Donnerstag, 24. August 2017

Im Kino – Dunkirk und andere Filme

Christopher Nolan's Film Dunkirk ist mal wieder eine Geschichte aus dem 2. Weltkrieg, 1940 genau genommen, als die bösen Deutschen noch militärisch erfolgreich waren und britisch-französische Truppen in großer Zahl bei Dünkirchen einkesselten. Am breiten Strand warten die Soldaten auf die Evakuierung durch heimische Schiffe, von denen es (aus mir nicht so klaren Gründen) relativ wenige gibt. Ab und zu greifen Flieger oder auch U-Boote an, die einige Schiffe versenken.

Natürlich gibt es einige Protagonisten im Film, die entweder auch nach England wollen oder als Spitfire-Piloten am Himmel sich Luftkämpfe mit dem Gegener liefern. Nicht die Geschichte der Schlacht zu zeigen, sondern wie Einzelne sie erlebt haben, ist ein Pluspunkt des Films. Es erinnert vielleicht auch an Spielberg's „Soldaten James Ryan“.

Die ersten 85 – 90 % des Films sind souverän in Szene gesetzt, insbesondere mit Strand-Szenerien, Luftkämpfe und die Szenen auf und in den sinkenden Schiffen. Am Ende wird der Film dann jedoch zu pathetisch, insbesondere mit entsprechend kitschiger Musik. Mit der Meinung einiger Kritiker, hier werde politisch Stimmung für den Brexit gemacht, kann ich zwar nicht so viel anfangen, da es vielleicht doch eher die Kritiker sind, die den Film auf eine politische Ebene hieven, aber qualitative Abstriche am Film für die letzten 10 - 15 Minuten gibt es auch von mir, allein schon wegen der Musik.

Nur durch den Blick der Verlierer, der Nichthelden wird noch eine Ahnung von dem sichtbar, was in Dünkirchen und anderswo wirklich passierte“, meint die faz. Das stimmt, da steckt viel Wahrheit dahinter – und es ist sicher lobenswert, dass hier keine Superman-Heldengeschichte erzählt wird.

Christian Duguay's Film Ein Sack voll Murmeln nach einem autobiografischen Roman von Joseph Joffo (1973) ist ein weiterer Film, der überwiegend im 2. Weltkrieg spielt. Im Mittelpunkt steht hier eine jüdische Familie, die sich gezwungen sieht, Paris fluchtartig zu verlassen. Dabei werden die zwei jüngsten Söhne alleine auf den Fluchtweg nach Süd-Frankreich geschickt. Mit Bus, Zug und zu Fuß kämpfen sie sich durch, nicht ohne finstere Erlebnisse mit Hinrichtungen, Gefangenschaft etc. zu machen. Ihne wird aber auch geholfen.

Der Film enthält einige eindrucksvolle, manchmal auch brutale Szenen und ist schauspielerisch gut besetzt, vermeidet aber auch oft nicht einen zu nostalgisch wirkenden Touch, der bei Filmen, in denen Kinder eine Hautrolle spielen oft üblich ist. Cineman meint daher, dass der Film „weder die Erwartungshaltung an ein Kriegsdrama noch an einen Familienfilm erfüllen kann“.

Gurinder Chadha's Historiendrama Der Stern von Indien spielt 1947 und erzählt von der Teilung des Kolonialreiches Britisch-Indien, bei dem die Staaten Indien und Pakistan in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Bereits bevor England beschloss, Britisch-Indien aufzugeben und zu teilen, gab es Unruhen und Pogrome zwischen Hindus, Moslems etc., die wahrscheinlich über Jahrhunderte von den Engländern auch geschürt wurden, um ihre eigene Machtstellung zu erhalten – das funktioniert ja traditionell am besten, wenn die Bevölkerung uneins ist.

Im Film bestellt England einen neuen Vizekönig, der prunkvoll mit Frau und Tochter in den Palast in Delhi einzieht. Der Film erzählt von den Verhandlungen mit den indisch-pakistanischen Galleonsfiguren. Gleichzeitig wird die Geschichte zweier Bediensteter erzählt, er Hindu, sie Moslem-Frau und wie sie in die Geschichte und in die religiös motivierten Konflikte hineingezogen werden, die schliesslich auf weite Landesteile und bis in den Herrschersitz übergreifen.

Trotz mancher historischer Filmaufnahmen wirkt der Film nicht besonders authentisch und packend, in Inszenierung und schauspielerischer Leistung eher durchschnittlich. Wahrscheinlich passt es auch nicht zusammen, einerseits von den politischen Verhandlungen, andererseits von Schicksalen „kleiner Leute“ zu erzählen, ohne dass die Geschichte insgesamt mangels ausreichend Tiefgang oberflächlich bleibt.

Der Film möchte zu viel, überschwemmt mit Ereignissen und verliert dabei seine Figuren immer wieder aus dem Fokus“, konstatiert der filmaffe.

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen?

Dunkirk: möglich, aber tendenziell eher unwahrscheinlich.
Ein Sack voll Murmeln: tendenziell eher unwahrscheinlich.
Der Stern von Indien: tendenziell eher unwahrscheinlich.

Gefangen in Köln 2.0

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Treibgut - Mi, 15. Nov, 23:11
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