Einige asiatische Film-Highlights (DVD 31/08)
Die im Folgenden erwähnten asiatischen Filme fand ich seinerzeit schon im Kino gut. Und daran hat sich auch nichts geändert, wie ich in denletzten tagen festgestellt habe.

Sehr ruhig und dunkel-sentimental ist der vietnamesische Film “Three Seasons” (1999) von Tony Bui. Im Mittelpunkt der Handlung und nur locker miteinander verbunden steht das Leben einiger Menschen, die in Saigon leben.
Da ist einmal die Lotusblumenpflückerin, deren Arbeitsplatz ein wildromantischer Teich ist, wo sie mit anderen Frauen in kleinen Bötchen herumfährt und Lotusblumen pflückt, um sie dann in den Straßen Saigons zu verkaufen. In dem Teich steht ein Holztempel, in dem ein leprakranker Dichter lebt. Ihm bietet sie an, seine neuen Gedichte aufzuschreiben.
Dann ist da der Rikschafahrer, der eine Prostituierte umwirbt, die er mit seiner Rikscha immer am Hotel abholt, um sie nach Hause zu bringen.
Ferner gibt es da den kleinen Jungen, der mit seinem Bauchladen unterwegs ist und diesen eines Tages verliert, weil ihm ein Tourist in einer Bar ein Bier anbietet, das ihn fertig macht. Und es gibt den Touristen selbst (Harvey Keitel), der in Saigon seine Tochter sucht.
Dieser Film ist meiner Meinung nach einer der besten Vietnam-Gegenwartsfilme. Er zeigt viel vom täglichen Leben in Saigon. Es regnet oft sintflutartig im Film, weshalb dort auch die schönen vietnamesischen Regencapes vorgeführt werden. Ich kaufte in Hanoi auch mal ein Regencape - sogar noch vor dem Film. Mehr über den Film könnt ihr z.B. bei kino-zeit nachlesen.
1999 war ein großes Jahr für Zhang Yimou - zwei seiner Highlights drehte er damals.

“Not One Less” lief hierzulande unter dem Titel “Keiner weniger”. Der Film spielt in einem chinesischen Dorf. Der Lehrer muss für einen Monat weg, und als Ersatz wird ihm ein 13-jähriges Mädchen geschickt, das die Kinderchen unterrichten soll. Der Lehrer erklärt ihr, dass man die Buchstaben mit der Kreide nicht zu klein an die Tafel malen darf, aber auch nicht zu groß, weil man mit der Kreide sparsam umgehen müsse.
Anfangs dauert es etwas, bis sie die Kinder unter Kontrolle kriegt. Doch als einer der Jungen von der kranken Mutter in die Stadt geschickt wird, um dort Geld zu verdienen, will sie ihn um jeden Preis wiederhaben, hat aber kein Geld.
Den Kindern erklärt sie, dass sie ihr nun alle ihr Geld für die Busfahrt in die Stadt geben müssen, doch die Kleinen haben zu wenig. Also gehen sie alle in die Ziegelei, um einige Stunden Steine zu schleppen. Doch auch dieses Geld reicht nicht.
Im Klassenraum gibt's dann praktische Mathematik. Sie rechnen aus, wieviele Ziegel sie schleppen müssen, um das Geld zu erwirtschaften und wie lange das dauern dürfte. Schliesslich entscheiden sie, dass die Lehrerin schwarz fahren muss. Das klappt nicht, sie geht zu Fuß in die Stadt. Doch der Junge ist nicht, wo er sein sollte und die Lehrerin, mittlerweile selbst pleite, belagert schliesslich den örtlichen Fernsehsender, schläft auf der Straße.
Der Chef wird auf sie aufmerksam, sie kommt ins TV, tritt dort eine Welle der Hilfsbereitschaft los. Auch der kleine Junge, der in einem Restaurant zum Geschirr spülen angestellt wurde, sieht sie. Zusammen mit der Fernsehreporterin, zwei geländegängigen Fahrzeugen, viel Kreide, Schulheften und Geld fahren sie zurück ins Dorf.
Ein toller Film ist das, der neben dem Interessanten Schulszenen viel über das Stadt-Land- Wohlstandgefälle und die rasante Entwicklung Chinas erzählt. Mehr zum Film könnt ihr z.B. im kinofenster nachlesen.
Zhang Yimou's preisgekrönter Film “Heimweg” (1999) ist einfach eine schnuckelige romantisch-sentimentale Liebesgeschichte, die es emotional bestimmt mit “Titanic” oder “Pretty Woman” aufnehmen kann.

Der Film spielt in einem kleinen chinesischen Dorf. In der Rahmenhandlung, die in schwarzweiss gedreht ist, besucht ein Mann seine Mutter nach mehreren Jahren Abwesenheit anlässlich des Todes vom Vater, der der Dorflehrer war. Die Mutter hat nur noch zwei Dinge im Sinn: ein Leichentuch auf dem alten verrotteten Webstuhl zu weben und den Sarg des Vaters aus dem weit entfernten Krankenhaus in der Stadt gemäß einer alten Tradition durch Träger zu Fuß ins Dorf schaffen zu lassen.
Und Letzteres stößt auf Schwierigkeiten, denn im Dorf leben nur die ganz Jungen, Frauen und Alte, da die starken Männer alle auf Arbeitssuche in die Städte gezogen sind.
Während über das Problem nachgedacht wird, springt der Film 40 Jahre zurück ins Jahr 1958, wird farbig und erzählt von der beginnenden Liebe der jetzt alten Frau mit dem jungen Dorfschullehrer. Wie in einem Märchen - und Zhang Ziyi, die in ihrem Kinodebutfilm hier das junge Mädchen spielt, ist einfach nur süss.
Am Ende springt der Film wieder in die Gegenwart, wird schwarzweiss, erzählt von den zahlreichen ehemaligen Schülern, die aus dem ganzen Land anreisen, um auf einer tagelangen Reise durch die verschneite Landschaft den Sarg auf ihren Schultern ins Dorf zu tragen. Keiner will Geld dafür.
Es ist ohne Zweifel einer der schönsten Liebesfilme, die ich kenne. Mehr über den Film könnt ihr z.B. bei filmszene nachlesen.







