie keine sinnlose Ballerei anbietet. Dieser Film punktet – abgesehen von der ethnologischen Herangehensweise - aber auch visuell.


Fatih Akin's Film Aus dem Nichts handelt von einem Terroranschlag der Rechten Szene in Deutschland auf ein kleines Büro, das Migranten hilft. Die Ehefrau kommt zum Tatort, sieht die Zerstörungen, bricht zusammen. 

Die mutmaßlichen Täter werden später gefasst, es kommt zum Gerichtsprozess, sie werden frei gesprochen, und die Frau sinnt danach auf biblische Rache, die sie in fatalistischer Manier umsetzt. 

Dieser Film lebt von der spannenden, authentisch wirkenden Inszenierung – auch des Gerichtsprozesses - und seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger, die gewohnt überzeugend agiert.


Yesim Ustaoglu's Film Clair Obscur spielt an der türkischen Schwarzmeer-Küste und handelt einerseits von einer jungen, modern erzogenen Psychiaterin, die in gehobenem Ambiente eine sexuell intensive Beziehung mit einem Mann pflegt, auf der anderen Seite von einer noch jüngeren Frau, die mit einem älteren Mann zwangsverheiratet wurde und mit ihm und der kranken Schwiegermutter in einem schäbigen Häuserblock wohnt. 

Die Geschichten laufen zusammen, als Mann und Schwiegermutter in der Wohnung sterben, die Frau traumatisiert zusammenbricht und in die Psychiatrie eingeliefert wird. 


Dieser Film, der düstere Untertöne hat, ist mit beeindruckender Intensität erzählt – und das gilt auch für die Trauma-Behandlung. 

Cédric Klapisch's Film Der Wein und der Wind spielt in der Weinanbau-Gegend Burgunds. Der Film handelt vom Wein, vom Wein kosten, aber auch von Rivalitäten zwischen Weinbauern und familiären Problemen und Wein-Ritualen. 

Drei Geschwister. Der Tod des Vaters naht, einer der Brüder kommt nach 10 Jahren rechtzeitig aus Australien zurück. Der Vater stirbt, und die drei Geschwister müssen über die Zukunft des Hofes entscheiden, ohne zunächst Einigkeit zu erzielen. Weiterführen, verkaufen? 

Es ist ein weitgehend harmonisch-natürlicher Film, der schön anzusehen ist. 

John Madden's Film Die Erfindung der Wahrheit erzählt von einer Profi-Lobbyistin (Jessica Chastain), die mit ihrem Team, das sie wie Schachfiguren leitet, für die Waffenindustrie arbeiten soll, aber kündigt, gleichzeitig den Großteil des Teams mit abwirbt und zur Gegenseite wechselt. 

Nach den ersten lobbyistischen Siegen der Frau, fängt die Waffenindustrie an, schmutzige Wäsche zu waschen und zerrt sie vor einen Untersuchungsausschuss. Aber die Frau und ihr Team sind gut vorbereitet und verursachen einen pressewirksamen Skandal um die Waffenindustrie. 

Insbesondere Frau Chastain kann in ihrer Rolle hier stark beeindrucken. 


Petra Volpe's Film Die göttliche Ordnung spielt in der Schweiz im Jahr 1971, als das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Ein Bergdorf steht im Mittelpunkt. Aus der Perspektive einer dort ansässigen Ehefrau und Mutter (Marie Leuenberger) wird geschildert, wie und warum sich diese Frau plötzlich aktiv für das Frauenwahlrecht einsetzt und welche Widerstände in den verbohrten Köpfen der Männer zu überwinden sind. Nebenbei geht es auch noch um die sexuelle Revolution. 

Das ist ein toller Film, auch weil er zeigt, wie schwierig es ist und wieviel Mut es braucht, Traditionen zu brechen, die oft von den Frauen auch selbst gelebt werden und welche Mechanismen dazu führen, dass Traditionen in festgefügten Gemeinschaften immer weiter fortgeschrieben werden. 


In Tarik Saleh's Kairo-Polizeidrama Die Nile Hilton Affäre muss ein Polizist im Offiziersrang, der auch nur durch Beziehungen an seinen Job gekommen ist, erkennen, wie korrupt und verkommen das ganze System ist. Als eine bekannte Sängerin in einem renommierten Hotel ermordet wird, wird er zwar zunächst mit Ermittlungen beauftragt, doch diese werden schnell eingestellt und der (absurde) Selbstmord der Frau festgestellt. Doch der Polizist hat eine Spur und ermittelt weiter. 

Der Film ist sehr spannend gemacht, wirkt authentisch und führt durch ein düsteres, übervölkertes und schmutziges Kairo, in dem die Korruption alle Schichten der Gesellschaft und insbesondere die Behörden und hier den Polizeiapparat bis unter die Kopfhaut erfasst hat und wo unliebsame Personen und Zeugen im Zweifelsfall durch bezahlte Killer ausgeschaltet werden.


Der erste Tahiti-Aufenthalt (Ankunft 1891) des berühmten französischen Malers Paul Gauguin bildet den Schwerpunkt von Edouard Deluc's Film Gauguin. Der Maler war ungefähr zwei Jahre dort, lebte in einer fragilen Holzhütte irgendwo primitiv am Strand, malte viel, musste sich das Geld für das Material etc. aber meist leihen, später schwere Aushilfsarbeiten annehmen, meist am Hafen. Gesundheitliche Probleme hatte er auch. 

Aber er besorgte sich eine junge Frau, die fortan sein Modell und seine Geliebte ist. Das Mädchen gibt ihm zunächst erheblich Auftrieb, doch später hat die Geliebte andere Liebhaber und nach zwei Jahren ist Gauguin psychisch und gesundheitlich so zerrüttet, dass er entscheidet, zurück nach Frankreich zu gehen. 


Der Film zeigt tolle Tahiti-Bilder und ist auch sonst recht ansprechend in Szene gesetzt, ohne viel Kitsch, aber vielleicht auch mit etwas zu wenig Mut zu drastischeren Szenen. Und er lebt von der schauspielerischen Leistung Vincent Cassel's als Gauguin.


Rupert Sanders' Film Ghost in the Shell ist stilistisch ein typischer Cyber-Punk-Streifen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine junge Frau (Scarlett Johansson), genauer gesagt ein Cyborg, ein menschliches Gehirn in mechanisch konstruiertem sehr leistungsfähigen Frauenkörper. Sie wird gegen Cyber-Kriminelle eingesetzt, die ihrer Firma zusetzen. Doch nach und nach wird ihr klar, dass ihre Erinnerungen gefälscht sind und die Gegner möglicherweise ihre Freunde sind, während die Firma ein falsches Spiel inszeniert hat. 

Der Film kommt in hervorragendem Look daher, vielleicht etwas zu bombastisch. Die Szenerien sind exquisit, zumal sie zum Teil im nebulösen Cyberspace spielen. Gewalttätige Auseinandersetzungen sind zahlreich.


Matti Geschonneck's Film In Zeiten des abnehmenden Lichts erzählt vom 90. Geburtstag eines hochdekorierten und etwas alzheimergeschädigten Alt-Stalinisten (gespielt von Bruno Ganz) in Ost-Berlin 1989. Anläßlich dieses Ereignisses kommen die näheren Verwandten, aber auch Funktionäre der Partei, Delegationen von Kombinaten oder sein Hausarzt zu der altehrwürdigen Villa, wo der Mann mit seiner Frau und der Haushälterin wohnt. 

Das Fest wird zum Desaster, noch bevor das Bankett eröffnet wird, weil die heile Welt im Familienclan gestört ist und der Nazi-Bankett-Tisch mit den ganzen Speisen drauf vorher zusammenbricht.

Die Skizzierung des Milieus gefiel mir – und auch die SchauspielerInnen überzeugen in ihren Rollen. 


Mike Mills' Film Jahrhundertfrauen erzählt von einem Teenager, dem im kalifornischen Santa Barbara im Jahr 1979 beigebracht werden soll, ein gut erzogener Mann zu werden. Seine alleinerziehende Mutter guckt dafür die beiden Mitbewohner im Haus (alt-Hippie und Punk-Lady) und das von kleinauf ihm bekannte Mädchen aus gemeinsamen Kindertagen aus. 

Es wird viel philosophiert über Erziehung, geredet über Sex und Rockmusik, Clubs werden besucht, Erfahrungen gemacht. 

Insgesamt ein atmosphärisch sehr gelungener Film mit einer sehr überzeugenden Annette Bening als Mutter.


ldikó Enyedi's ungarischer, in mancher Hinsicht beeindruckender Film Körper und Seele spielt überwiegend auf einem Schlachthofgelände. Hier arbeiten auch Frauen. Eine davon, von grazil-zerbrechlicher Schönheit, ist neu eingestellt als Lebensmittelkontrolleurin. Ihr merkwürdig steifes, klinisch akkurates Auftreten, das sie auch zu Hause zelebriert, bringt sie bald in eine Außenseiterposition. Wenig später werden Potenzmittel (für die Stiere) aus dem Medikamentenschrank gestohlen und im dortigen Raum randaliert, meist sind es Schmierereien.

Die Polizei wird eingeschaltet und diese beauftragt mit Einverständnis des Chefs eine Psychologin, die die gesamte Belegschaft des Schlachthofs untersuchen soll. Diese ist attraktiv. Speziell die Schlachter, sowieso testosterongesteuert, sind irritiert von diesen beiden Frauen. Die Psychologin beginnt ganz cool die Einzelgespräche mit dem Personal, alle Gespräche werden mit Recorder aufgenommen. 


Später werden alle nach ihrem letzten Traum gefragt. Der Chef erzählt, er sei ein Hirsch gewesen und hätte gemacht, was Hirsche eben so machen im Wald. Der Film zeigt, was die Hirsche da machen. Die Lebensmittelkontrolleurin erzählt, sie sei eine Hirschkuh gewesen und inhaltlich ungefähr dasselbe wie der Mann. Die Psychologin ist erst irritiert, dann empört. Sie spielt später den beiden die aufgenommenen Protokolle vor.

Später kommen sich Chef und Lebensmittelkontrolleurin näher, wollen zu Hause auch „zusammen einschlafen“. Die Psychologin überführt den Täter. 


Ein gelungener Film, man kann verstehen, dass er den Goldenen Bären in Berlin gewonnen hat. Aber, man muss Blut sehen können, sehr viel Blut – und nicht nur, wenn den Rindern im Schlachthof der Kopf vom Leib getrennt wird.


Kenneth Lonergan's Film Manchester By The Sea spielt überwiegend in dem gleichnamigen verschlafenen Städtchen, das an der Ostküste der USA nordöstlich von Boston liegt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mann (Casey Affleck), der in diesem Städtchen lange gelebt hat und gezwungenermaßen aus Boston, wo er als Hausmeister arbeitet, dorthin vorübergehend zurückkehren muss, um die Angelegenheiten zu regeln, als sein Bruder an Herzversagen stirbt. Gleichzeitig sieht er sich gezwungen, die Vormundschaft für seinen jugendlichen Neffen zu übernehmen. 

Tod, Trauer, Wut, Freundschaft und Familienschicksale verhandelt der in melancholischen Untertönen daher kommende Film gekonnt. In Rückblenden, die eine traumatische Geschichte offenbaren, wird deutlich, warum er dort nicht mehr leben will. 


Der Film Meine glückliche Familie von Nana Ekvtimishvili & Simon Groß spielt in Georgiens Hauptstadt Tiflis/Tbilisi und handelt von einer Frau, die in beengten Verhältnissen zusammen mit ihren Eltern, ihren Kindern und dem Ehemann dort in einer Wohnung lebt. Im Laufe der Jahre hat sie davon dann allerdings die Nase voll davon, verkündet ausziehen zu wollen und setzt das um, um alleine in einem anderen Viertel in einem Plattenbau zu leben. 

Unter georgischen Verhältnissen ist das ein Affront, aber die Kontakte mit ihrer Familie, die nix verstehen will und Angst hat, das Gesicht gegenüber den Nachbarn und Bekannten zu verlieren, reißen nicht ab. Man kommt sich wieder näher, aber die Frau beharrt standhaft darauf, auch zukünftig in jedem Fall alleine wohnen zu wollen. 


Der Film gibt einen guten Einblick in georgische Familienverhältnisse und zeigt nebenbei auch schöne Bilder aus dieser interessanten, etwas marode wirkenden Stadt. Das Ende des Films könnte weniger abrupt sein. 

Der Film Mr. Long des japanischen Regisseurs Sabu ist einer von jener Sorte, in der die Spannbreite zwischen emotional berührenden Szenen und großer Brutalität und Tragik sehr groß ist. Erzählt wird von einem taiwanesischen Killer, der sich nach einem verpatzten Auftrag in Japan erheblich verletzt in eine verfallene Siedlung einer kleineren japanischen Stadt retten kann. Dort entdeckt ihn ein Junge, der ihm nach und nach Wasser, Medikamente und Verbandszeug und Sachen zum Essen bringt.

Doch das Gemüse ist roh und so sucht sich der Mann in einer der verlassenen Wohnungen eine Kochnische, um die Sachen aufzubereiten. Einige JapanerInnen entdecken seine Kochkünste und laden ihn ein. Später wird ihm eine schiebbare mobile Küche quasi aufgedrängt, mit der er zu geeigneten Orten in der Stadt aufbrechen kann, um Nudelessen zu kochen und zu verkaufen. Der Junge zieht mit ihm los und hilft in der Kleinküche. 


Später hilft auch die Mutter des Jungen mit, aber zuvor muss er sie von ihrer Heroinsucht zwangsbefreien. Sie beginnen eine zarte Beziehung, doch die Frau kommt bald zu Tode, als sie von ihrem Dealer entdeckt wird. Der Killer/Koch muss realisieren, dass auch er „entdeckt“ wurde von der mafiösen Bande, deren Chef er töten sollte. Sie zerstören seine mobile Küche und schlagen die NachbarInnen, die das verhindern wollen. Es kommt zu einem Showdown, eine japanische Italo-Western-Variante, die weitgehend mit Messern ausgetragen wird. Mit großen Augen schauen die NachbarInnen zu, wozu der Koch fähig ist. 

Ein beeindruckender Film, der auch viel vom Leben und den Sitten in einer kleinen japanischen Stadt zeigt. 

In Tom Ford's Thriller Nocturnal Animals bekommt eine beruflich erfolgreiche Frau (Amy Adams) überraschend den ersten, ihr gewidmeten Roman ihres Ex-Mannes zugesandt und gerät beim Lesen des Buches psychisch aus dem Gleichgewicht, da sie sich und ihre Tochter als Teil der brutalen Handlung wiedererkennt. 

Verfilmt ist zu einem Großteil auch das, was sie liest, der Film wechselt daher häufiger unvermittelt zwischen ihrem realen Leben und der Buchgeschichte und wahrscheinlich auch noch zu einer dritten Ebene, die Erinnerungen an ihre Beziehung mit dem Mann sind.


Die Buchgeschichte sorgt für die Thriller-Elemente des Films. Sie handelt davon, dass die junge fiktive Familie auf einer einsamen nächtlichen Straße in die Gewalt von Bösewichten fällt, die ihr Auto an den Straßenrand abgedrängt und nichts Gutes im Sinn haben. 


Es ist ein spannender, beunruhigender Film mit Tiefgang auch in den Dialogen, dessen Schlusspointe zu gefallen weiss. Normalerweise bin ich allerdings kein Fan von Psycho-Thrillern, weder in Buch- noch in Filmform.


In Jim Jarmusch's Film Paterson spielt eine kleine Dogge mit subversiven Charakter eine Hauptrolle. Ansonsten handelt der Film im Grunde nur vom Leben eines Busfahrers in einer amerikanischen Kleinstadt, das eine Woche lang „beobachtet“ wird. Es ist aber kein Dokumentarfilm. 

Das Leben des Busfahrers ist „eingefahren“. Er hat eine schöne Frau, sie leben in einem Häuschen, werktags steht er jeden Morgen gegen 06:15 Uhr auf, schmust zuvor etwas mit seiner Frau, frühstückt immer das gleiche Zeugs, geht zu Fuß zur Arbeit, schreibt im Bus noch etwas an seinen Gedichten, bevor der Busdienst beginnt.

Abends kommt er nach Hause, seine Frau zeigt ihm ihr Tageswerk (sie malt, backt, gestaltet die Wohnung), sie essen, dann führt er das Hündchen aus, parkt es meist vor der Stammkneipe, trinkt dort ein paar Bier, trifft andere Gestalten, bevor es wieder nach Hause geht. 


Sehr harmonisch. Mir gefielen auch die Bilder aus der Stadt Paterson, u.a. gibt es schmucke alte unsanierte Industriebauwerke zu sehen. 

Sonja Maria Kröner's Film Sommerhäuser erzählt von einer Familie, die Mitte der 1970er Jahre anläßlich des Todes einer Oma in einem großen Garten zusammenkommt. Viele Enkelkinder sind auch dabei. Der Garten mit seinen uralten Bäumen, Baumhäusern und Wildnis-Gebieten hat seine Geheimnisse und birgt Gefahren. Der Film nimmt mal die Persektive der Kinder, mal die der Erwachsenen ein.

Auch wenn die Zusammenkünfte im Garten Konflikte offenbaren, zumal zu entscheiden ist, was nun weiter mit dem Haus und dem Garten geschehen soll, ist es Verdienst der Regisseurin, aus dem Film keine Soap gemacht zu haben. Das natürliche Spiel der DarstellerInnen erinnert vielmehr an einen französischen Film. 


Danny Boyle's Fortsetzung T2 Trainspotting spielt – logisch – etwa 20 Jahre später. Die Protagonisten von Teil 1 haben sich zum Teil gezwungenermaßen auseinander gelebt, aber nun treffen sie sich wieder und führen Verschiedenes im Schilde, u.a. die Kollegen umzulegen oder mit EU-Geldern ein altes Gebäude zu restaurieren und als Bordell zu betreiben. 

Gelernt haben sie nicht viel inzwischen, vielmehr sind sie offensichtlich dieselben schräg-chaotischen Typen mit einem gewissen Hang zu Drogenexzessen und Gewalttätigkeiten. Außerdem erzählen sie sich mitunter Geschichten von früher (aus Teil 1). 

Es gibt etliche boshaft-witzige Szenen im Film. 

In Colm McCarthy's apokalyptischen Zombie-Film The Girl With All The Gifts steht ein Mädchen im Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist – wie die anderen Kinder - infiziert und gefährlich, wenn sie Blut riecht. Die Menschen auf der Militärstation können sich mit einem Spray vor ihrem Blutgeruch schützen, haben im Übrigen aber nur Umgang mit den Kindern, wenn diese an einen Rollstuhl gefesselt sind. Doch die Militärstation wird bald überrannt und einige wenige Personen können mit einem Militärlaster fliehen. Das Mädchen gehört dazu, weil die Lehrerin sie schützt. 

Sie fahren nach London, das voller herumstehender Zombies ist, die nur aus der Lethargie erwachen, wenn sie Blut riechen. Schlechte Zeiten für Hasen, Hunde, Katzen.

Das Mädchen wird von seinen Fesseln befreit, denn sie wird als Kundschafterin und Helferin gebraucht. 


Sie hilft … zunächst, doch sie weiss, dass sie anders ist als die letzten Menschen. Der Film ist toll, aber nix für Zartbesaitete. 

Na Hong-jin's Film The Wailing – Die Besessenen spielt in einem kleineren Ort in den Bergen Süd-Koreas. Zwei mäßig talentierte Polizisten, die gewöhnlich nur mit kleineren Fällen zu tun haben, sind völlig überfordert, als Leute anfangen durchzudrehen, ein zombieartiges Verhalten zeigen und ihre Familienmitglieder ermorden. Man bringt die Situation sehr bald mit einem Japaner in Zusammenhang, der nahebei in den Bergen in einem schwer zugänglichen Haus wohnt. Man findet dort seltsame kultige Gegenstände und Photos von den Toten, kann den Japaner aber nicht dingfest machen. 

Weitere Morde geschehen, auch die kleine Tochter des einen Polizisten zeigt seltsames Verhalten und Anzeichen von Besessenheit. Ein Schamane wird engagiert, um Schlimmeres abzuwenden. Es kommt zu exorzistischen Ritualen mit Tieropfern etc. Auch der Japaner, versteckt in einer Höhle, bemüht Beschwörungen und Rituale. Der Showdown ist blutig. 


Der Film besticht durch überzeugende Schauspieler (Koreaner mit schreckgeweiteten Augen machen sich ganz gut), eigentümliche Dialoge und eine fremdartig-düstere Atmosphäre, wozu mitunter auch die heftigen Gewitter mit strömenden Regen beitragen. Die Schauplätze sind „eine Schlachtplatte“, Gewaltexzesse sieht man dagegen kaum im Film. 


Valeska Grisebach's Film Western
spielt in den bulgarischen Bergen nahe der griechischen Grenze. Der Film handelt von einem deutschen Bauarbeiter-Trupp, der dort erste Arbeiten für ein Wasserkraftwerk machen soll. Doch die Arbeiten gehen
nur schleppend voran, weil Materialien und Wasser fehlen. Viel Freizeit, man kommt in Kontakt mit den Einwohnern eines benachbarten Dorfes. 

Es kommt zu Spannungen. Und wie es in machomäßig auftrumpfenden Bauarbeitertrupps so üblich zu sein scheint, gibt es auch unterschiedliche Einstellungen der Protagonisten und hieraus resultierende Spannungen untereinander. 


Der Film ist eine Studie über „Kulturkontakt“, wie er zustande kommt, wie und warum Konflikte entstehen, was passiert oder passieren kann, wenn eine Gruppe Männer in eine abgelegene Gegend verpflanzt wird und in der Nähe ein Dorf mit Frauen, Läden etc. ist – und man sich nur sehr mühsam über Sprache verständigen kann. Und das sehr authentisch-glaubwürdig in einem EU-Fall zu schildern, ist der
Regisseurin gut gelungen. 

57 Jahre nach der Einführung der Antibabypille und nachdem diese Erfindung im Weltmaßstab völlig unzureichend erfolgreich war, schaffte es der norwegische Regisseur Tommy Wirkola mit seinem in naher Zukunft angesiedelten und z.T. in Bukarest gedrehten SF-Film What Happened To Monday? mal wieder, das vergessene Thema „Überbevölkerung“ in einem dystopischen Science Fiction anzugehen. Natürlich ist es eine Diktatur, die sich dem Thema annimmt und die Ein-Kind-Politik verkündet. Die dennoch überschüssig geborenen Kinder und Personen sollen zwangseingefroren werden. 

Der Film zeigt die Menschenmassen in einer Mega-Metropole und den Überwachungsstaat, der an „1984“ erinnert. Überall Identitätsscanner. 


Der Film handelt von Siebenlingen, die der Vater den Behörden verheimlicht und in der Wohnung heimlich groß zieht. Die Mädchen erhalten die Namen Monday bis Sunday und lernen als eine einzige Person aufzutreten, von der jede einmal die Woche Ausgang hat. Die Lektionen, die der Vater erteilt, können brutal sein, doch ca. 25 Jahre lang geht das gut.

Eines Tages fliegen die jungen Frauen (Noomi Rapace) dennoch auf, als Monday verschwindet und müssen fortan um ihr Leben kämpfen. Insgesamt ein interessanter, kurzweiliger Film. Qualitative Abstriche wegen zu viel Brutalität und Action in der zweiten Hälfte des Films sind aus meiner Sicht dennoch zu verzeichnen. 

Österreich hat als Filmland einen ähnlich schräg-kauzigen Ruf wie Island oder Finnland. Josef Hader's Film Wilde Maus ist so eine Sorte Film. Erzählt wird von einem Musikredakteur (Josef Hader) in Wien, der nach über 20 Jahren seinen Job bei der Zeitung verliert („Ihre Leser sind längst tot“, meint der Geschäftsführer).
Gleichzeitig setzt ihn seit geraume Zeit auch seine Frau im Bett unter Druck, zumal sie ein Kind will. 

Der Musikkritiker dreht mental durch, verheimlicht seiner Frau die Kündigung, geht weiter angeblich zur Arbeit und kommt auch spät abends erst heim, da er spontan mit finanzieller Beteiligung ins Achterbahngeschäft auf der Kirmes eingestiegen ist. Gleichzeitig verfolgt seine subversiven Rachephantasien gegenüber seinem Ex-Chef, demoliert das Auto, nimmt Schußwaffenunterricht, verfolgt ihn bis in den Urlaub. 


Der Film ist recht amüsant, mit kauzig-anarchistischen Szenen und ironisch gefärbten üblen Wahrheiten. 

Das Odeon ist seit 2009 das von mir meistbesuchte Kino in Köln. Auf die Plätze 2 und 3 sind im Jahr 2017 Cinenova und Cinedom gerückt und haben hier gegenüber dem Vorjahr Filmpalette und OFF verdrängt. 


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