
Leos Carax' Film “Die Liebenden von Pont-Neuf” (1991) zählt nicht zu meinen persönlichen Highlights, aber ich dachte mir, für 4,99 € könnte ich mir die DVD doch zulegen und den Film noch einmal ansehen. Was mich wahrscheinlich damals wie heute an dem Film stört, ist, dass die Geschichte streckenweise zu dick, theatralisch und pompös aufgetragen wird. Die Geschichte spielt in Paris im Clochard-Milieu. Eine junge Malerin (Juliette Binoche), aus der Bahn geworfen durch eine schwere Augenkrankheit, zieht auf die Straße, genauer lebt auf der Brücke Pont-Neuf, die damals wegen Sanierungsarbeiten gesperrt war.
Dort lernt sie zwei andere Clochards kennen, verbringt mit ihnen die Zeit und verliebt sich in einen von ihnen. Doch zu tiefen sozialen Kontakten sind die Bettler nicht mehr fähig, so dass Neid, Missgunst, fehlendes Vertrauen und Sprachlosigkeit ihre Beziehung gefährdet. Mehr über den Film könnt ihr z.B. bei prisma nachlesen.

Claude Lelouch hat Dutzende von Filmen gedreht, aber “Männer und Frauen” (1996) ist wohl der einzige, den ich kenne. Es ist ein schöner und kurzweiliger, sehr intellektueller Film, der in Paris spielt und in dem es mehr oder weniger um das Leben selbst geht, um Beziehungen und um eine Theorie, wonach derjenige, der nichts von seiner schweren Krankheit erfährt, wahrscheinlich überlebt und derjenige, der irrtümlich von seiner angeblich schweren Krankheit erfährt, voraussichtlich dahinsiechen wird.
Die Theorie wird hier exemplarisch an einer absichtlich vertauschten Diagnose zweier Männer und ihr Einfluss auf das Leben dieser Männer erzählt. Der eine Protagonist ist ein Konzernboss, der gerne schönen Frauen hinterher jagt und aus Rache von einer fallen gelassenen Ärztin für krank erklärt wird, der andere ist ein erfolgloser Schauspieler mit Magenschmerzen. Beide leben mit Frauen zusammen, mit denen sie ihre magenprobleme bequatschen können - oder es eben nicht tun. Mehr zum Film könnt ihr z.B. bei kino-zeit nachlesen.

Regis Wargnier's Film “Est-Ouest - Eine Liebe in Russland” (1999) ist sehr spannend und dramatisch und insoweit schon deutlich anders inszeniert als die beiden anderen hier besprochenen Filme. Der Film spielt ungefähr zwischen 1946 und 1960 in Russland, überwiegend in Odessa und Kiew. Russen, die ins Exil geflohen waren, wurden mit Versprechungen in ihre alte Heimat gelockt. Doch bereits bei ihrer Ankunft in Odessa lauert der Tod.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine französisch-russische Arztfamilie, deren beengtes Leben in Russland und die jahrelangen versteckten Bemühungen, die französische Ehefrau (Sandrine Bonnaire) wieder aus dem Land bringen zu können.
Der Film glänzt durch die authentisch wirkende Schilderung der Überwachungs-, Beschattungs-, Denunziations- und Repressionsmechanismen in der russischen Diktatur. Nach vielen Jahren gelingt der Frau und dem Sohn mit Hilfe einer französischen Schauspielerin (Catherine Deneuve) die Flucht über die französische Botschaft in Bulgarien. Guter Film! Mehr zum Film könnt ihr z.B. bei kino-zeit nachlesen.
Treibgut - Do, 1. Jan, 02:17 - Rubrik: Movies